Wenn man wirklich Frauenmorde verhindern will, muss der gesellschaftliche Status von allen in Österreich lebenden Frauen und Mädchen verbessert werden. Vor allem jetzt bei Corona der von Krankenschwestern und Pflegerinnen. Das neunte Mordopfer war eine Krankenschwester.

Ermorden ausländische Männer österreichische Frauen? Österreichische Prostituierte, behinderte Frauen und Mädchen waren in unserer Zeitungs-Studie, die 5000 Artikel aus Krone und Kurier untersuchte, in 25 Jahren die Opfer von Männern aus anderen Ländern. Gemordet wird immer von oben nach unten, fanden wir heraus und dieses Ergebnis bedeutete damals in den 1990er Jahren, dass sich Männer aus anderen Ländern in der gesellschaftlichen Hierarchie über gewisse in Österreich benachteiligte Frauengruppen stellen - aber eben nicht über alle Österreicherinnen. Ein Mörder hält sich für höherwertig, stellt sich über das Leben des anderen Menschen drüber und nimmt ihr oder ihm das Leben. Wie der Patriarch der Römerzeit, der ungestraft Familienmitgliedern und Dienstboten das Leben nehmen durfte – deswegen Patriarchat.

Gesellschaftliche Hierarchien

Ermordet ein alter Mann seine alte Ehefrau heißt es automatisch ohne Nachforschen, diese hätte ihren eigenen Tod gewollt. „Bis das der Tod euch scheidet“… Die Männer überleben manchmal, werden aber meist nicht vor Gericht gestellt. Die Einwilligung der Frau wird stillschweigend vorausgesetzt. Dann heißt es in den Zeitungen: Eine „Familientragödie“.

Wenn jetzt ein Ägypter, der schon sehr lange in Österreich lebte, seine Ex-Freundin erst bespitzelte und obsessiv verfolgte (sie ihn auch) und dann schrecklich tötete, so sah er sich hierarchisch als über ihr stehend an. Das ist neu und hat mit so genannten „Ehrenmorden“ oder irgendwelchen sozialen Herkunfts-Kulturen überhaupt nichts zu tun. Dieser Täter war eine Ausnahme der Tatsache, dass ausländische Männer gewöhnlich „ihre“ ausländische Frauen ermorden. Dementsprechend groß war das Echo und die Überraschung. Besonders bei Menschen, die daran gewöhnt sind, dass ausländische Männer in unserer Gesellschaft mit schlechten Jobs an der untersten Stufe der Gesellschaft stehen. Und dort gefälligst bleiben sollen.

Eine Krankenschwester töten

Ausländische Frauen werden selten von Österreichern getötet, heuer wurde aber schon eine Polin, zuerst von Polizei und Krankenhaus unterstützt, dann leider doch von ihrem österreichischen Lebensgefährten getötet. Für beide gab es schon vorher polizeiliche Annäherungs- und Betretungs-Verbote. Die bei extremen Obsessionen und überbordenden Verstrickungen kaum helfen.

Der so genannte „Bierwirt“ tötete nach Zeugen eine Krankenschwester und Mutter, es gilt aber noch die Unschuldsvermutung. Die Polizei verhaftete ihn vor Ort. Gerade jetzt, in der Corona-Zeit, in der die anstrengende Arbeit von Pflegerinnen und Krankenschwestern zwar gesehen, aber nicht in Form der in unserer Gesellschaft üblichen Anerkennung – nämlich mit Geld, also einer deutlichen Lohnerhöhung - aufgewertet wird, ein schlimmes Zeichen. Ein Lokalbesitzer, der bald hätte öffnen dürfen, stellt sich über eine Krankenschwester, nahm sich, wie es aussieht, das „Recht“ heraus, ihr das Leben zu nehmen. Nachdem er eine öffentlich bekannte Frau, die an seinem Lokal vorbeiging, mehrmals belästigt hatte und deswegen vor Gericht gestellt wurde. Diese Frau empfand er wohl als gesellschaftlich zu hoch stehend, um sich in Bezug auf Leben und Tod über sie zu stellen. Bei Ehefrauen, Freundinnen oder Ex-Freundinnen glauben aber manche Männer dieses "Recht" zu haben.

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