Grundwassersenkung für den Wiener U-Bahn Ausbau?

Für den Wiener U-Bahn-Ausbau verschwinden Kinderspielplätze, Hunderte alte Bäume werden geschlägert und nun wird auch noch das Grundwasser gesenkt. Alles dafür, dass Leute keine paar hundert Meter mehr zu Fuß gehen müssen.

Neulich sah ich an der breiten Straße hinter dem Wiener Rathaus, das an den Häusern Zettel befestigt sind. „Für die für den U-Bahn-Ausbau nötige Grundwassersenkung wird Ihnen das Wasser abgestellt.“ Grundwassersenkung? Was bedeutet das bitte? Wenn man die Tiefe der geplanten Stationen anschaut, so schaut dieser Plan wirklich gefährlich aus. Was ist, wenn das Grundwasser sich sozusagen weigert? Wo geht es hin? Sicher gibt es viel Erfahrung mit dem U-Bahn-Bau. Trotzdem. Über neunzig Bäume um das Landesgericht und die Universität wurden geschlägert, 160 möchte man noch „retten, falls möglich“. Mit abgesenktem Grundwasser vielleicht? Die vierspurige Straße wurde natürlich nicht angetastet, sondern der wenige Grünraum muss herhalten. Der neue U-Bahn-Ausbau befindet sich übrigens ein paar hundert Meter vom Schottentor. Dort konnte man früher gemütlich entlang der Bäume zu Fuß gehen. In Zukunft werden die Straßenbahnen eingestellt werden. Super Fortschritt.

Zerstörte Parks

Im fünften Bezirk habe ich gesehen, dass vom schönen, viel genutzten Bacher Park nur noch die Hälfte übrig ist. Die Stelle, an der die alten Männer saßen und sich täglich unterhielten, ist futsch. Die Querung Vergangenheit. Warum muss man gerade Parks für U-Bahn Ausgänge benutzen und zerstören? Die Bäume sind auch alle weg, die gesamte Hundezone. Der ganze fünfte Bezirk ein Auto-Eldorado, nur Straßen und Parkplätze – kaum Freiflächen für Kinder und ältere Menschen. Und genau dort muss man jetzt natürlich bauen. Denn Kinder und alte Menschen werden sich nicht beschweren. Autofahrer und „die Wirtschaft“ aber schon. Kein einziger Baum auf der Reinprechtsdorfer Straße, die Urhitze herrscht vor. Selbst die Geschäfte gehen ständig ein. Nun wird die neue Stadträtin wieder alles umschmeißen, was mit Bürgerbeteiligung lange geplant worden war. Vielleicht wird sie ja ein paar Nebelduschen bei ungestörtem Verkehr installieren… Wie wäre es mit einer öffentlichen Auto-Sprinkleranlage für die armen heißen Autos?

Angst um die Lobau

Man kann bei der U-Bahn genau sehen, was passiert, wenn unterirdisch gebaut wird – oben kommt die Apokalypse. Nichts steht mehr. Das lässt sehr Schlimmes für die schöne Lobau befürchten. Durch das Badegebiet und die Naherholung der Wiener an der Donau will man ausgerechnet eine Stadtbahn bauen. Genau dort. Angeblich unterirdisch. Als ob sich dann oben nichts ändern würde. Als ob der Krach der Autobahn neben der Donauinsel nicht genug wäre. Die ganzen Abgase.

In Deutschland konnte man sehen, was passiert, wenn Bäche in einen engen Kanal gezwungen werden. Ihre Breite reduziert, um Bauland zu gewinnen. Die Fließgeschwindigkeit erhöht sich enorm. Durch die betonierten Flächen rinnt das Wasser schneller in die Bäche als durch Gebiete mit Erde. Ein einziges Auto konnte so einen engen Kanal verstopfen. Noch dazu ein Mini.

In Wien wurden die Ufer der Wien zum Teil renaturiert, dort sind viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Nun gibt es Ärger um den riesigen heißen Parkplatz am Naschmarkt. Darunter liegt der kühle Fluss, der überplattet wurde. Die zuständige Stadträtin will eine Markthalle errichten lassen, um von ihr bevorzugten Gastwirten Gastro zu ermöglichen. Die Anwohner und die Flohmarkt-Standler wehren sich enorm. Sie wollen keine zusätzliche Gastronomie, von der wieder nur einzelne profitieren, sondern Kinderspielplätze und einen Park.

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