Arme Linke, verstreute Grüne, radikale Konvertiten-Muslime – warum haben Manche so ein Bedürfnis den Faschismus an Andere auszulagern? Sind das verkappte Konservative?

Eigentlich ist es nicht zu glauben und Nicht-Österreichern auch eher schwer zu erklären: Erst im Jahr 2017 brauchte der ÖVP-Parlamentsklub das Bild des faschistischen Führers Engelbert Dollfuß nicht mehr in seinen Räumen im österreichischen Parlament. Zum täglichen Anschauen und Anstaunen. Weil das Parlament umgebaut wird und nicht weil die ÖVPler das Porträt womöglich freiwillig hergaben. Engelbert Dollfuß, dieser Feind des Parlaments und der Demokratie, der das Parlament am 15. März 1933 durch die Polizei gewaltsam auflösen ließ, durfte also sehr lange im ÖVP-Parlamentsklub hängen. An eine Dollfuß-Rückkehr, nach der Renovierung, ist derzeit nicht gedacht.

Ungeliebte Demokratie

Hätte der Faschismus in Österreich nicht so viel vorgearbeitet, wäre der Nationalsozialismus 1938 nicht so erfolgreich gewesen. Aber so saßen nicht wenige widerständige Menschen, Sozialdemokraten, Kommunisten und andere, schon ab 1933 in faschistischen Lagern ein und konnten nichts mehr gegen die Nazis unternehmen. Die Opposition wurde schon im Faschismus verboten, ebenso Versammlungen und Streiks. Der Verfassungsgerichtshof wurde ausgeschaltet. Gerade im Gedenkjahr 2018 wurden diese Aspekte ausgeblendet, schrieben zwei Historiker kritisch im Standard. Türkis-Blau konzentriere sich auf andere Aspekte, aber sicher nicht auf die berühmten ÖVP-Politiker Julius Raab oder Leopold Figl, die die Demokratie nicht liebten.

„In der historischen Forschung lassen sich eine Vielzahl an Faschismusdefinitionen ausmachen (...). Gemein sind ihnen in der Regel aber folgende Kriterien: Ein stark ausgeprägter Führerkult, Nationalismus, eine Massenorganisation, Militarismus, Antiparlamentarismus, fehlende Rechtsstaatlichkeit und Verfolgung der politischen Gegner sowie eine totalitäre Ideologie. All diese Kriterien lassen sich auch auf den Ständestaat anwenden“, schreiben die beiden Historiker.

Konstante Angst

Sicher spielt auch die konstante offizielle Verschweigung des Widerstandes von verschiedenen linken Gruppen gegen den Nationalsozialismus eine große Rolle. Die Schriftstellerin Maja Haderlap sprach bei der Regierungs-Gedenkveranstaltung auch über ihren Vater, den kaputten Partisan. Die Nazis hatten ihn als Bub und Partisanen-Kurier an den Nussbaum gehängt, um Informationen zu erhalten. Was er später, in einer Wiederholung der Tat und zur Bearbeitung immer wieder selber tat. Seine Kinder mussten ihn mehrmals vom Baum abschneiden. Sie lebten in konstanter Angst, nicht schnell genug zu sein.

Umso bitterer ist es, nicht nur die fatalen und zerstörerischen Folgen dieser Zeit in der Familie aushalten zu müssen, sondern auch noch von irgendwelchen Apologeten und Relativierern als die eigentlichen „Faschisten“ bezeichnet zu werden. Auch wenn die in dieser allgemeinen politischen Atmosphäre nicht so viel für ihre Unwissenheit können, so schreien sie doch laut.

Maja Haderlap: Engel des Vergessens/Angel Pozabe

derstandard.at/2000091166369/Austrofaschismus-der-verschwiegene-Faschismus-in-Oesterreich

https://derstandard.at/2000061507443/OeVP-verzichtet-kuenftig-auf-Dollfuss-Portraet-in-Klubraeumen

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