Dafür zeigt Martin Kocher schon viele Vorurteile gegenüber Arbeitslosen. Diese Regierung wird von Anschaffern dominiert, die groß reden. Anderen anschaffen. Ist das Arbeit? Andere unter Druck setzen. Ist das Arbeit?

Wenn das Arbeitslosengeld zu hoch sei, würde der Anreiz sinken, sich eine Arbeit zu suchen, tönt der neue Arbeitsminister Martin Kocher sofort zu Dienstbeginn. Das wäre eine Binsenweisheit. Von wem? Zu Dienstbeginn gibt er von sich aus Interviews und wartet nicht, dass die Medien an ihn herantreten. Ein typischer Anschaffer eben, der glaubt, seine Arbeit bestehe in Reden. Das bürgerliche, christlich soziale Weltbild eines Arbeits-Ministers? Meine Leistung besteht darin Leistung von anderen zu verlangen.

„Hauptsache, die Arbeitslosen kriegen ihr Geld“, tönte der Rauchfangkehrer nach der Hauptkehrung mit einem zynischen Grinsen. „Sie müssen unter fünfzig Jahre alt sein, denn über Fünfzigjährige finden alle ganz allgemein keine Arbeit mehr“, sagte ich zu ihm. Er sah aus wie 49. Zweifelnd sah er mich an, aber er klappte seinen Mund zu. Während er Reden schwang, hatte der Lehrling die Messung durchgeführt. Der Junge wirkte gedrückt und sagte kein Wort.

Arme zwingen

Dieser neue tolle Experten-Minister hat keine Ahnung von Armut und wird von einer seltsamen Energie angetrieben. Keine Rede davon, dass endlich offengelegt wird, wie viel Förderungen Unternehmen (mit hohen Gewinnen im Jahr vor Corona) erhalten haben, keine Transparenz der schwergewichtigen Corona-Hilfsmaßnahmen – der alte Wunsch Steuerzahler-Geld unbegrenzt und unkontrolliert an „die Wirtschaft“ zu verteilen, erfüllt sich. Zu dem Umstand, dass derzeit zehn Arbeitslose auf einen einzigen Job kommen, fällt Kocher nichts ein. Nein, es muss an fehlender Leistung liegen. Den Bezug reduzieren! Klassische schwarze Pädagogik. Die Peitsche schwingen.

Armut potenziert sich, Herr Minister. Wer sich entscheiden muss, ob er den Installateur zur verstopften Dusche holt oder neue Schuhe für ein Bewerbungsgespräch kauft, wird sich für den Installateur entscheiden müssen. Mit alten Schuhen kein neuer Job. Wo soll bitte in Armut irgendein Anreiz sein? Das ist die alte Vorstellung von Arbeit, die nur über Zwang und Druck funktioniert, weil sonst keiner hackeln würde. Privilegierte müssten Arme zur körperlichen Arbeit zwingen. Das sieht der privilegierte Wissenschaftler als seine Hauptarbeit an. Von Armut betroffene Menschen erniedrigen, schauen, wo die Schmerzgrenze verläuft - dass sie am Ende doch einen der Billigjobs annehmen, in denen derzeit MigrantInnen verbraten werden.

Der Über-Anschaffer

Bundeskanzler Kurz ist auch so einer, der sehr gerne öffentlich im Fernsehen dem Gesundheitsministerium anschafft. Liefern müssen eh andere. Mein Wunsch ist euch ein Befehl. Wo bleiben denn die von Kurz im Fernsehen versprochenen FFP2-Masken für über Achtzigjährige „noch vor Weihnachten“? Er wird sie kaum selber einsackeln helfen. Kärnten unter Peter Kaiser wird das einzige Bundesland sein, das es möglicherweise schafft, des Bundeskanzlers Vorgaben von der Anti-Corona-Impfung von über 80jährigen „noch im Januar“ durchzuführen.

Anderen anschaffen. Ist das Arbeit? Andere unter Druck setzen. Ist das Arbeit?

Für Pensionskürzungen ist Kocher natürlich auch. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes hat er gleich im ersten Interview ausgeschlossen. So sehen eben gewisse Leute ihren Beitrag für die Gesellschaft. Gewöhnt an Ressourcen und Macht. Anderen mit weniger Glück im Leben anschaffen. Und was fällt unseren österreichischen Eingeborenen als Einziges dazu ein: Ausländern anschaffen!

Pavlofox/pixabay https://pixabay.com/photos/macro-cogwheel-gear-engine-vintage-1452987/

https://www.derstandard.at/story/2000123280247/arbeitsminister-kocher-ist-das-arbeitslosengeld-zu-hoch-sinkt-der-anreiz

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