Sebastian Kurz wurde von Migranten groß gemacht

Der Erfolg des ehemaligen Integrations-Staatssekretärs beruht zu einem großen Teil auf seinen migrantischen Beratern, die er aber jetzt anscheinend gerade loswerden möchte. Ein Bundeskanzler braucht neue Leute.

Im Jahre 2011, als der junge ÖVP-ler Sebastian Kurz überraschenderweise Integrations-Staatssekretär wurde, befragte ich meine Journalisten-Kollegen mit Herkunft aus anderen Ländern, wie denn dieser Kurz so ein heikles, in der Gesellschaft eher schlecht angesehenes Thema bearbeiten könne? Jemand, der sozusagen gerade erst vom Geilomobil ausgestiegen wäre? Dann hieß es immer wieder: Er hat eben gute Berater. Die machen das schon. Die Arbeit dahinter. Die werden ihn schon überzeugen, das Thema neu zu positionieren und ihn für sich einnehmen.

Wer waren nun diese BeraterInnen, die Sebastian Kurz auf dem Weg zur Macht begleitet haben? Außer ein paar Universitätsprofessoren waren es großteils MigrantInnen. Mit gewissen Eigeninteressen logischerweise. Auf der anderen Seite stellte ich auf der Integrationsseite der Presse immer wieder fest, dass die ÖVP als Wirtschaftspartei ja gar nichts gegen Migration hat, denn ÖVPler schätzen MigrantInnen als Verbindung zu möglichen Wirtschaftspotentaten der Herkunftsländer bzw. als günstige Arbeitskräfte, die sich mit Herz und Schmerz hineinknien in eine Aufgabe. Presse-Chefredakteur Fleischhacker unterstützte damals die migrantischen JournalistInnen, die neue spannende Texte schrieben und mit allerlei Sensationen aufwarteten. Der Industriellen-Vereinigung taugte das ebenfalls.

Sich in Einzelheiten ausleben

Schon damals hieß es aus dem Kurz-Staatssekreteriat: Flüchtlinge haben nichts mit Integration zu tun, denn Flüchtlinge gehen ja wieder. Flüchtlings-Projekte wurden sofort gekürzt und gestrichen. Auch auf der Presse-Seite sollten wir nicht über Flüchtlinge schreiben. Die waren wohl nicht wirtschaftrelevant genug. Schon damals dachte ich, wieso kümmern den solche kleinen Projekte, die Deutschkurse für Flüchtlinge anbieten? Jetzt, nach den genau vorbereiteten Listen, wer sich wählen lassen darf und wer nicht, bestätigte sich mein Eindruck: Ein „Kontroll-Freak“, der sich in Einzelheiten auslebt, alles genaustens im Blick hat - auch wenn er so unschuldig „aus der Wäsche“ schaut. Kurz trat schon damals gegen Flüchtlinge auf, ganz zu Beginn. Warum weiß man nicht. Ich denke, es hatte damit zu tun, dass MigrantInnen ja aus ganz anderen Gründen einwandern: um Geld zu verdienen, um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Grunde sind viele MigrantInnen, auch Säkuläre, ziemlich konservativ und auf Leistung und Familie fixiert. Flüchtlinge waren klarerweise in Opposition zu ihrer Regierung und bleiben, wenn Regierungen mit Regierungen verhandeln, außen vor. Nur die aus Ex-Jugoslawien eingewanderten Menschen hatten eine seltsame Position zwischen „Gastarbeitern“ und „Kriegsflüchtlingen“ aufzuweisen. Die guten BeraterInnen von Sebastian Kurz scheinen Migranten gewesen zu sein, die andere, politischere Gruppen, die nicht auf Wirtschaft orientiert waren, nicht so toll finden.

Schutz durch Politiker

Nun greift Sebastian Kurz also nach der Macht, ein österreichischer Bundeskanzler zu werden. Es scheint so, als ob nun der Zeitpunkt erreicht ist, an dem er seine migrantischen BeraterInnen los werden möchte. Eventuell würde er die im Bundeskanzleramt nicht brauchen können. Seine Aussagen zu den Kindern im Ausland und zur Mindestsicherung bezüglich EU-BürgerInnen weisen darauf hin. Man wird sehen, ob er seine Berater, die große Angst vor dem in den Herkunftsländern gelernten Antisemitismus der flüchtenden Muslime haben, behalten wird.

Viele MigrantInnen umgeben sich gerne mit einflußreichen Menschen, am liebsten mit PolitikerInnen, denn dadurch fühlen sie sich beschützt. SPÖ-Politiker hatten zum Beispiel lange ChilenInnen unterstützt, die Förderungen für ihre Vereine erhielten. Strache ist eher bei bestimmten SerbInnen beliebt. Es war daher kein Zufall, dass jetzt Efgani Dönmez, vom Platz 5 der Liste Kurz, ausritt, um den Bundeskanzler Kern anzugreifen. Und zwar gar nicht inhaltlich, sondern weil der Moderator der ORF-Sommergespräche in früherer Zeit mit dem damaligen ÖBB-Chef und anderen Familien das gleiche Ferienhaus teilte. Darf ein Journalist mit einem ÖBB-Chef das Ferienhaus teilen? Ich würde sagen, nein. Trotzdem ist der Dönmez-Angriff ein heftiger, denn typischerweise wurden im ORF dann sofort nicht mehr die Inhalte diskutiert. Sondern die Journalisten konzentrierten sich erfreut auf diesen Aspekt, und konstatierten ein „Duell“ gegen Kurz und ein „Duett“ mit Kern.

Gründe zur Auswahl

Kurz wurde von MigrantInnen groß gemacht, und das sollte er nicht vergessen. Während Kern die Arbeiterkammer-Position vertritt und gleichen Lohn am gleichen Ort möchte, steht Kurz ideologisch ja wohl auf Seiten mancher Unternehmer, die sich billige Kräfte aus dem Ausland holen und damit Sozialausgaben sparen, oder im günstigen Südosteuropa produzieren lassen. Solche Unternehmer werden auch für ihn spenden und ihn wählen, nehme ich an. Die Bewegung derer, die Geld haben und nicht immer erschuftet. Achtmal müsste man auf die Welt kommen und fleißig arbeiten gehen, um den einzuholen, der eine Million Euro erbt, rechnete Bundeskanzler Christian Kern im Fernsehen vor. Unternehmensberater und Konfliktmanager Dönmez, der bereits mit einem Jahr nach Österreich zog, sollte sich genau überlegen, auf welche Geschichte und Hintergründe er sich einlässt. Wenn es ihm allein gegen den „politischen Islam“ geht, könnte er ja im Notfall noch zu Peter Pilz wechseln.

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