Nun rückte der ehemalige Pressesprecher Jörg Haiders, Stefan Petzner, damit heraus, dass er sich den Slogan vom „tschetschenenfreien Kärnten“ einfach ausgedacht hatte. „Wir wollten die Wahlen gewinnen und wir haben sie gewonnen“, sagt er heute.

„Narreteien“ nannte ORF-Journalist Hanno Settele gestern abend im Fernsehen die folgenreichen Taten von Stefan Petzner, dem alten FPÖler und späteren BZÖler. „Sie müssen sich das so vorstellen, dass ich in einem 10 Quadratmeter Kämmerlein sitze, voller Rauchschwaden, denn ich war damals Kettenraucher“, sagt ein Mann und schaut schnell zur Seite von der Kamera weg. Dort in dem kleinen Zimmer voller Rauch erfand Jörg Haiders Pressesprecher, Stefan Petzner, die folgenreiche Losung vom „tschetschenenfreien Kärnten“.

Narreteien? Petzner kommt es bis heute nicht in den Sinn, sich zu entschuldigen, er lacht und kennt keine Skrupel, obwohl seine Wort-Kreationen damals extreme Auswirkungen auf die in Kärnten lebenden Tschetschenen hatte, denen en gros Kriminalität und Körperverletzungen unterstellt wurde. Seine „Hirnwixer-Zauberei“, sein Supercoup, über die er sich heute noch freut – wie genial er doch war, wirkt bis heute nach. Obwohl, ein Teil von ihm sieht es doch ein, denn sonst würde er wohl nicht öffentlich mehrmals darüber reden. Andere Politiker-Mechanismen hat der schlaue Petzner durchschaut: „Sie betätigen sich als Täter, werden dafür angegriffen, stilisieren sich sofort als Opfer der Medien und machen eine Täter Opfer-Umkehr daraus“, beschreibt er gängige Mechanismen.

Wahlen gewinnen

Petzner gab bereits bei Sterman und Grissemann zu, dass er sich die Gefährlichkeit der Tschetschenen nur ausgedacht hatte. Keiner schimpft ihn. Er bereut nichts. Die Mutter aller Lügen: „Kärnten wird tschetschenenfrei“. „Das Wort ziagt“, sagt Petzner stolz. Bis heute denken noch viele, sie dürften berechtigterweise Aggressionen gegen Tschetschenen hegen. „Es hat ja funktioniert“, ruft Petzner fröhlich bei Sterman und Grissemann. Sie wollten die Wahlen gewinnen und auf diese Weise haben sie es geschafft. Zitat: „Wir wollten gewählt werden und sind gewählt worden!“ Auf Kosten der Tschetschenen bzw. anderer Flüchtlinge.

„Im Jahre 2000 hat sich nach der Ankündigung des Kärntner Landeshauptmannes, 48 Flüchtlinge aus dem Kosovo aus der Unterbringung in Villach ‚vor die Tore Traiskirchens’ zu stellen, tags darauf ein 13-jähriger Bosnier von der Villacher Stadtpfarrkirche in den Tod gestürzt. Diesmal schnitt sich im Klima der Ausweisungen aus Kärnten und aus Österreich nach Polen eine Tschetschenin, die inzwischen außer Lebensgefahr ist, die Pulsadern auf. Ein hoher Preis, der durch das Auslösen existenzieller Ängste bewusst in Kauf genommen und durch die Kriminalitätsdebatte verdeckt wird“, schrieb ich damals im Standard-Gastkommentar.

Der destruktive Abgrund

Auf Kosten einer Tschetschenin, die den erneuten Verlust einer Heimat nicht verkraftete, schon „einen Schaden“ (wie man so schön sagt) hatte, und diese äußere Zerstörungs-Wut in ihr Inneres ließ. Selbstdestruktion, Selbstverletzungen. Warum will diese Art von politischen Männern gewählt werden, wenn sie ihre eigene Fremdenfeindlichkeit eh nicht glauben? Was für Motive haben die? Brot und Spiele, geliebt werden, in der Öffentlichkeit stehen, Gelder verschwenden – so wie Jörg Haider? Aber in wessen Inneren ein Abgrund ist, der wird den auch mit äußerer Anerkennung und Geld nicht füllen können.

Irgendwann wird ihn der Abgrund schlucken. Die Kinder der Nazis haben einen hohen Preis für die loyale Liebe zu ihren Eltern gezahlt. Viele wollen das bis heute nicht sehen. Sie zeigen mit dem Finger auf andere Kriegsgeschädigte und schreien laut und wild „Missbrauch!“, wobei sie eigentlich ihre eigenen „inneren Kinder“ meinen, die gerettet und geliebt werden wollen. Auch ein Recht darauf hätten. Süchtler Petzner: Kettenraucher, Menschensüchtler sowieso, in seiner unterwürfigen Liebe zu Jörg Haider, der den kreativen Spieltrieb der Menschen ausnutze, um Destruktives zu erschaffen. Es schaffte, sich selbst zu zerstören, sich typischerweise für Kärnten betrunken mit einem Auto zu „derschlagen“. „Der hat sich hamgedraht“, heißt es in Kärnten. Auf nach Hause, wenn man keines hatte. Auf einer autobahnähnlichen, vierspurigen Geraden, kurz vor zwei Gasthäusern. In meinem Dorf.

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Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 18.05.2017 12:52:41

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