Wer bitte soll Van der Bellen Paroli bieten im kommenden Jahr?

In einem Jahr steht in Österreich die Wahl zum Bundespräsidenten an. Amtsinhaber Alexander van der Bellen ist gesetzt zur Wiederwahl - falls er antritt. Der jüngste ist er mit 78 Jahren nicht mehr, und das mit der ruhigen Kugel schieben im Alter in der Hofburg, das war einmal. Angesichts seiner Performance mit den Schmuddelkindern der ÖVP und der FPÖ in den letzten Jahren gibt es wohl keinen Zweifel daran, dass er wiedergewählt wird, wenn er antritt. Dennoch könnte die Wahl unliebsame Begleitmusiken haben.

Mein Tipp: Die Grünen werden sich naturgemäß für seine Wiederwahl stark machen, die SPÖ wird sich in den Windschatten werfen für VdB. Das kostet nicht viel und man ist auf der Siegerseite. Die Grünen und die SPÖ haben eine angenehme Position.

Die ÖVP ist handlungsunfähig, wie es aussieht

Interessanter ist schon, was die ÖVP tut. Im Jahr 2016 hatten sich viele Bürgerliche für Van der Bellen stark gemacht in der Stichwahl gegen Norbert Hofer - der aktuelle Parteivorsitzende Sebastian Kurz aber demonstrativ nicht. Das war vermutlich schon ein Teil dessen Strategie, die nicht unwesentlich darauf beruhte, Wähler der FPÖ für sich zu gewinnen. Für die wäre ein Engagement für VdB schlecht angekommen.

Die (heute) noch unter dem Kommando von Kurz stehende türkise ÖVP kann sich naturgemäß nicht hinter VdB stellen. Aber sie werden auch nicht annähehernd ein Kaliber hervorzaubern können, das gegen VdB auch nur den Funken einer Chance hätte. Eine Wiederwahl von VdB nicht zu unterstützen, gleichzeitig aber keien Kandidaten aufzustellen, weil man Angst vor eine Niederlage hat: Das ist das Dilemma der ÖVP. Wobei keiner von uns sagen kann, wie die ÖVP in ein paar Wochen aussehen wird, geschweige denn in einem Jahr.

Mein Tipp: Die ÖVP ist nicht in der Lage, einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen, weil sie die Trümmer der Kurz-Ära wegräumen muss. Diese Partei ist erledigter, als wir das heute auch nur ahnen können. Für die Wahl zum Präsidenten ist sie ein Totalausfall.

Die FPÖ könnte auf einen Achtungserfolg spitzen

Die FPÖ war mit Norbert Hofer halbwegs knapp dran vor fünf Jahren. Dessen Ankündigung, nochmals anzutreten, dürfte er mittlerweile begraben haben, Hofer ist politisch weg vom Fenster. Für ein weiteres - und vermutlich schlechteres Ergebnis - wird er sich einen anstrengenden Wahlkampf nicht antun.

Mein Tipp: Die FPÖ wird einen honorigen Gegenkandidaten aus dem Hut zaubern, der politisch halbwegs unbelastet ist, der sich einen Wahlkampf antut und der nicht fürchten muss, tatsächlich Präsident zu werden. Das gibt (falls es keinen weiteren Gegenkandidaten gibt), ein achtbares Ergebnis von 20 bis 30 Prozent Gegenstimmen zu VdB, die zu einem guten Teil auch von Anhängern der SPÖ und vor allem ÖVP kommen, die mit VdB nicht zufrieden sind oder einfach frustriert sind. Die FPÖ wird das als "FPÖ gegen alle" und folglich als Erfolg verbuchen. Das darf sie auch.

Bitte keinen Obskuranten als Gegenkandidaten

Was passiert, wenn kein Gegenkandidat zu VdB in Sicht ist, er aber wieder antreten wird? Das Horrorszenario für das Land: Irgendein obskurer Typ aus dem Lager der Neuen Rechten oder der Schwurbelrszene betritt das Parkett und tritt gegen VdB an. Dieser Desperado hätte zwar keine Chance auf das Amt, aber immerhin: So um die 15 Prozent würde ich einem Zählkandidaten auch zutrauen, so obskur kann der gar niocht sein. Nicht, weil die Wähler den oder die für fähig halten, sondern einfach deswegen, weil sie VdB nicht mögen, ein Zeichen des Protests setzen wollen oder einfach lustig sein wollen. Ein identitärer Neonazi oder ein Impfgegner-Kasperl der Querdenker-Szene mit einem Achtungserfolg bei der wichtigsten Wahl des Landes - das bleibt uns hoffentlich erspart.

Vielleicht: der letzte Tanz des HC Strache

PS.: Sogar ein Antreten des HC Strache hielt ich in dem Szenario für möglich. Auch er hätte keine Chance gegen VdB, und er hätte beim Fehlen anderer Gegenkandidaten wenigstens das Gefühl, dass ihn noch irgendjemand ernst nimmt. Die Chance bekommt er nämlich ansonsten nirgendwo mehr.

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Bösmenschen

Bösmenschen bewertete diesen Eintrag 20.10.2021 18:48:12

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