Was Sinn macht: die 3G- Regel und die 0,5 ‰ Grenze

Demokratische Gesellschaften einigen sich auf zivilisierte Art und Weise über die Art und Weise ihres Zusammenlebens. Das betrifft auch Beschränkungen, Grenzen und Regeln.

Soeben haben wir uns darauf geeinig, dass am Arbeitsplatz künftig die 3G-Regel gelten wird. Die Einigung fußt nicht auf einem bloßen Einfall von Gesundheitsminister Mückstein, der die Botschaft überbrachte. Das Gesetz benötigt im Parlament eine Mehrheit. Das Parlament bildet den Wählerwillen ab. So läuft der Hase.

Wir einigen uns hie und da auf etwas

Wir haben uns unter anderem vor einiger Zeit darauf geeinigt, dass die Teilnahme am Straßenverkehr nur mit einem Blutalkoholgehalt von maximal 0,5 Promille erlaubt ist. Ein erwachsener Mann ist mit zwei Bieren, wenn er sich beim Trinken etwas Zeit lässt, knapp darunter. Frauen sollte noch mehr aufpassen. Der eine oder die andere wird einwenden, dass er schon mit mehr als zwei Bieren intus gefahren ist und keinen Unfall verursacht hat. Daran zweifeln wir gar nicht. Allerdings haben wir uns aus guten Grund darauf geeinigt, Fahren mit mehr als 0,5 Promille unter Strafe zu stellen. Weil die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall zu verursachen, mit zunehmendem Alkoholspiegel steigt. So einfach ist das.

Die Promillegrenze ist keine "faschistische Maßnahme"

Ist das eine Regel, die dem Schutz der Allgemeinheit dient? Oder eine Schikane eines präfaschistischen Staats? Immerhin: Der Herr Polizist darf einen alkoholisierten Fahrer auch dann von der Weiterfahrt ausschließen, wenn der Fahrer noch keinen Unfall verursacht hat. Und sogar dann, wenn objektiv gesehen noch kein Zweifel an der Fahrtüchtigkeit bestand. Ein Fahrer mit - sagen wir 0,6 Promille Alkohol im Blut - kann durchaus verkehrssicher unterwegs sein, ohne Schlangenlinien die Spur beibehalten und an der Ampel brav anhalten. Es wird ihm nichts helfen, wenn er in eine Kontrolle gerät.

Die Ausrede "gesund" zu sein

Ähnlich ist es im Fall Corona. Impfverweigerer kalauern ja bekanntlich beharrlich, dass sie als "Gesunde" zum Handkuss kämen mit den 3G-Regeln. Natürlich ist diese Momentaufmnahme eines "Gesunden" auf den ersten Blick plausibel. Tatsächlich gibt es Menschen, die weder geimpft, noch genesen, noch infiziert sind und trotzdem gilt plötzlich die 3G-Regel für sie. Die Momentaufnahme ist auf den ersten Blick ungerecht. Auf den zweiten schon nicht mehr. Wir leben nämlich in einer Gesellschaft und nicht alleine in einer Höhle im Wald. Und die Wahrscheinlichkeit, als Ungeimpfter die Gesellschaft künftig zu belasten, ist nun einmal gegeben. Wer ungeimpft ist, landet im Falle einer Infektion eher auf der Intensivstation als ein Geimpfter. Ein Geimpfter ist deutlich weniger infektös als ein Ungeimpfter. Wer sich impfen lässt, trägt zur Eindämmung einer Pandemie bei, wer sich nicht impfen lässt, pfeift darauf.

Wer sind nicht impfen lässt, pfeift auf die Gesellschaft

Das sind Fakten, auf Basis derer eine Gesellschaft Schlüsse zieht und eben auch Regeln aufstellt - eine davon ist die 3G Regel. Menschen, die sich die Impfung aus welchem Grund auch immer ersparen wollen (und auch nicht Genesene sind), werden das Übel der engmaschigen und lästigen Tests über sich ergehen lassen müssen - wenn sie arbeiten gehen wollen.

Die Gesellschaft hat sich demokratisch darauf geeinigt: Wir wollen die Pandemie in den Griff bekommen, die Impfungen sind der Schlüssel dazu. Wer sich nicht impfen lässt, muss sich die Tests gefallen lassen. Das hat mit der viel beschworenen "Impf-Apartheid" nichts zu tun. Ungeimpft zu sein ist kein "Schicksal qua Geburt", es ist eine bewusste Entscheidung der Person. Ob die Person Angst vor der Nadel hat, sich von den Horrorberichten in "alternativen Medien" zu Impfnebenwirkungen einschüchtern hat lassen oder einfach auf die Verantwortung für die Gesellschaft pfeift, ist einerlei. Die Gesellschaft gibt der Person das Recht, sind nicht impfen zu lassen, sie nimmt sich allerdings auch das Recht, für diese Menschen Regeln zu definieren.

Wichtig: Davon ausgenommen sind natürlich Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Das sind in der Regel die Menschen, die auf die Impfdisziplin ihrer Mitmenschen besonderns angewiesen sind.

Gibt es eigentlich eine "Trink-Apartheid"

Wenn ich mit Freunden beim Wirten sitze, am Parkplatz mein Auto stehen habe, mit dem ich die anderen nach Hause fahren muss und als einzige nüchtern bleiben muss. Dann hat es auch nichts mit "Trink-Apartheid". Sondern mit einer Regel, die Sinn macht für die Gesellschaft. Sie schränkt zwar meine Freiheit ein, dem einen oder anderen Aperol zusätzlich zu frönen an dem feuchtfröhlichen Abend. Aber sie ist nun mal nötig. Wenn es die 0,5 Promillegrenze nicht gibt, würden Leute sterben, weil sich dann noch mehr Besoffene ins Auto setzen.

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz macht auch Sinn für die Gesellschaft. Das sage ich auch als eine Person, die keine der beiden Regierungsparteien gewählt hat. Aber ich bin auch nicht besoffen mit dem Auto gefahren, als Herbert Kickl Innenminister war, um seiner Polizei eines auszuwischen. Nicht, weil ich so ein Untertanengeist bin, sondern weil ich Verantwortung zeige.

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