Die ÖVP klaute den Trick von der FPÖ: Wie die Politik alte Missbrauchs-Opfer und deren Zorn missbraucht. Dabei sollte sie einmal dringend den Missbrauch in ihrer eigenen Schülerorganisation bekämpfen.

Die Mindestpensionen sollen auf 1200 Euro erhöht werden, sagt der amtierende österreichische Kanzler. Er sagt aber nicht dazu, dass diese positive Veränderung der peinlich-niedrigen Pensionen für das drittreichste Land der EU nur für Menschen mit vierzig Beitragsjahren gelten soll. Nun wird über dreißig Jahre diskutiert, dreißig Jahre, welche Frauen beinahe nie erreichen – wegen Kinderkriegen und -aufziehen und später wegen der Pflege von nahen Angehörigen. Dabei sind doch hauptsächlich Frauen die mit den lächerlich niedrigen Pensionen – für heutige Preise und Mieten.

„Der Missbrauch soll beseitigt werden“, sagt der junge Bundeskanzler im Fernsehen, und triggert damit sämtliche alten Missbrauchs-Überlebenden vor den Bildschirmen. Missbrauch! Genau, der sollte beseitigt werden. Doch er meint mit dieser Ansage natürlich Flüchtlinge, die grundsätzlich Krieg und Verfolgung nur vortäuschen würden. Missbrauch! Die FPÖ redete gern von „Sozialmissbrauch“ durch die armen alten Arbeitslosen „in der sozialen Hängematte“, die ständig durchkracht, und ebenfalls von „Asylmissbrauch“. Schon Jahrzehnte vor der Einführung der Mindestsicherung. Geklaute Wörter!

Es ist gemein

Liebe Missbrauchs-Opfer da draußen, lasst euch bitte nicht ablenken, lasst euch bitte nicht abspeisen. Flüchtlinge sind nicht eure Missbraucher. Es gibt auch Täter unter denen – logischerweise, wie überall auf der Welt. Aber es gibt auch sehr viele Opfer von Folter, Vergewaltigung bei ihnen - oder dem Sehen, dem hilflos Zuschauenmüssen, wie nahe Angehörige getötet wurden. Es ist gemein, wie von der Politik Stimmung gemacht wird, wie neue Blitzableiter und Sündenböcke angeboten werden, für berechtigte alte Wut. Wie die Politik alte Missbrauchs-Opfer und deren Zorn missbraucht.

Ich persönlich bin auch schwer dafür, das „Missbrauch beseitigt“ wird! Aber der echte, menschenzerstörende Missbrauch in den Familien, der an den Kindern, durch zumeist TäterInnen aus dem engen Familienkreis. Der sollte im Fokus sein. Der wahre Missbrauch, begangen an jedem dritten Mädchen, an jedem siebten Jungen. Der die Seele und das Vertrauen zerstört und die Freude am Leben, im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen. Dessen Gift lange nachwirken kann, wenn man sich nicht bewusst ist, welche Folgen der hat. Viele brauchen dann ganz dringend eine Ablenkung, eine Blockade - eine Wut auf jemand, den sie gar nicht kennen. Viel ungefährlicher als auf die wahren TäterInnen loszugehen, die manchmal gar nicht mehr leben. Nur die alte Wut lebt nach wie vor und sucht sich Ausbrüche.

SchülerInnen-Missbrauch

Der ÖVP vertraue ich in diesem Zusammenhang wenig, da gerade veröffentlicht wurde, dass in der ÖVP-nahen SchülerInnen-Organisation Alt-Funktionäre Zugriff auf Schülerinnen hatten. Dass es österreichweit Punktesysteme gab, wer wieviele SchülerInnen missbraucht. Denn ich nenne das ebenfalls Missbrauch, wenn einem Jugendlichen vorgetäuscht wird, dass es um Nähe oder gar Liebe ginge, während in Wirklichkeit ein ekeliges Leistungssystem dahinter steckt, Erniedrigung und Demütigung. Auch wenn eine Schülerin von den Punkten wusste und jemand „über sich drüber steigen lässt“, wie wir in Kärnten das ausdrückten, so fördert das auch nicht ihren selbstbewußten Umgang mit Seele und Körper. Eine Art von Punkte-Prostitution wird gefördert. Arme Jugendliche im Leistungswahn, die „alles“ geben sollen. Die ÖVP sollte einmal ihren eigenen Missbrauch von Jugendlichen bekämpfen. Dazu sagte der Bundeskanzler typischerweise kein Wort. Missbrauch!

https://derstandard.at/2000075796859/Punktesammeln-fuer-Sex-mit-Funktionaeren-bei-Schuelerunion

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