"Berater in Judenfragen" für Assad

In Berlin sollen laut Polizei acht Syrer einen anderen Syrer zusammen geschlagen haben, weil er einen Davidstern um den Hals trägt. Ein Grund, sich die jüdische Geschichte in Damaskus anzusehen. Und eine bedeutende Geschichte von Antisemitismus.

Dass nur sehr wenige vor den Nazis geflüchtete Juden und Jüdinnen auf Dauer in Syrien wohnen blieben, lag an einem einzigen Mann: einem schrecklichen Täter des Nazi-Regimes namens Alois Brunner. Gab es in den 1940er Jahren noch um die 30.000 Gemeindemitglieder, so waren es vor dem Syrien-Krieg nur noch um die Hundertzwanzig, wie die Jüdische Allgemeine in einer Reportage aus Damaskus berichtete. Alois Brunner werden persönlich die Ermordungen von 130.000 Juden und Jüdinnen angelastet - davon viele aus Wien. In Österreich setzte noch 2007 die damalige Justizministerin Maria Berger eine Belohnung von 50.000 Euro aus, falls Brunner ergriffen werde! Für die Assad-Regierung wohl zu wenig finanzieller Anreiz, einen alten Nazi auszuliefern.

Beinahe unbehelligt bis zum Tod

Der Burgenländer Alois Brunner konnte mit prominenter Hilfe nach Syrien flüchten. Brunner wurde ein Art „Berater in Judenfragen“ für das Assad-Regime und soll im syrischen Geheimdienst tätig gewesen sein! Brunner soll erst im Jahre 2009 oder 2010 friedlich im Keller seines Hauses im Diplomatenviertel in Damaskus gestorben sein und wurde auf diese Weise nie für seine mörderischen Taten zur Rechenschaft gezogen. Außer, dass er durch zwei Briefbomben ein Auge und einige Finger verlor. 1987 interviewte ein Krone-Journalist Alois Brunner, der so „geheim“ lebte, dass er telefonisch zu erreichen war. In dem Interview sagte der alte Nazi-Mörder, „Grüßen Sie mir das schöne Wien, und seien Sie froh, dass ich es Ihnen judenfrei gemacht habe.“

Antifaschistische Kolonialmächte

Syriens Machthaber Assad soll Schulbücher gehabt haben, die auf ein einseitiges Bild von guten Arabern und bösen Kolonialmächten und Juden beruhten, steht bei Wikipedia. Angebliche Zusammenhänge zwischen Kolonialismus und Judentum werden aber nicht dargestellt oder erklärt. Anderen Kolonialherren wurde sicher nicht ihre Religion angekreidet. Zuerst wurde Syrien ab 1920 Frankreich zugesprochen - syrische Araber, die unter den Osmanen gelitten hatten, erhielten also entgegen der Versprechungen keine Freiheit. Im Zweiten Weltkrieg wurde Syrien erst vom faschistischen Vichy-Regime besetzt, dann aber durch England und Frankreich, die sicher weiterhin als Kolonialmächte empfunden wurden.

Erstaunlich bleibt trotzdem, sich dermaßen stark mit einem Hitler-Anhänger wie Brunner zu identifizieren, um gegen zwei alte Kolonialmächte Unterstützung zu erhalten. Typischerweise mal wieder auf der Juden Kopf. Frankreich wollte nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Herrschaft über Syrien nicht aufgeben und das schöne Damaskus wurde bombardiert. Erst Großbritannien, selber altes Kolonialreich, und die USA gemeinsam, zwangen Frankreich 1946 dazu, ihre kolonialistische Handlungsweise aufzugeben.

Nun sieht man etwas genauer, wie alte Herrschaftsstränge hineinspielen, um im Kleinen immer weitergetragen zu werden. Die Geschichte ragt in die Gegenwart hinein, solange sie unbewusst bleibt.

https://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8837

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