Menschen in eine völlig ausweglose Lage bringen, in denen nur noch selbstzerstörerische Verzweiflungstaten möglich sind. Und dann groß angeben, wenn etwas passiert. Wie unser Innen- und Außenminister im Fernsehen.

„Wir sind gegen Gewalt“, tönt der Innenminister sinngemäß, „wir werden keine Gewalttäter aufnehmen.“ Als ob er überhaupt irgendwen aufnehmen würde. Erst zusehen, wie das verarmte Griechenland 12.000 Menschen in ein Lager für 2800 Menschen presst und als einzige Anti-Corona-Maßnahme eine Mauer um dieses Lager bauen will, und dann groß angeben, wenn die Menschen verzweifelte Taten setzen. Erinnert an die hungerstreikende Arigona und an einen ehemaligen Innenminister, der meinte, Österreich lasse sich nicht von einem Mädchen erpressen. Österreich! Von einem Mädchen! Erpressen! Der mächtige Innenminister!

Griechenland will geschlossene Lager bauen, damit die Flüchtlinge miteinander eingesperrt sind und keinerlei winzigen Ausweg für ihr Leben sehen. Ist das etwa keine Gewalt? Noch mehr Ausweglosigkeit, noch mehr Verzweiflungstaten werden folgen.

Ungleiche Welt

Ein anerkannter Flüchtling brachte Corona von einer Arbeitssuche in Athen mit. Warum lebte ein anerkannter Flüchtling überhaupt noch in diesem Lager? Anscheinend hatte er keinerlei Unterstützung, um irgendwo anders zu leben, wo er arbeiten gehen kann. Sieht so aus, als ob anerkannte Flüchtlinge in Griechenland ebenfalls schlecht behandelt werden.

Unser Außenminister riss im Fernsehen vor Angst und Schreck die Augen weit auf, als er meinte, wenn Österreich ein winziges Signal setzen würde, und ein einziges Flüchtlingskind aufnehme, dann würden „alle kommen“ und das wäre nicht mehr steuerbar. Hilfe! Was hat der Minister eigentlich für eine seltsame Sprache? Ach so, er ist ja in der Schweiz geboren, wuchs in Indien, Spanien und Frankreich auf, den Botschafterstationen seines Vaters und studierte dann in Belgien. Heimatlosigkeit sollte ihm eigentlich bekannt vorkommen. Nun darf er im Fernsehen seine entsetzliche Angst vor den Menschen aus anderen Ländern ausdrücken, die eventuell „zu uns“(!) wollen.

Feuer als Neuanfang

Vierhundert Jugendliche durften nun endlich auf das griechische Festland, ein großes Opfer - der Brand in Moria. Ein hoher Preis. 12.500 Flüchtlinge zahlten drauf, dass nun einige wenige doch weg durften, eventuell eine Chance für ihr Leben erhalten. Ohne den Brand wäre sang- und klanglos eine Mauer rund um Moria errichtet worden, die Flüchtlinge wären in geschlossene Lager gesperrt worden und die internationale Öffentlichkeit hätte nie wieder etwas von ihnen gehört. Keine „schrecklichen Bilder“ mehr, die Bundeskanzler Kurz so fürchtet. Kurz denkt sowieso, dass die mediale Welt wirklicher wäre als die echte vor seiner Nase.

Was bedeutet existenzielle Verzweiflung? Was Ausweglosigkeit im echten Leben? Warum sind dann in der Ecke mit dem Rücken zur Wand für manche nur noch selbstzerstörerische Taten möglich?! Als Frau, die als Kleinkind bei der Selbstverbrennung einer Flüchtlingsfrau dabei war, halte ich Flammen-Bilder nicht aus. Aber manche sehen Flammen als Chance auf Veränderung, auf Neuanfang. Die Bauern, die ihre Felder abbrennen, damit neues Gras sprießt zum Beispiel.

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