Warum kommt so viel Wut auf Israel und Hass gegen Juden ausgerechnet von links?

Der "klassische Antisemitismus" – der sich auf rassische und religiöse Vorstellungen stützt – ist in Deutschland nicht mehr allzu weit verbreitet. Aber der so genannte "sekundäre Antisemitismus" – und da geht es vor allem um die Relativierung des Holocaust – und der israelbezogene Antisemitismus - sind nach wie vor weit verbreitet.

Je nach Umfrage vertreten 25 bis 40 Prozent der Deutschen solche Ansichten, sagt Prof. Dr. Beate Küpper* und weiter:

"Also Vergleiche: ‘Das, was die Nazis mit den Juden gemacht haben ist auch nicht schlimmer, als was die Juden jetzt mit den Palästinensern machen.‘ - Solche Sätze erfahren hohe Zustimmung. Oder: ‘Aufgrund der Politik Israels kann ich verstehen, dass man Juden nicht mag.‘"

Dahinter steckt, so die Sozialpsychologin Küpper, eine Täter-Opfer-Umkehr.

Also der Versuch, die eigene Schuld zu relativieren:

"Indem ich den Opfern Mitschuld zuweise oder sage: ‚Juden benehmen sich auch nicht immer so super.‘ - Dann werden also die Opfer zu Tätern gemacht und gleichzeitig werden die Nachkommen der Täter etwas weniger zu Tätern und fühlen sich auch als Opfer. Forderungen nach einem Schlussstrich sind typisch oder Ärger darüber, dass den Deutschen immer noch die Verbrechen an den Juden vorgeworfen werden.

Also plötzlich ist man selber in der Opferposition und muss sich gar nicht mehr mit der eigenen Verantwortung beschäftigen."

Aber warum nur sind Grüne und Linke ähnlich antisemitisch wie ihre Großeltern?

Warum kommt so viel Wut auf Israel und Hass gegen Juden ausgerechnet von links?

Ein zentrales Motiv der Nazis war der Antisemitismus. Grüne und Linke bekämpfen vorgeblich Nazis, sympathisieren zugleich mit Palästinensern und Muslimen, die jedoch ihrerseits nicht selten antisemitisch sind.

Und auch bei Grünen und Linken selbst entdeckt man ähnliche Tendenzen. Wie passt das alles zusammen?

Die zu Grunde liegende Fehlvorstellung

Junge deutsche Linke glauben oft, Araber seien so etwas Ähnliches wie Juden. „Ja, wenn auch nicht so ganz. Aber, die kommen doch aus der gleichen Ecke, da unten. Mensch, toll. Dann helfen wir denen doch jetzt mal. Da kann ich mir beweisen, dass ich kein Nazi bin.“

Viel wichtiger – und das ist den meisten ‚Gutmenschen-Kritikern‘ noch immer nicht aufgegangen – ist aber das zurückgelagerte Motiv vieler junger naiver Deutscher, frei nach dem Motto :

„Hätte ich damals im Dritten Reich schon gelebt, dann wäre ich doch bestimmt kein Nazi gewesen, oder?

Was der Opa da in Russland gemacht hatte bei der sogenannten ‚Partisanenbekämpfung‘, war bestimmt nicht gut. Der Opa hat ja womöglich auch Juden auf dem Gewissen – Aber ich kann es nun wieder gut machen.

Gut, dass Araber ja eigentlich wie Juden sind. Wie praktisch, dass die alle aus der gleichen Ecke kommen.“ Er streichelt sich den Bauch und alles ist für ihn in Ordnung.

Massenhafte Wahnvorstellung und naives Wunschdenken

Heutzutage weiß „der Westen“ nämlich sehr wohl objektiv von der existentiellen Bedrohungslage für Israel durch den Islamismus. Trotzdem werden diejenigen, welche öffentlich davor warnen, so behandelt, als wenn von ihnen die spezielle Bedrohung gegen Israel und eine allgemeine, als zu pauschal empfundene Kritik gegen den „den liberalen Westen“ ausginge.

Psychologisch nennt man das „Projektion“.

Wiederum – wie damals im Dritten Reich – will man die wirkliche Gefahr nicht sehen. Die Tätermerkmale werden hingegen auf die Opfer (Israel) und auf die Warner (die „Rechtspopulisten“) übertragen.

