Die schwarzen Igelstrolche lauerten am Wegesrand. Sie machten Purzelbäume und hielten sich die Bäuche vor Lachen. Wird es die kleine Osterhäsin Trixie schaffen, ihr rotes Osterei an ihnen vorbei zu schmuggeln?

Frau Lampe suchte beunruhigt den Horizont ab. Wo blieb ihr Göttergatte nur? Schon wieder so viele Überstunden. Nur, weil diese Zweibeiner ein Modell namens Ostern erfunden hatten, musste ihr Mann Tag und Nacht schuften, was das Zeug hielt. Die Osterhäsin schüttelte den Kopf. Shit, ob er überhaupt rechtzeitig auftauchen würde, um ihre frische Graspastete zu futtern? Ein Gläschen Wasserwein zu trinken? Und sich anschließend ein Zigarettchen zu drehen und genußvoll den kleinen Wolken am Himmel zuzusehen?

Ihre sieben Töchter wuselten aufgeregt durch das Nest, hinein und hinaus. Die kleinen Osterhäsinnen liebten Ostern, denn dann war der arbeitslose Vater endlich einmal beschäftigt und glücklich und zufrieden mit der Welt, erweiterte seinen Horizont und fuhr mit seiner Oster-KTM durch die Gegend. Brachte zwar kein Geld, dieses ehrenamtliche Gedudel, aber er fühlte sich wohl in der Welt, ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Er sonnte sich in seinem Ruhm. Osterhase!

Trixie, die älteste kleine Osterhäsin, war nur sauer, weil ihr Vater sich konstant weigerte, ihr seinen Job beizubringen. „Ostereier austragen ist Männersache“, brummte er und zog die Augenbrauen zusammen, verschloß seine langen Ohren nach unten. „Du hast einfach nicht genügend Muskeln in deinen Hinterläufen.“ Trixie wollte es ihm nun beweisen. Also klaute sie ein rotes Osterei aus seinem Vorrat und suchte nun ein Kind, das genau auf dieses Ei wartete. Ihre Mutter hatte noch nicht realisiert, dass sich die kleine Osterhäsin davongestohlen hatte.

Die Igel Revolution

Die schwarzen Igelstrolche lauerten am Wegesrand. Sie versteckten sich im Gebüsch. Es war ihnen nicht gelungen, Herrn Lampe rechtzeitig in der Früh zu erwischen, um ihm seine süße Last abzuknöpfen, doch nun hofften sie auf andere SpaziergängerInnen, denen sie ein Ei abluchsen (abluchsen? abigeln?) könnten. Vor lauter Vorfreude machten sie Purzelbäume und kutterten herum, hielten sich die Bäuche vor Lachen. Sieben Igeljungs waren es, Frau Igel hatte viel Arbeit, die im Zaum zu halten. Die Igelin war froh, dass die Jungs heute beschäftigt waren. So konnte sie in aller Ruhe ein bißchen staubsaugen. Herr Igel war in der Nacht wieder einmal nicht nach Hause gekommen. Ob er eine igelige Liebhaberin hatte?

Osterhäsin Trixie schupste ihr rotes Ei vor sich her. Sie kam nur langsam voran, denn das Ei büchste immer wieder aus und legte Kurven ein. Sie hörte Stimmen in der Ferne. Lachen. Was war das? Vorsichtig schlich sie näher und entdeckte die Igelstrolche, die Spaß miteinander hatten, sich schupsten und balgten. „Stop“, rief der älteste Igelstrolch, der die kleine Österhäsin entdeckt hatte. „Halt! Wir wollen dein Osterei von dir!“ Trixie erstarrte vor Schreck. Das rote Osterei hergeben? Niemals! Gekonnt warf sie sich in ihre Kungfu-Position Number One! Harakiri! Muckefuck! „Mein Vater lässt mich nicht die Ostereier austragen und ihr stacheligen Lümmel werdet mich jetzt auch nicht aufhalten!“, rief sie.

Ein Vater, der einen nichts machen lässt, sondern alles lieber selber erledigt? Das kamen den kleinen Igeln bekannt vor. Sollten Kinder nicht zusammenhalten? Nach kurzer Beratung schlichen sie sich gemeinsam mit Trixie zum Osterhasen-Bau und klauten die restlichen Eier. Die anderen kleinen, vor Aufregung auf und ab hüpfenden Osterhäsinnen nahmen sie auch mit auf den aufregenden Ausflug zu den Kindern in der Welt da draußen. Die Igeljungs wollten nur schnell ihrer Mama Bescheid sagen. Auftritt: Die Igelin. „Warum tragen eigentlich immer nur Osterhasen Eier aus?“, fragte sie. „Wir Igel können das doch auch!“

Seitdem gibt es schwarze Ostereier. Und von Trixie rote mit schwarzen Punkten. Die versammelten rebellischen Menschenkinder freuen sich.

P.S. Das kleine rote A auf manchen schwarzen Ostereiern steht für „Anti-Milka“, nicht für Österreich

P.P.S. Gewidmet dem „Hausverstand“ seiner Oma, die alle Kinder verteidigte, inländische und ausländische

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fischundfleisch

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