Der Opfermythos – eine beliebte Strategie. In unserem Land klagten immer die Unternehmer am lautesten, wie sehr sie doch eingesperrt würden. Nun werden viele der „Ausländer-Beklager“ wirklich etwas zum Klagen bekommen.

Man wird sehen, ob Rechte bis Rechtspopulisten nun weiterhin ihren starken Opfermythos aufrechterhalten werden. Ob nach wie vor täglich mehrere Lamentos erscheinen, Klagen, Elegien über dies und das. Denn jetzt sind sie ja eindeutig die Sieger. Zwei Drittel der Bevölkerung haben die gewählt - mit den Neos, deren Chef sofort und schnell die Sozialpartnerschaft abschaffen will, sogar die Verfassungsmehrheit. Die werden Gesetze ändern. Strache wird Innenminister werden. Nun dürften sich die Ausländer-AnklägerInnen doch eigentlich wirklich nicht mehr fürchten. Oder doch?

Heute wurden zum Beispiel die persönlichen Betroffenheits-Berichte vieler Frauen in ein Lamento darüber verwandelt, dass die politisch benutzt würden. Auf diese Weise kann man wahre Opfer super ignorieren, Betroffenheits- und Solidaritätgefühle ausblenden. Echtes reales Opfertum wird umgedreht, hin zu „In Wahrheit sind wir die wahren Opfer“ einer „Manipulation“. Perfide.

Das Augenlicht verlieren

Sebastian Kurz war schon vorher an der Macht. Der „Integrationsminister“, der sich vor Flüchtlingen fürchtete, die sogar im Jugoslawienkrieg bei ihm Zuhause einzogen, so dass er Richtung Parteiakademie-Schlößchen flüchten musste. Der auf diese Weise zum Bundeskanzler wird – als „Balkanrouten-Schließer“, der angeblich die „Invasion“ gestoppt hat, die „Masseneinwanderung“ (was für eine Kriegssprache gegen Kriegsflüchtlinge). Und der sogar als Sieger immer noch Opfer ist: In seiner Dankesrede im Fernsehen gleich als erstes erwähnt, dass er (von einem deutschen Satiremagazin!) mit Hitler verglichen wurde. Während in Deutschland die Merkel quasi nonstop mit Kopftuch und Hitler-Bärtchen abgebildet wurde. Jetzt auch noch auf dem Falter Cover: „Der Neofeschist“. Armer Sebastian Kurz, alle sind gegen ihn. Dabei sind doch in Wahrheit so viele für ihn und er kann eh machen, was er will?!

Wenn die Lamentos nun nicht aufhören werden, die Klagen weitergehen, dann muss etwas anderes dahinter stecken. Ein neues Lamento-Gerücht aus Kärnten gerade: Ein sich schlafend stellender Flüchtling hätte einem Schaffner die Augen ausgestochen. Ganz geheim. Die ÖBB-Mitarbeiter hätten unterschreiben müssen, damit nichts an die Öffentlichkeit dringt. Wie kam dieses Gerücht dann an die Öffentlichkeit? Das Augenlicht verlieren, eine sehr schlimme Geschichte. Falls sie denn wahr wäre. Wer weiß das schon? Ein geheimes Gerücht kann niemand überprüfen.

Absolute Herrschaft

Der Opfermythos – eine beliebte Strategie. In unserem Land klagten immer die Unternehmer am lautesten, wie sehr sie doch eingesperrt würden. Nun werden viele der „Ausländer-Beklager“ wirklich etwas zum Klagen bekommen: Wenn das Enkel wegen der neuen, hohen Studiengebühren nicht studieren kann, wenn die Kinder ohne Kollektivvertrag und Kollektivlohn uneingeschränkt ausgebeutet werden können, wenn die Mindestsicherung als letzte Stütze für ganz Arme wegfällt und es mehr Obdachlose und Bettler auf der Straße gibt (Die Armen, die sich das anschauen müssen!). Wenn sich die Arbeitsbedingungen erneut so stark verschärfen, dass nur noch Ausländer die aushalten müssen und können. Dann darf man die erneut und noch stärker hassen. Ein Teufelskreis. In Stellvertretung für andere, die man sich nicht anzugreifen traut, denn die sind ja selber so arm. Müssen Steuern bezahlen zum Beispiel.

Schon greifen die Opfermythos-Leute auf Plakaten Wien an, dabei wird doch erst 2020 gewählt. Der Opfermythos ist eben sehr praktisch, denn unter seinem Schutzmantel darf man selber aggressiv sein und auf andere losgehen. Wenn wir einmal den starken Opfermythos in Österreichs Geschichte und echte Klagen, die sich eigentlich auf schlimme Ereignisse in der Kindheit beziehen, außen vor lassen.

Sollten aber diese starken Lamentos (wie zum Beispiel hier täglich zu besichtigen) trotz absoluter Herrschaft weitergehen, kann man sich sicher sein, dass andere Dinge dahinter stecken und die Klagen nur eine Projektion sind - eine Projektion auf diese praktischen Ausländer, die sich ja praktischerweise schlecht wehren können.

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Dieter Knoflach

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