Ein Freund schrieb: „Ich vertrete schon länger die These, dass gerade die (deutsche) 68er-Generation links/grün wurde, aus Schmach, dass die Väter den Krieg verloren haben. Es klingt im ersten Moment etwas weit hergeholt, bei längerer Betrachtung wird es aber klar:

Aus unbewusster Schmach, dass die Väter „versagt“ haben, wurden diese 68er links oder gar linksextrem, „politisch korrekt“ und in der Konsequenz gegen alle scheinbar nicht-linken Muster eingestellt.

Daraus entstand ein Pseudo-Humanismus, der alles andere ausgrenzt und genau zur alten Radikalität zurückkehrt.

Man kämpft heute als Linker und Grüner nun scheinbar für das Gute, die Ehre wieder herzustellen und wendet die gleiche Radikalität und vulgären Antisemitismus an wie im Dritten Reich.

Dies geschieht alles meistens unbewusst. Diese Personen sind empört, wenn man ihnen nahelegt, dass sie ihre Väter unbewusst kopieren, den ganzen Hass und die Schmach, dass die Vätergeneration versagt hat.

Der Deutsche darf sich nicht deutsch fühlen.

Er muss übertolerant sein. Lieber die eigene Kultur leugnen und hart gegen alles andere vorgehen. DAS ist die Seele von Linken und Grünen auch heute.

Entstanden größtenteils aus der 68er-Denke. Was bleibt, ist eine identitätslose Ideologie. Die Linksgrünen sind eine Gefahr für das Land.“

Merkel hat die Büchse der Pandora geöffnet

Ein anderer Freund – schon mit Blick auf die Regierungspolitik – schrieb: „Der Hut, den man sich aufsetzt, muss nur groß genug sein, um die Wirklichkeit eingeschränkt wahrzunehmen. Eingeschränkte Wirklichkeitswahrnehmung bereitet vielen ein wohliges Gefühl.

Leider muss man befürchten, dass – neben einer linksgrünen, naiven jungen Generation – auch und gerade unsere Regierung ebenfalls stark von diesem Wunsch durchdrungen ist, sich permanent wohlfühlen zu wollen.

Es fehlt insbesondere bei der Kanzlerin die persönliche Härte, die Wahrheit zu ertragen und dem Volk zu vermitteln: Araber und Israelis sollen sich doch endlich vertragen. Sie möchte, dass sich alle Probleme „irgendwie“ selbst lösen.

Haben denn etwa Evangelische und Katholische sowie die aufgeklärten Gottlosen das nicht nach dem Dreißigjährigen Krieg auch gut geschafft?

Merkel lebt von der Hoffnung, dass es gut gehen wird.

Sie ist die Unverantwortlichkeit in Person und nicht nur schlechtes Vorbild für die Jugend; nein, sie heizt das falsche Denken sowie insbesondere das falsche Fühlen bei den jungen Linksgrünen auch noch an. Sie hat die Büchse der Pandora geöffnet.“

Ein neues Opfer-Volk muss her, welches wir dann schützen können, um uns so reinzuwaschen

Der Gedanke daran, dass die eigenen Eltern und Großeltern im Dritten Reich versagt haben, indem sie den Mord an den Juden zugelassen hatten, verkrampft „unsere“ Grünen und Linken sowie leider auch die SPD und deren rote SA („ANTIFA“) zu einer bestimmten Seelen-Haltung:

Wir, so glauben sie, müssen das irgendwie an einem anderen „Ziel-Volk“ als den Juden („denn die sind ja schon tot“) wieder gut machen, gewissermaßen ungeschehen machen, und somit unsere Eltern und Großeltern entlasten.

Künstlich wird versucht, eine simultane Situation zu konstruieren, in der man sich selber beweisen kann, dass man „zum Widerstand fähig“ sei und nicht versagt (hätte), wie die Eltern und Großeltern.

Was – bis Ende der 60er Jahre – zunächst aber fehlte, war ein geeignetes Opfer-Ziel-Volk. Die Juden kamen nicht mehr in Frage. Zum einen, weil die eigenen (Groß)- Eltern beim Morden zu gründlich waren. Zum anderen, weil die wenigen Juden im heutigen Deutschland „unsere“ Grünen, Linken, ANTIFA etc. pp. schließlich permanent an das erinnern, was verdrängt und „hinweg-entlastet“ werden muss.

Also Verdrängung des Geschehenen, aber Realen bei gleichzeitigem Versuch der Konstruktion oder Simulation einer wenigstens fast-realen Problemlage, die selbst-legitimierendes Handeln ermöglicht.

