Ein Remis gegen „Les Bleues“: Das Match des österreichischen Frauen-National Teams gegen Frankreich war an Spannung nicht zu überbieten. Am Mittwoch folgt Island.

Wenn sie nur nicht mit fliegenden Fahnen untergehen in der zweiten Halbzeit! Nach dem frühen, wunderschönen, überraschenden 1:0 von Lisa Makas gegen Frankreich zittern die Zuschauerinnen weitaus stärker als die Spielerinnen vor Ort - bei der derzeitigen Europameisterschaft in den Niederlanden. Die Fußballerinnen, die einfach ungerührt und pragmatisch weitermachen, den Ball jede Sekunde im Auge behalten – meistens mit drei Augenpaaren gleichzeitig. Dabei sind die Österreicherinnen eher wenig im Ballbesitz, behalten aber trotzdem ungemein die Kontrolle am Feld. Die tollen französischen Stürmerinnen werden erstaunlicherweise ständig und beinahe unaufhörlich eingebremst.

Der Kommentator redet immer wieder von „aufräumen“ und dass die Fußballerinnen „hinten die Ordnung gefunden haben“ und „defensiv sehr ordentlich“ stehen. Denkt der Kommentator bei Frauen-Fußball etwa an Staubsauger und Socken in die Waschmaschine räumen? Später vergeht ihm aber das „ordentliche Aufräumen“, und die Fußballerinnen sind „skrubellos“, „hauen einfach drauf“, in dieser „Schlacht“. „Die Österreicherinnen sind nur noch am rausschlagen.“ Das österreichische Frauen-National Team zeigt seine Stärke, seinen Zusammenhalt und den Willen, nicht aufzugeben, trotz dreier, beinahe intuitiver, Zug-zum-Tor Stürmerinnen aus Frankreich.

Höhere Nettospielzeit

„Ja, auch die Herren haben gespielt, aber nicht so gut“, strahlt ein enthusiastischer Nachrichten-Sprecher in der Pause. Der Trainer, ehemalig von der Admira, kann nach dem Spiel die nun insgesamt vier Punkte noch immer nicht ganz fassen. Er hatte von einem Punkt in der Europameisterschaft geträumt. „Wir haben Nadelstiche gesetzt. Das Spiel zeigt die kollektive Haltung des Teams“, betonte Dominik Thalhammer.

„Habe die Ehre, da räumt sie auf, sehr robust“, sagt der TV-Kommentator. Fouls gibt es auch, gelbe Karten, äußerst harte Zweikämpfe. Aber da die „Nettospielzeit“ im Frauen-Fußball deutlich höher liegt als im Herren Fußball, geht alles flotter mit dem Einwerfen, der Rückkehr in das Spielfeld etc.. Die Spannung ist beinahe unerträglich. Toll wehrt die Torfrau Manuela Zinsberger mehrere Attacken ab und gibt nachher noch gleich ein Interview. An Coolheit kaum zu überbieten.

„Sie laufen Sturm, die Französinnen!“, stellt der Kommentator in der zweiten Halbzeit fest, der gegen Ende aufgeregt die Minuten herunter zählt. „Technisch ganz sauber“, erzielt Nadine Prohaska fast noch ein Tor. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck erleidet eine blutende Wunde am Fuß und muss vom Spielrand aus zusehen, wie ihr Team geschätzte zehn Minuten ohne sie durchsteht. „Was für eine Arbeitsbiene“, sagt der Kommentator über eine Spielerin, das meint er aber hochachtungsvoll. Dann durchzittern alle die fünf Minuten Nachspielzeit.

Mittwoch gegen Island reicht ein Remis, um in das Viertel-Finale aufzusteigen. Dass der ORF die Spiele im Hauptabendprogramm überträgt, ist ein Riesen-Ansporn für alle Mädchen und Frauen, die Fußball spielen. Man erkennt sie derzeit an der Türmchen-Frisur auf dem Kopf, die stolz getragen wird.

Screenshot Internet Sieg der Österreicherinnen gegen die Schweiz, der Sieg gegen Frankreich folgte

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