Auf Dauer kann niemand mit einem Menschen leben, der sich an seiner Pseudo-Macht begeilt.

Ein Kinderzug in einer Linie hinter einem Anführer her. An einem Stock baumelt eine tote Katze. Genauer gesagt, ein dicker Kater, der Peter hieß, und auf der Bundesstraße angefahren wurde. Vorneweg, mit dem Stock über der Schulter und einem breiten Grinsen im Gesicht, ein Bursche. Nennen wir ihn Robi. Alle Kinder zappeln fröhlich hinter ihm her. Der makabre Zug führt von Haus zu Haus des kleinen Kärntner Dorfes. Keiner der Erwachsenen weiß, wie er auf den Umzug, der einem Karnevalsumzug aus dem Mittelalter ähnelt, adäquat reagieren soll. Die Besitzerin des Katers, Robis Kousine, beißt ihre Fingernägel.

Wilde Schreie aus einem Kinderplantschbecken, Robi drückt den Kopf seines kleineren Kousins minutenlang unter Wasser. Da der noch nicht schwimmen, aber laut schreien kann, hallen gellende Hilferufe durch das Tal. Wenn man alles stehen und liegen lässt und hinläuft, zur Rettung des ertrinkenden Kindes, trägt Robi ein breites Grinsen im Gesicht. Es entgeht ihm einfach, was daran falsch sein sollte, seinen kleinen Kousin zu quälen. Auch das Kind winkt ab, geschmeichelt ob der seltsamen Aufmerksamkeit, die ihm erteilt wird. Luftholen, und es geht schon wieder unter. Demonstrativ. Robi strahlt.

Selten aber doch, kann Robi lieb und ernsthaft sein, doch man weiß nie, wann er sich wieder hinter die Maske des grinsenden Gesichtes zurückziehen wird.

Sich abhauen

Später ist Robi ein großer Jörg Haider-Fan, der immer mit flottem Auto und Chauffeur unsere Bundesstraße entlang rast. In sein Ein-Schilling-Bärental, in dem ihm ganze Dörfer gehören. Wenn Robi im Morgengrauen aufsteht, um seinen Laster zu starten, schlafen noch alle anderen in der Siedlung. Sein Nachname ist slowenisch, seine Tante und seine Kousine heiraten Slowenen. Der Großvater, ein alter Nazi, starb im Auto. Gespenstisch fährt das Auto im Schritttempo durch den Hof, mit dem Toten am Steuer. Robi geht zur FPÖ, weil er sich den Bau eines Altersheimes wünscht, um seine Eltern endlich aus ihrem eigenen Haus zu kriegen und alleine wohnen zu können. Seine Tochter hat rotgefärbte Haare und fährt Motorrad. Sie macht eine Lehre. Die ganze Familie wohnt auf drei Stockwerken über- und untereinander, dicht auf dicht. Robis Vater, der immer seltsame Bemerkungen mit einem Lachen untermalt schob, stirbt an einem Herzinfarkt. Die Mutter haut sich über alles ab, was ihr fremd ist und sie daher eigentümlich findet. Das Altersheim wird nicht gebaut, dafür das Bachbett ausbetoniert. „Robi ist kein schlechter FPÖ-Gemeinderat“, sagt der SPÖ-Bürgermeister, der selber ein Zuwanderer ist, „die ÖVP ist viel schlimmer“.

Ende der Herabwürdigungen

Als Kärntner Mädchen wird man immun gegen das höhnische Gelächter. Denn sonst müsste man permanent verzweifelt sein. „Ich würde mit der Rosi nicht schlafen, selbst wenn sie nackt vor mir liegt“, degradiert der gutaussehende Eishockey-Spieler ein Mädchen, das in ihn verliebt ist. Lautstark im Bus. Niemand sagt etwas. Der dicke Peter, der die meisten sexualisierten Beleidigungen schiebt, muss sich später in einem Prozeß verteidigen, weil er eine 15-jährige geschwängert hat. Er wird sie zur Strafe heiraten müssen. Dann regt er sich auf, dass die junge Frau nicht kochen kann und das Baby so viel schreit. Dabei ist 15 Jahre eh schon alt. Cilli, die in unseren deutschen Tischtennis Trainer verliebt ist, wird schwanger mit zwölf. Es ist das Ende unserer Tischtennis-Meisterschaften. Der Trainer entfleucht nach Deutschland, um nie wieder zurückzukehren. Cill zieht das Kind groß, sie wird Verkäuferin in Klagenfurt. Andere Mädchen werden das Opfer des schmalen Abstandes zwischen dem Zeltfest und dem Toilettenwagen und fallen dem nächstbesten Auflauerer in die Hände. Nach mehreren Rüscherl (Cola mit Rum), auf die man eingeladen wird, und nicht zurückweisen darf, sonst kriegt man öffentlich einen Groschen in die Hand gedrückt. Für den Korb.

Der kleine Kousin, inzwischen ebenfalls FPÖ-Wähler trotz slowenischen Vaters, erzählt am Küchentisch anzügliche Geschichten über eine SPÖ-lerin. Anscheinend hat die FPÖ einen Detektiv beauftragt, der die Liebschaft der verheirateten Politikerin aufdeckte. Alle Nachbarn hauen sich ab. Robi vergeht kurzfristig das Lachen, als seine erste Frau abhaut. Sie ist die ständigen abwertenden Bemerkungen leid. Es dauert lange, bis Robi eine neue Frau findet. Die er aber auch sofort wieder heruntermacht. Doch die Klagenfurterin zahlt es ihm mit sarkastischen Bemerkungen zurück. Energieverschwendung. Irgendwann ist auch sie weg. Niemand steht auf Dauer auf einen Typen, der andere ständig herabwürdigt und sich an seiner Pseudo-Macht begeilt.

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G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 15.08.2016 08:44:33

Gerhard Novak

Gerhard Novak bewertete diesen Eintrag 15.08.2016 02:00:44

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