Wir wär’s mit Palästinensern und Muslimen als neuem Opfervolk?

Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt-Opfer-Volk, an dem man seinen herbeigesehnten heldenhaften Widerstandsgeist simuliert unter Beweis stellen kann, kam die versammelte Linke inklusive der selbstgerechten, gefühlsdusseligen 68er-Generation zunehmend auf die abartige Idee, dieses geeignete Projekt-Opfer-Objekt-Volk könnte doch im Konkreten die Palästinenser und im Allgemeinen die Moslems sein.

Dabei wird ganz elegant darüber hinweg gesehen, dass der Koran ein gutes Drehbuch für einen rechtsextremen Religions-Feudalismus bietet: Frauen- und Demokratiefeindlichkeit, Ständedenken, Adelsklasse der Imame, Rechts-, Freiheits- und Vernunfts-Ferne sowie eine mentale Vermassungstendenz.

Das alles spielte keine Rolle nach dem Motto: „Mangels Masse an echten Opfern haben wir immerhin ein Ziel-Opfer-Volk für unsere eigenen Wunsch-Projektionen gefunden“. Wortwörtlich: Auf Teufel komm raus. Denn das ist satanistisch im puren Sinne: Das eigene Ego muss geheilt werden.

Anderen darf alles erdenklich Böse unterstellt werden. Das „Ziel-Volk“ wird „passend“ permanent weiß-gewaschen. Das damalige reale „Opfer-Volk“ der Juden hingegen soll im Kontrast dazu als heutiges „Täter-Volk“ erscheinen.

Letztendlich aber nur, um seine eigene kranke Seele weißzuwaschen und die Mord-Taten der Nazi-Generation zu heilen. Das ist der moderne Faschismus in seiner hinterhältigsten Variante. Er kommt mit humanem Teint – gewissermaßen auf links gezogen – mit der ausgesprochenen Parole des Weges:

„Da schaut her. Die Juden sind nicht besser als die Nazis“. Und mit der unausgesprochenen Parole: „Die Juden waren doch selbst schuld am Holocaust; nicht unsere Eltern; nicht unsere Großeltern“.

Statt sie abzutragen, sammelt sich immer mehr Schuld an

Diese Motive sind die (allerdings bei den meisten Links-Faschisten) ins Unterbewusstsein abgeschobenen psychologischen Gründe für das aggressive, künstliche Geschrei und Gehabe der im Ungeist vereinigten Linken (leider inklusive der ehemals verdienstvollen SPD). Letztendlich werden für ein Linsengericht die starken Positionen der Gestaltungskraft, der Freiheit und die der Integrität gegenüber dem demokratischen Konkurrenten geopfert.

Empirie, Fakten, Bedrohungslage Israels, Schriftkenntnis der heiligen und unheiligen Bücher sowie Anwendung der kritisch-rationalen Verfahren: alles reinster Hokuspokus der gesellschaftlichen Mitte Vorgestriger und der auszugrenzenden ‚Rechtspopulisten‘.

Ist die Konstruktion der Lebenslüge vom palästinensischen Opfervolk es wert, auf die Maßstäbe und Praktiken des Westens zu verzichten? Offenkundig: ja. Und das alles nur fürs eigene Seelenheil, was natürlich nicht funktionieren kann.

Im Gegenteil: Es sammelt sich immer mehr Schuld an.

Um im Bilde zu bleiben: Wer bekommt im Tausch fürs Linsengericht eines wohligen Gefühls das hingegen faktische und sehr politische Erstgeburtsrecht?

Das wäre – wenn wir nicht aufpassen und nicht dagegen halten – die rechtsextreme, religionsfaschistische Tendenz einer wortgetreuen Auslegung des Korans, den der Literatur-Nobelpreisträger Winston Churchill allemal einst mit Hitlers „Mein Kampf“ verglich.

Das wäre weiters das Umschlagen des aktuellen medialen Meinungs-Feudalismus in seine nächste Stufe: die Gesinnungsdiktatur.

*Prof. Dr. Beate Küpper ist Sozialpsychologin und lehrt an der Hochschule Niederrhein. Sie gehörte dem Expertengremium an, das im Auftrag des Bundestags 2017 den zweiten Antisemitismusbericht vorlegte. Die Zitate von ihr sind der Dokumentation des „Deutschlandfunk“ mit dem Titel „Woher der Hass kommt“ (Autorin Ina Rottscheidt, 25.05.2018) entnommen.

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