Trump verrät die Geschichte der USA

Seine eigene Mutter und ihre drei Schwestern wanderten aus Schottland ein. Sowie Millionen anderer Menschen. Die amerikanische Bevölkerung besteht fast nur aus MigrantInnen. Reine Propaganda, jetzt so ein trumpsches Riesentheater wegen 5000 Menschen zu machen.

Abermillionen Menschen wanderten in Amerika ein, eine der größten Völkerwanderungen der Geschichte. In verschiedenen Wellen, bis 1970 stellten die EuropäerInnen den Löwenanteil der EinwandererInnen. Anfangs waren es drangsalierte religiöse Minderheiten, die Zuflucht in den nordamerikanischen Kolonien suchten. Später wirtschaftlich Notleidende, liberale Geister, politisch Verfolgte, Glücksritter und Goldsucher. Trumps eigene schottische Mutter kam 1930 auf diese Weise in Amerika an und als Dienstmädchen zu einem Job. Erst 1942 wurde sie eingebürgert. Trump mochte sie wohl nicht, über einem Artikel unter Bezahlschranke steht als Überschrift, dass sie ihn zur Adoption freigegeben hätte. Die Frisuren sind sehr ähnlich von Mutter und Sohn.

„Ich gehe jetzt da rein“

Über 27 Millionen Menschen wanderten in den letzten Jahrzehnten aus Asien und verschiedenen südamerikanischen Ländern ein und nun macht Trump eine Riesenshow aus 5000 wandernden MigrantInnen, in einem Land mit 325 Millionen Menschen. Lächerlich, aber logisch. Simple Methoden zum Stimmenfang. Die Apokalypse wird heraufbeschworen, die wären Täter, Mörder, gefährlich. Ziemlich ähnlich dem Gedankengut, nach dem der antisemtische, rechtsextreme Täter in Pittsbourg befürchtete: „Die werden uns umbringen. Ich gehe jetzt da rein“. Der hatte die Apokalypse inhaliert, die angebliche Todesbedrohung. Das Szenario kippte wohl in dessen Kopf. In eine Synagoge gehen und morden, damit einen „die anderen“ („Juden, die Flüchtlingen helfen“, in seiner Diktion) nicht möglicherweise ermorden würden? In Pittsbourgh weigerten sich Hinterbliebene von Ermordeten aus der Synagoge Präsident Trump zu treffen. DemonstrantInnen warnten vor seiner propagandistischen Redeweise.

Im ORF meinte ein Moderator, die MigrantInnen hätten Trump eine Steilvorlage geliefert für seinen Wahlkampf, er würde von den zu Fuß unter großen Strapazen und urweit wandernden Menschen enorm profitieren. Ich hoffe nicht, dass sich der Sohn einer Arbeitsmigrantin auf diese billige Weise seinen teuren Job und seine Allmachtsfantasien erhalten kann.

Abgeschobene Anarchisten

Ellis Island vor New York öffnete 1892 seine Türen, als eine von siebzig Einwanderungsstationen im Land. Der Geisteszustand der Einwandernden wurde untersucht, wirkte jemand apathisch oder verstört, wurde er oder sie abgewiesen. Genauso wie sämtliche mittellosen Menschen. Ab 1924 diente Ellis Island überwiegend als Abschiebestation, für die gefürchteten „Reds“, die Anarchisten und Kommunisten. Bis zu Schließung im Jahre 1954 reisten zwölf Millionen Menschen ein, darunter auch viele Flüchtlinge vor den Nazis.

Hoffen wir, dass nicht viele dieser ehemaligen MigrantInnen und ihrer Nachfahren nun von Trump getriggert werden und ebenfalls gegen mögliche Neuankömmlinge auftreten. Denn oft haben die geschuftet ohne Ende, den Leistungsgedanken geschluckt und haben konservative Ansichten. Wie eifersüchtige Kleinkinder: Ich ja, die anderen nein.

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