Mit "Killerinstinkt" Missbrauchs-Überlebende ansprechen

Nach Statistiken ist jeder siebte Junge von Gewalt betroffen. Pro Trump-Bewegungen verbreiten Mythen über politische Eliten, die Kinder einsperren und misshandeln würden. Sie profitieren von der destruktiven Energie, die sie auslösen.

Auf den Covid-Demonstrationen in Berlin tragen jedes Mal ein paar Menschen ein Q auf Schildern durch die Gegend. Diese sind AnhängerInnen der so genannten „Q Anon“-Bewegung, die sich sicher sind, dass eine unbekannte geheime pädophile Elite Kinder einsperren und missbrauchen würde. Präsident Trump hingegen würde gegen Satanisten und Sexhändler auftreten. Wo er das macht, weiß man nicht. „Fürchtet euch nicht. Alles wird gut. Nach der Wahl“, verbreiten diese Ideologie-Propagandisten. Zwei Morde seien in den USA schon auf diese Bewegung zurückzuführen, berichtete ein Beitrag im Kulturfernsehen. So oft geht es um „Kinderschänder“: Präsident Trump sei als großer Retter der eingesperrten Kinder die Hoffnung am Horizont.

Obsessive Energie

Natascha Kampusch hatte ständig mit anderen Opfern bzw. Überlebenden zu kämpfen, die ihr eigenes schweres Leid nicht gewürdigt sahen und neidisch waren, auf die Aufmerksamkeit und das öffentliche Mitleid, das sie erhielt. Politiker hingegen verwenden gerne die starke Energie und Obsession, die vor allem männliche Missbrauchs-Überlebende, die kaum in Therapie gehen, ausleben. Oder warum ging es sonst nonstop um „Asylmissbrauch“, „Sozialmissbrauch“ und viele andere Varianten von angeblichem „Missbrauch“? FPÖ-PolitikerInnen kommen seit Jahrzehnten selten ohne den Hinweis auf irgendwelchen „Missbrauch“ (!!!) aus. Dabei geht es um zwei angesprochene Gruppen: Die einen sind Kinder bzw. Enkel von nationalsozialistischen TäterInnen, die bestimmt unter ihren Eltern zu leiden hatten. Die andere Gruppe sind überlebende männliche Opfer von sexueller Gewalt, die sich die Quelle ihres mörderischen Hasses nicht anschauen wollen.

Destruktion als Lebensansatz

Ein gesellschaftliches Tabu - aber da jeder siebte Junge betroffen ist, eine große Gruppe weltweit. Man unterschätze nicht den Einfluss, den diese Poster und Schreiber im Internet haben, die ständig anderen Menschen Vergewaltigung und noch Schlimmeres an den Hals wünschen. Nonstop „müssen“ Frauen sexualisiert herunter gemacht werden – ein Ventil der eigenen Wut. Diese Männer werden politisch gezielt aufgehetzt – siehe gegen irgendwelche ominösen Eliten. Denen wird ein Hassobjekt vor die Nase gehalten: „Arbeitet euch an dem ab!“

Politiker wie Trump, der von seinem strengen Vater zu einem richtigen Mann mit „Killerinstinkt“ erzogen wurde, wissen über sinistre familiäre Gewalt-Vorgänge genau Bescheid. Ob solche Leute aber wirklich etwas für Missbrauchs-Überlebende tun, oder diese nur gewaltig ausnutzen, ist die große Frage.

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rahab

rahab bewertete diesen Eintrag 16.09.2020 11:35:26

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