Adorno, die Kinder und der Faschismus

Alle Kinder sollten in einem Umfeld aufwachsen dürfen, in dem sie keine Einstellungen und Charaktere in Richtung Faschismus entwickeln (müssen).

Der Soziologe Theodor Adorno versuchte direkt nach dem zweiten Weltkrieg und dem Holocaust herauszufinden, welche Charaktere besonders anfällig für Faschismus waren und diese zu beschreiben. Adorno selbst hatte in Amerika überlebt, kam aber nach Frankfurt am Main zurück. Adorno bemühte sich in „The Authoritarian Personality“, mit einem großen Team aus unterschiedlichen Fachgebieten und Herangehensweisen, sozusagen die Menschen und den Faschismus voneinander zu trennen - Faschismen sozusagen herauszudestillieren und zu isolieren. Seine Methode für diesen Versuch waren Interviews.

Gutes Umfeld für Kinder

Adorno meinte (wenn ich das richtig verstehe, meine geerbten Exemplare von „The Authoritarian Personality“ sind auf englisch), dass man bei Erwachsenen nicht viel Chancen hat, faschistische Einstellungen zu verändern, da der Charakter durch soziale Umstände schon so stark ausgeprägt sei, aber dass Kinder in einem Umfeld aufwachsen sollten, in dem sie keine, den Faschismus fördernde, Umstände und Vorbilder erleben müssten. Und entsprechende Verhaltensweisen übernehmen (müssen). Er meinte, spätere rationale Argumente gegen ausgeprägte FaschistInnen nutzten nichts, da das ursprüngliche Paradoxon der „schiefen“ Kindheit und der gelernten Mechanismen dadurch nicht aufgelöst würde.

In seiner Zeit verhaftet

Wenn man Adorno liest, merkt man deutlich, wie stark er von den psychoanalytischen Theorien seiner Zeit beeinflußt wurde. Ausdrücke wie „Superego“, „fehlende Kathexis“ etc. schwirren herum, die ohne Erklärung schwierig zu verstehen sind. Er wendet einiges auf die Gesellschaft an, versucht Erkenntnisse der damaligen Psychoanalyse auf die soziale, gesellschaftliche Ebene zu heben, vom Einzelnen wegzukommen. Klarerweise hat er auch den damals üblichen, heute veralteten „Ödipuskomplex“ und einige weitere sexualisierende Erklärungsversuche übernommen. In den letzten über sechzig Jahren haben sich die Theorien der Psychoananlyse stark verändert.

Unter den Typen mit stark ausgeprägten „faschistischen Syndromen“ finde ich persönlich „The Rebel and the Psychopath“, The „Manipulative“ Type and „The Crank“ am spannendsten für Fisch und Fleisch. Die werde ich bald einmal schildern.

Theodor Adorno und die anderen WissenschaftlerInnen argumentierten über die Kindheit, also lange bevor Menschen sich als „rechts“ oder „links“ definieren. Dafür wurde er immer wieder heftig angegriffen, und deswegen treffen diverse heutige politische Vereinahmungsversuche gar nicht.

The Authoritarian Personality, T. W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson, and R. Nevitt Sanford,Part two, Science Editions, John Wiley & Sons, Inc. New York, Copyright 1950 by The American Jewish Commitee

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