Informanten sterben - auf der Suche nach Klaus Barbie

Insgesamt 16 Jahre lang dauerte der Kampf des Ehepaares Beate und Serge Klarsfeld gegen den NS-Mörder. Sehr anstrengend, denn ehemalige SS-ler erhielten nicht wenig Unterstützung.

Ein Münchner Staatsanwalt stellte 1971 das Verfahren gegen Klaus Barbie ein, weil dieser angeblich nichts von Auschwitz wusste. Damit begann der Kampf des Ehepaares Beate und Serge Klarsfeld gegen diesen Nazi-Mörder. Barbie hatte 41 Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren aus dem jüdischen Kinderheim in Izieu-Ain festnehmen und deportieren lassen. Bei diesen Kindern konnte man beweisen, dass Barbie wusste, was mit ihnen geschehen würde. Jedes einzelne Kinderschicksal konnte von Serge Klarsfeld rekonstruiert und aufgeschrieben werden.

Die letzten 308 Juden von Lyon waren auch nach Auschwitz gebracht worden. Im Keller der Gestapo waren 42 Menschen einfach erschossen worden, für diese war Barbie ebenfalls verantwortlich. Beate Klarsfeld fand die Mutter von dreien der ermordeten Kinder aus dem Heim. Die Mutter wollte mit nach München kommen. Nach sehr viel Mühen wurde ein Staatsanwalt mit Hilfe der Medien und Aktionen (Dokumente reichen nicht, so die Klarsfelds) gezwungen, den Fall wieder aufzunehmen. Doch Barbies Repressionsmaßnahmen gegen die Resistance waren nicht dabei. Es gab ein Foto aus La Paz, das eine Gruppe von Geschäftsleuten zeigte – einer von ihnen ähnelte Barbie.

„Dreiste Gelassenheit der Mörder“

Ein in Lima lebender Deutscher glaubte Barbie erkannt zu haben. Der Verdächtige nannte sich Klaus Altmann. Eine zusätzliche Schwierigkeit bestand darin, dass Barbies bester Freund ein CIA-Agent war, ebenfalls ein geflüchteter Nazi-Verbrecher - in Bozen zu 21 Jahren Haft verurteilt. In Lima war dieser Mann maßgeblich an der Organisation der Postzensur beteiligt. „Seine Informanten saßen überall“, steht in dem Buch „Erinnerungen“ von Beate und Serge Klarsfeld. „Wenn Frankreich Barbies Auslieferung beantragte, wüsste Schwend, (der sich „Don Federico“ nannte) und infolgedessen Barbie binnen fünf Minuten davon.“

Altmann und Schwend lebten neben dem Arbeitgeber des in Lima lebenden Deutschen, der das wichtige Foto gemacht hatte. Dieser wurde in der Silvester Nacht ermordet. „Altmann bestritt wütend Barbie zu sein“, doch „zufällig“ hießen alle seine Kinder gleich wie die von Barbie und waren gleichzeitig geboren, wie Serge Klarsfeld herausfand. Die Tochter lebte in München. Auch seine Frau hieß „zufällig“ gleich. Barbie hatte ebenfalls für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet. Die USA entschuldigten sich später bei Frankreich für ihr Verhalten diesem NS-Verbrecher gegenüber.

„Politische Flüchtlinge“ wie andere auch

Als Barbie nach Bolivien abhaut, folgt ihm Beate Klarsfeld nach La Paz. Boliviens Staatschef und Diktator war zu dieser Zeit General Hugo Banzer. Altmann hatte in seinem mittlerweile eingezogenen Pass dasselbe Geburtsdatum wie Barbie stehen. Madame Klarsfeld muss das Land „freiwillig verlassen“, kehrt aber bald wieder zurück. „Für die Menschen in Peru und Bolivien waren die ehemaligen SS-Männer politische Flüchtlinge wie andere auch. Das Vernichtungswerk der Gestapo war dort nahezu unbekannt“, schreibt Beate Klarsfeld.

Eine Frau meldete sich, die als Mädchen von Barbie persönlich geschlagen worden war. Ihre Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Auch sie wird in den Kampf eingebunden. „Die Figur, die ich verkörperte, war viel größer als ich, das wusste ich“, schreibt Klarsfeld. In München holt sie Fotos von Frau Barbie ab und trifft sich mit ihrem Informanten, „der wenig später in einem italienischen See ertrank. Sein Freund Herbert war überzeugt, dass es kein Unfall war“. Beate Klarsfeld verliert in Folge der Anstrengungen des Kampfes gegen Barbie ihre Schwangerschaft. Ihre Familie erhält per Post eine Bombe, die jedoch rechtzeitig entschärft wird. „Ein paar Monate später erhielt Dr. Fully, ehemaliger Häftling in Dachau, ein gleiches Päckchen und machte es nichtsahnend auf. Die Explosion tötete ihn und die Concierge, die das Päckchen gebracht hatte.“

Der Prozess gegen Klaus Barbie fand schließlich erst 1987 statt! Er wurde wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt.

Nach dem Buch: „Erinnerungen“, von Beate und Serge Klarsfeld, Piper 2015

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Charley

Charley bewertete diesen Eintrag 12.08.2020 16:20:16

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