Dass Kinder besser lernen, wenn sie bestraft werden, ist ein Gerücht. Eine Studie ergab, dass sich Menschen eine autoritäre Führung wünschen, wenn sie als Kinder autoritär erzogen wurden.

Heute vertrat im Fernsehen ein ÖVPler die Ansicht, dass das eine Kind eben ein Architekt werden will und das andere ein Maurer. Das sei doch schön, wenn sich Kinder unterschiedliche Berufe wünschen! Ein gottgegebener Umstand sozusagen, das Kinder aus armen Familien arm bleiben wollen? Die „Natur“ des Menschen? Dieser mächtige Mann an entscheidender Stelle hat wohl noch nie davon gehört, dass Kinder zumeist die Berufe anstreben, die es in ihrem Umfeld gibt. Oder das jahrzehntelange Bemühungen existieren, dass Mädchen nicht nur Friseurin werden wollen, sondern zum Beispiel Automechanikerin oder Tischlerin. Die ÖVP, und mit ihr die FPÖ, vertreten uralte, überholte, altmodische Ansichten, was die Kindererziehung betrifft. Strafen scheint die Hauptmethode. Sitzenbleiben in der Volksschule, Noten, wieder zwei Klassenzüge...

Fördern statt fertigmachen

Man fragt sich, wieweit die noch gehen werden? Ich musste in der Schule Schranzhockey stehen, bis ich umfiel, mir wurde mit dem Geo-Zeigestab auf die Finger gehauen, bis die anschwollen. Ein Kreidestückchen scharf geschleudert auf den Kopf zu kriegen, tut weh, ist aber nicht so demütigend wie den nassen Tafel-Schwamm ins Gesicht. Besser gelernt habe ich wegen dieser Strafen sicher nicht, denn es bestärkte mich eher darin, schlau einzusagen und meine Mitschüler zu unterstützen, wenn die nicht weiter wussten. Bei Schularbeiten Hefte zu tauschen – so lernt man Solidarität unter Unterdrückten. Kinder sollte man fördern und unterstützen, nicht fertigmachen, denn sonst passen sich viele an und werden urfalsch urbrav, verstecken ihr „wahres Selbst“. Zeichnen nur noch rosa Prinzessinnen zum Beispiel.

Das, was man kennt, wählen

Eine deutsche Studie zu dem Umstand, warum sich Menschen autoritäre Führer wünschen, ergab, dass viele Menschen eben autoritäre Lebensumstände aus ihrer Kindheit her kennen und an die gewöhnt sind. Genauso, wie viele Kinder mit überbordenden Eltern und Großeltern aufwachsen und später wieder "Borderliner" lieben – sie kennen einfach nichts anderes. Alle diese traurigen Lebensumstände sollte man nicht fördern, nur weil man gerade an der Macht ist. Strache mit seinem explosiven Temperament ist wahrscheinlich gerade bei Leuten sehr beliebt, die als Kinder aggressive Eltern mit Wutanfällen liebten. Auch ich habe lange Zeit heftige „Temperamentsausbrüche“ als Beweis für Geradlinigkeit und ehrlichen Charakter angesehen. Mein Lieblingsschauspieler als Kind war demnach Louis de Funes mit seinen flotten Ausbrüchen. Nur seine Frau, die eine Nonne mit Ente spielte, fuhr sehr rasant und gefährlich Auto. Das kannte ich auch und war aus Unfall-Erfahrung dagegen. Ich sehe das als Entwicklungsschritt an, wenn Menschen, die als Kinder in autoritären und gefährlichen Verhältnissen aufwuchsen, sich später gegen solche wenden.

Recht über Leben und Tod

Noch zum Thema „Patriarchat“: Der „Pater Familias“ aus dem alten Rom hatte das Recht über Leben und Tod über seine Frau, die Kinder und seine Dienstboten. Das sollte man nicht vergessen, denn nicht wenige Männer maßen sich dieses angebliche „Recht“ bis heute wieder an, wenn die Frau die Familie verlässt. Was gibt es Autoritäreres als jemanden, der einen Anderen tötet, weil die ihre Lebensfreude ohne ihn ausleben möchte? Todesstrafe für Liebesverlust. Ein Autoritärer in der Krise wird autoritäre Auswege suchen.

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