Von Kopfabschneidern und Nazis

Hat der Mord in Paris "etwas mit dem Islam zu tun"? Vermutlich müssen wir da nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Wenn jemand einen Lehrer enthauptet, weil der im Unterricht die "Mohammed-Karikaturen" thematisiert und im Rahmen des Geschehens "Allahu Akbar" schreit, dann hat er Mord wohl eher mit "dem Islam" in Frankreich zu tun als mit Olympique Marseille, dem fränzösischen Alpenverein oder der Gewerkschaft der U-Bahn-Zugsführer in Paris.

Vielleicht sollten wir aber den Kalauer mit dem "etwas zu tun haben mit" überdenken" - und uns überlegen, was das heißt.

Im Februar ermordete in Hanau der Deutsche Tobias Rathjen zehn unschuldige Personen - vorwiegend solche mit Migrationshintergrund. Vor seiner Tat veröffentlichte der Täter ein Pamphlet "Botschaft an das Deutsche Volk" mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Botschaften.

Hat der Hanau-Attentäter etwas mit Deutschland zu tun?

Nun werden sich wohl 99,9 Prozent der Deutschen - und das zu Recht - dagegen wehren, dass die feigen Morde in ihrem Namen erfolgten oder etwas mit der deutschen Kultur zu tun haben. Haben sieauch nicht. Die Morde haben etwas mit Rassismus zu tun und natürlich mit einer perversen Referenz an den Nationalsozialismus.

Spricht der Neuseeland-Attentäter für mich?

Im März 2019 ermordete Brenton Terrant in Neuseeland in zwei Moscheen 51 unschuldige Menschen. Der Mörder berief sich bei seiner Wahsinnstat auf einen Kampf "gegen den großen Austausch". Der "große Austausch" ist die Mrtapher für ein rassistisches Konzept, dass Menschen anhand recht überschaubarer Kriterien als "zugehörig" oder "nichtzugehörig" kategorisiert. Nicht zugehörig - und in weitere Folge vogelfrei - ist der Ideologie nach, wer dunkelhäutig ist oder Muslim ist.

Ich bin eine weiße Frau und Taufscheinkatholikin und habe vermutlich 99,9 Prozent aller weißen Frauen und Männer und Christen zwischen Feuerland und Kamtschatka hinter mir, die sich mit diese Morden NICHT identifizieren. Völlig unabahängig davon, dass der Mörder für sich in einer perversen Weise in Anspruch nimmt, weiße Frauen und Männer oder Christen mit seinem Attentat zu verteidigen.

Eine Vereinnahmung, die nicht stimmt

Worum geht es also? Der Terrorist von Paris hat (das kann man glaube ich schon sagen) mit Islamismus zu tun, aber nicht mit "dem Islam". Ich war gerade Einkaufen beim Billa. Die junge Amina, die seit Jahren an der Kasse sitzt und vermutlich als Kleinkind mit ihren Eltern vor dem Bosnienkrieg geflüchtet ist, und die mir immer ein Lächeln schenkt, ist Muslimin, hat mit dem Terroranschlag in Paris (und auch allen anderen Terroranschlägen nichts zu tun) genau NICHTS zu tun.

Der Terrorist von Hanau hat etwas mit den Relikten einer mörderischen Ideologie zu tun, aber NICHTS mit den Deutschen. Der Attentäter von Christchurch hat etwas mit rassistischer Ideologie zu tun. Es mag eine Minderheit von Menschen weißer Hautfarbe geben, die klammheimlich den Attentaten zustimmen, aber die wird prozentuell ähnlich klein sein wie die Zustimmung von Muslimen zu islamistischen Attentaten.

Die Betonung liegt auf klein - nicht auf Nicht-Vorhanden-Sein. Und es sei auch betont, dass des in den jeweiligen "Communities" eine zumindest indirekte Verantwortung gibt für die Taten. Prediger, die in Paris vom Endsieg des Islams über die Ungläubigen predigen gibt es ebenso wie Rassisten in Wien oder Hanau oder Christchurch, deren Wortwahl im täglichen politischen Geschäft nicht viel anders klingt als das, was in den Bekennerschreiben der Terroristen zu finden ist. Diese Wahrheit ist islamischen Verbänden ebenso zuzumuten wie der AfD, der FPÖ oder der Front National.

Womit es zu tun hat: mit Barbarei

Die islamistischen Terroristen, von Paris, Bataclan und Charlie Hebdo und die rassistischen Terroristen von Hahnau und Christchurch eint mehr als sie trennt. Was sie eint ist die perverse Annahme im Recht zu sein und sich in einem Endkampf zu befinden - in einem Endkampf für die Ideologie, die Religion oder die weiße Rasse.

All diese Wahnsinnstaten wiegen sich nicht gegenseitig auf. Sie finden sich allesamt auf der Waagschale auf einer Seite. Auf der Seite der Dummheit,der Barbarei und der Perversion.

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