Die abgeschnittene, vergessene Mutter

Das Foto des "Warsaw Ghetto Boy" eines österreichischen SS-lers ist sehr bekannt und wurde oft verwendet. Doch jemand fehlt auf den meisten Nachbildungen. Über Bildpolitiken und anderes.

Das Bild des kleinen Jungen, der von GESTAPO-Soldaten umkreist wird und tapfer voranschreitet und die Hände in die Luft hält, kennt man. Es ist ins kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben und wurde zu einem Symbol des Holocausts. Das Bild seiner Mutter, die daneben steht und sich zu ihm umdreht, kennt man hingegen nicht. Es wurde abgeschnitten. Die Mutter wurde vergessen. Über die Gründe kann man nur rätseln. Auf dem ursprünglichen Foto ist sie aber drauf.

Dieses weltweit berühmte Foto wurde von dem Nazi-Fotografen Franz Konrad gemacht, als Nazi-Soldaten das Warschauer-Ghetto räumten. Franz Konrad war ein österreichischer SS-ler (er trat bereits 1933 bei) und wurde 1952 in Warschau gehängt. Er arbeitete für den berüchtigten Kärntner Mörder Odilo Globocnik.

Wikipedia Zitat: "According to Eva Fogelman, the photograph has promoted the myth that Jews went passively "like sheep to the slaughter"." Eva Fogelman ist eine amerikanische Psychotherapeutin, die mit den Kindern von Holocaust-Überlebenden arbeitete. (Ich bilde das Foto selbst nicht ab, denn die Rechte sind unklar.)

Der Künstler Nir Hod stellte das Bild „Mother“ (2011-12) im New Yorker Jüdischen Museum am Central Park aus. Diese Mutter ist sehr groß und eindrucksvoll gemalt, in ihrer Angst um ihr Kind und um sich selbst. Sie wurde nicht zur Ikone, erhielt keinen bildlichen Ikonenstatus. Sie würde auf dem Gemälde wie eine Flamme dargestellt, schrieb jemand.

Nir Hod studierte an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem und lebt in New York.

http://www.nirhod.com/artwork/mother-3/?thumb

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