Folgt jetzt endlich die Nazi-Väter-Debatte?

Wahrscheinlich kommt das ganze Herumgehopse auf der Herkunft von „Fremden“ ja daher, dass sich Rechtsrechte nicht mit ihrer eigenen Herkunft auseinandersetzen wollen.

Derzeit sieht man deutlich, wie stark es Rechtsrechte notwendig haben, den Attentäter von Hanau zu verharmlosen und jede geistige Nähe von sich weisen müssen, um ihr menschenfeindliches Weltbild gegen „Fremde“ aufrechtzuerhalten. Ein Text folgt in Höchstgeschwindigkeit dem nächsten. Sogar bis dahin, dass momentan von der bösen Medienwelt „gewaltfreie Rechtsextremisten diffamiert“ würden! Ja, die sind wirklich die ganz Armen, AFD-Leute sind die größten Opfer von Hanau! Aber sie leben doch noch?

Grüner Vater

Es ist erstaunlich, wie stark dieser Erklärungsbedarf ist. Denn ging es gerade vorher noch darum, dass der Mörder, der neun BesucherInnen von Shisha-Bars plus seine Mutter ermordete, einen Vater hatte, der sich bei der grünen Partei Deutschlands engagierte und anstrengend gewesen sein soll - so wurde dieser Erklärungsversuch schon wieder fallen gelassen. Denn als Merkmal von Grünen rassistische Morde zu begehen, das wäre schon gegen die Moral und Harmlosigkeit der angeblichen „Gutmenschen“, oder?

Dabei wäre die Väter-Debatte doch extrem spannend: Denn als nächsten Schritt hätten diese Rechtsrechten endlich einmal ihre eigenen Väter ins Visier nehmen müssen! Der Nebel hätte sich verziehen müssen. Wie es ihnen als Kindern erging, von einer Generation, die vom Nationalsozialismus geprägt war, groß gezogen worden zu sein? Schlecht wahrscheinlich.

Tote Mutter

Leicht ist es nicht, sich mit der eigenen Herkunft zu beschäftigen. Gerade bei anstrengenden Eltern, mit Schäden aus der Zeit der Judenverfolgung und des Krieges. Trotzdem, ein Kind kann sich genau gegen einen Vater, eine Mutter und deren Ideologien richten, wie der Sohn eines Grünen rassistisch bis rechtsextrem morden. Dann bleibt das Kind aber genauso im Trotz verhaftet und kann kein eigenes Leben entwickeln. Der Mörder lebte ja angeblich noch bei seiner Mutter. Ein Rechtsrechter schrieb: „Wäre der Mörder wirklich rechtsextrem gewesen, hätte er den Vater und nicht die Mutter umgebracht.“ Wieso? Töten Rechtsextreme keine Frauen? Wissen sie von der Vergangenheit ihrer Väter? Lehnen sie die ab?!

Zumindest in Österreich hatten nicht wenige bekannte FPÖler Vorfahren, die in der NS-Zeit aktiv waren. AFDler könnten sich ja mal einfach nur ganz alleine im stillen Stübchen fragen, was ihre Eltern bzw. Großeltern eigentlich vor der Reinwaschung durch einen offiziell, von oben her antifaschistischen Staat getan haben. Und warum sie selber so stark gegen bestimmte Menschengruppen sind? Von den Eltern übernommen?

https://pixabay.com/de/photos/kreuzung-verwirrung-dilemma-1580168/

2
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 26.02.2020 08:57:03

robby

robby bewertete diesen Eintrag 25.02.2020 22:18:29

246 Kommentare

Mehr von Kerstin Kellermann