„Sprechen Sie mich nicht an, sonst muss ich mich verteidigen.“ Im Zweifelsfalle um sich schlagen, scheint die Devise mancher Impfgegner zu sein. Aggressionen werden als Selbstschutz verkauft.

Gestern in der Wiener U-Bahn: Ein junger kräftiger Mann starrt in sein Smartphone. Er trägt nur eine dünne grüne Stoffmaske über den Mund. Dazu muss man sagen, dass in Wien, im Gegensatz zu Salzburg mit seinen ganzen Touristen, eigentlich alle brav FFP2 Masken tragen. Vor allem in den Öffis, wo man dicht auf dicht steht.

Vor dem Mann steht eine Frau, die ein Baby umgehängt hat, das mit großen Augen in die Welt schaut. Die Frau kann nicht weg, denn sie hat den Kinderwagen an dem vorgeschriebenen Platz stehen. Böse Blicke helfen nichts. Der Typ ist immun. „Können Sie bitte ein Stück von dem Baby weggehen?“, frage ich den Mann. Keine Reaktion. Dann stelle ich mich demonstrativ zwischen ihn das Baby. „Sprechen Sie deutsch? Was ist mir dir? Bist du ein Neonazi?“, provoziere ich ihn. Endlich schaut er von seinem Handy auf. Seine Stimme ist gefährlich leise. „Gehen Sie doch von dem Baby weg, mit der ganzen Chemie, die Sie sich haben impfen lassen.“ Zugehört hat er also doch und er weiß genau, worum es geht. Ich mustere ihn schweigend, Angst habe ich keine, obwohl er ungefähr im Militärdienstalter ist.

„Sprechen Sie mich nicht an, sonst muss ich mich verteidigen“, warnt er mich. Das wiederholt er zweimal. Seine Körperspannung und seine Haltung deuten auf Schläge hin. „Willst du wirklich eine alte Frau hauen?“, frage ich ihn und breite die Arme aus. So geladen war der, wie eine wütende Wespe, die unbedingt irgendwen stechen möchte.

Seine Aggressionen stammten aber garantiert aus anderen Quellen als Corona. „Dein Opa war sicher ein Cetnik oder Ustascha“, denke ich, als ich aussteige. Hätte ich das laut gesagt, hätte er mich wohl wirklich gehauen.

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Graue-Eule

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Neguse Negest

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