Manipulatives Schreiben. Leser beeinflussen. Man macht sich selbst zum Held. Man sieht ständig sein Publikum vor seinem inneren Auge. Was wollen diese Schreiber überhaupt?

Es soll Schreiber geben, die sich schon angestrengt lange vor dem Schreiben überlegen, was könnte ein Coup sein, wie könnte ich mein Publikum füttern?! Sie überlegen hin und her, wälzen Themen und Zugangsweisen: Wie könnte ich alle diese unbekannten LeserInnen am besten mitreißen, wie könnte ich gut dastehen, wie könnten die mich super finden! Vor dem inneren Auge dieser Schreiberlinge sitzt ihre Leserschaft schon im Gras, lächelt hocherfreut, klatscht voller Vorfreude in die Hände und wartet geduldig und gespannt auf die geistigen „Ergüsse“ ihrer Anführer. Täglich neu!

Ein hoher Preis

Diese manipulativen Schreiber haben ständig ihr Publikum vor dem inneren Auge. Zum Preis von ehrlicher Suche. Zum Preise der eigenen Neugier. Zum Preis der eigenen kreativen Freiheit. Zum Preis dessen, was wahren Journalismus ausmacht. Diese Schreiber würden sich stilistisch oder gar inhaltlich nie trauen etwas Neues, Gewagtes zu schreiben, denn sie sind süchtig nach der Gunst ihrer Internet-FreundInnen. Ein Risiko eingehen? Keine Facebook-Likes erhalten?! Sicher nicht!

Man macht sich selbst zum Helden. Man erzählt seine ganz persönliche eigene Heldengeschichte. Helden, Helden, Helden: „Ich bin euer Verteidiger und Beschützer vor dem Bösen. Was das Böse ist, bestimme ich.“

Genussvoll predigen

Man macht sich abhängig von seinem imaginierten Publikum, füttert es mit boshaften Happen, freut sich über reaktive Gehässigkeiten, mästet seine LeserInnen, die dick, faul und gefräßig werden ob dieser Blockade eines eigenen Zugangs zum eigenen Leben.

Versprechungen und Märchen: „Wir sind besser als die anderen, überlegen – von Natur, von Geburt aus. Wir müssen uns nicht einmal bewegen. Das ist einfach so.“ Helden und Heldinnen. Supermänner. Geborene Anführer. Lustig oft die Art und Weise, wie das versucht wird: „Ich bin der maskuline, virile Held, der Anführer der lustvollen Jagdgesellschaft auf wen auch immer.“ Oder: „Ich bin der Mann mit den vielen Gesichtern und Charakteren. Hauptsache Anschub!“ Oder: „Ich bin der gefährliche Mann, huhu, ich bedrohe dich durchs Internet hindurch. Du sollst dich nie mehr in falscher Sicherheit wiegen.“

Alles wahre Super-Helden. Die wollen nicht nur angehimmelt werden - sondern? Was wollen die eigentlich?

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pirandello

pirandello bewertete diesen Eintrag 02.07.2020 16:55:43

G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 02.07.2020 14:16:20

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