Ob sie sich gewehrt hat. Ansonsten war es keine Vergewaltigung. Auch bei Mord sind bei weiblichen Opfern Unterstellungen nicht weit. Für Männer als Opfer gelten andere Regeln.

Nur wenn Gewalt, Drohung oder Freiheitsentzug angewandt werden, ist eine Vergewaltigung strafbar. Sonst nicht. Bis heute ist das so. Jede Frau, die eine Vergewaltigung anzeigt - und das ist sowieso nur jedes zehnte Opfer - wird von der Polizei genaustens in die Zange genommen. Ob es zusätzliche Gewalt gegeben hätte. Außer der sexualisierten. Und das muss so viel zusätzliche Gewalt gewesen sein, dass die Frau oder das Mädchen sich klarerweise nicht wehren konnte. Sonst hat sie vor Gericht keine Chance. Auch bei ermordeten Frauen, falls die neben dem spannenden Täter überhaupt vorkommen, wurde zum Beispiel in den Zeitungen lange genaustens untersucht, welchen Lebenswandel das Opfer hatte. Freiwilligkeit oder nicht. Zustimmung oder nicht.

Aufschrei nur bei Männern

Erst jetzt mit der Zunahme der Berichterstattung über ausländische Täter halten sich die Medien plötzlich mit diskriminierenden Bemerkungen über Opfer zurück. Erstaunlich. Plötzlich geht es. Bei Natascha Kampusch zum Beispiel war das noch nicht so, ihre Glaubwürdigkeit wurde immer wieder in Zweifel gestellt. Dabei hatte sie nur wirklich knapp überlebt. Ein Wunder, dass sie es geschafft hat.

Bei Frauen ist es bis heute klar, die müssen sich gewehrt haben. Sonst ist ihnen quasi nichts passiert. Aber wenn gefragt wird, ob ein Mann sich gewehrt hat, gibt es einen Aufschrei. Noch dazu ein Polizist mit Ausbildung und Training - wie jetzt gerade in Vorarlberg. Gelten andere Regeln für männliche Opfer? Sicher. Da wird sofort unterstellt, dass man dem Mann die Schuld geben würde, wenn man fragt, wie der reagierte. Interessant – bei einer Frau sicher nicht. Genau umgekehrt. Es ist mir noch nie untergekommen, dass weibliche Opfer dafür verteidigt werden, wenn sie sich nicht wehren konnten. Aus Todesangst heraus oder aus einem Kindheits-Trigger zum Beispiel. Wäre schön, wenn es so in Zukunft so wäre. Und nicht nur bei ausländischen Tätern.

Scham und Depression

Jungs, also Buben kommen selten vor. Diese Form der sexualisierten Gewalt ist nach wie vor ein Tabu. Außer in der Berichterstattung über sexuellen Missbrauch von Kirchenmännern, da redeten plötzlich erwachsene Opfer in der Öffentlichkeit. Die wurden oft bis heute von Schamgefühlen und Depression verfolgt, weil sie niemanden um Unterstützung baten, und das Gefühl sie nicht los ließ, sich zu wenig gewehrt zu haben. Auch sie haben das internalisiert. Scham und Schuld. Aber wiederum: Nur bei Frauen spricht man von „Schändung“, sprich angebliche Schande der Frau.

Mädchen hauen sich weniger als Buben und lernen später eher nicht, sich gegen körperliche Gewalt zu wehren. Zumindest Kärntner Männer sind öfter in Schlägereien verwickelt und bleiben in Übung. Steht sogar am Krankenschein. Krankenstandsgrund zum Ankreuzen: Schlägerei. Dass eine Frau wie neulich eine junge Schweizerin einem angeblichen Grabscher das Nasenbein bricht, ist eher selten.

Der Vorarlberger Ex-Fremdenpolizist war wohl im Schock und hat seinen Angreifer erst erkannt, als es schon zu spät war. Als Sozialamts-Leiter rechnete der sicher auch nicht damit, dass jemand trotz Amt und Würden auf ihn losgeht. Wenn sich aber nicht einmal so ein „gstandener“ Mann gegen einen Messer-Angreifer wehren konnte, wie soll das dann eine untrainierte Frau ohne Ausbildung schaffen?

https://www.jusline.at/gesetz/stgb/paragraf/201

https://derstandard.at/2000007858443/Forderung-nach-Gesetzsaenderung-bei-Vergewaltigung-Ein-Nein-muss-genuegen

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