Gesten der Freiheit, der Hoffnung und der Menschlichkeit

Gangster in Neuseeland, ein Schwimmer in Mozambique, Jacinda Ardern, die zähe Premierministerin von Neuseeland und Klima-Kids auf Bäumen. Momentan bin ich etwas „nah am Wasser gebaut“.

Gestern vor dem Fernseher - und das gebe ich ehrlich zu, musste ich weinen. Zu sehen war ein Hubschrauber, der einem Mann ein Paket an einem Seil herunter ließ. Durch die Kamera von oben konnte man nur den Kopf des Paket-Empfängers sehen, das schwarze Gesicht zum Himmel gewendet. Der Mann stand oder schwamm in wilden, aufbrausenden, braunen Fluten, von Land war nicht viel zu erkennen - es ging um die Sturm-Katastrophe in Mozambique. Auf jeden Fall streckte der Mann, nachdem er das Paket erhalten hatte, dem Soldaten im Hubschrauber den Daumen nach oben. Daumen hoch. Danke. Wenn ich an diese Geste denke, kommen mir wieder die Tränen. Tja. Mitten im Nirgendwo, mitten im Wasser, im Untergang, ohne Strom, ohne Haus und bedankt sich für die Unterstützung. Ich wette, der Soldat musste lächeln über diesen tapferen Typen.

Beschützender „Mongrel Mob“

Rührung empfand ich auch, als ich die zähe, dünne Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Ardern, im Fernsehen sah, wie sie ohne Leibwächter und ganz alleine eine Trostrede für die Angehörigen der fünfzig Christchurch-Opfer auf der Wiese hielt: „We are one.“ Ganz in schwarz, mit schwarzem Kopftuch, bei dem man vorne die Haare sieht. Sie umarmte eine weinende, schwarze Frau mit Kopftuch fest und lange. Als sie dann auch einen in weiß gekleideten, bärtigen, religiösen Muslim umarmte, musste ich lachen. Der war sicher überrascht und „von den Socken“, wie man sagt. Mal was Neues für alle Freunde der „Muslime geben Frauen nicht die Hand“-Theorie.

Ebenfalls gerührt war ich von der gefährlichen Motorradgruppe „Mongrel Mob“, die die Moscheen bewachte. Die Mitglieder sind fast alle indigene Maori. Keine Ahnung, ob die überhaupt muslimischen Glaubens sind oder als Gangster irgendwie religiös, aber sie sind auf jeden Fall auch Opfer des Überlegenheitswahns von der „weißen Rasse“, der schon so viel Unheil hervorgebracht hat. In Australien wurden den Aborigins systematisch die eigenen Kinder weggenommen, die Frauen sterilisiert. Wahrscheinlich wurde das mit Maori ähnlich gehandhabt, wie bei uns mit Roma- und Sintikindern.

Euphorische Kids

Müssen die nun wirklich diesen Baum raufklettern? Bei der Klima-Demo der Kids am Wiener Ballhausplatz waren im Kanzler-Gebäude sämtliche grünen Jalousien heruntergelassen. Kurz und sein Tross hatten wohl Angst vor Steinen. Keiner schaute heraus. Die euphorischen Kids, die fröhlich hin und her wogten, bestiegen kindischerweise die Bäume im Volksgarten. Die mit abgeschnittenen Ästen in die Gegend ragen. Auch mehrere Mädchen kamen locker hinauf. Dann sassen sie oben und erfreuten sich der Aussicht über Tausende flotte Jugendliche und Kinder, denen das Schicksal der Erde nicht egal ist. Fröhlich und kindlich, euphorisch und bester Laune. Meine persönliche allererste Demo war eine für einen Turnsaal für unsere Schule, den wir auch erhielten. Dass man seine Lebensumstände zum Positiven hin verändern kann, ist eine ganz wichtige Erfahrung für jeden Menschen. Auch wenn es oft nur bei Gesten bleiben kann, wenn man wenig bis keine Macht hat. Aber wie man am Protest der wütendenden älteren weißen Herren sehen konnte, sind denen schon diese Gesten zu viel.

Gesten der Freiheit und Emanzipation, der Hoffnung und Menschlichkeit.

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