Verweigerung von extrem kaputtmachender Arbeit

Was die Politiker Kurz und Strache nicht verstehen wollen, ist, dass die hier geborenen Migrantensöhne nicht wie ihre Väter enden möchten. Sie haben ja miterlebt, wohin bestimmte Berufe führen – in Krankheit und Tod. Die Berufsauswahl ist eine Generationenfrage.

Früher wohnte in der Mietwohnung unter uns im 20. Bezirk von Wien eine Türkin, die ihren Mann am Abend nach getaner Arbeit erst einmal wieder auftauen musste. Er sass still in einer Ecke und starrte leer und zusammengesunken vor sich hin, während die Kinder fröhlich auf dem roten Teppich, der die Mitte des ansonsten beinahe leeren Wohnzimmers ausmachte, spielten. Der schweigende, zum Teil zitternde Mann arbeitete in einer Tiefkühlfirma und hatte zehn Stunden in eisigen Temperaturen verbracht. Der war am Ende, das sah jeder. Ein Freund, ein kolumbianischer Musiker (Vater Österreicher, Mutter in Kolumbien), arbeitete über eine Leihagentur für eine Betonfabrik, er brauchte die Arbeit dringend für sein Aufenthaltsvisum. Er putzte den Betonstaub aus den Maschinen. Nach drei Wochen begannen die ersten Hautausschläge, dann folgte ein Husten, der immer schlimmer wurde. Er hustete sich die Lunge aus dem Leib. Nach drei Monaten schmiss die Fabrik ihn dann selber wegen des Hustens hinaus und meinte, es gebe zehn Männer, die bereits eifrig auf seine schlecht bezahlte Stelle warten würden. Ein Rumäne folgte ihm nach.

Schweigende Väter

Die Kinder der fleißigen „Gastarbeiter“ weigern sich, dieselben Berufe wie ihre Eltern zu ergreifen, denn sie haben genau gesehen, wohin die führen: Zu chronischen körperlichen Beschwerden, depressiver Grundstimmung, Schweigen und teilweise frühem Tod. Null gesellschaftliche Teilhabe. Die Väter bzw. Großväter haben die Wiener Straßenlaternen „gepflanzt“, sind bei Hitze und Kälte auf der Baustelle gestanden, haben den flüssigen Asphalt auf den Wiener Straßen verteilt. Die Söhne sind zum Teil wieder in Baugewerbe oder in Straßenbau gegangen, aber da sogar Lehrlinge überproportional beansprucht werden, halten nicht alle durch. Manchmal kann man so einen fertigen Lehrling abends auf der Straße herumschleichen sehen - die Berufsschule ist für die eine Erholung.

Der exjugoslawischen Putzfrau, die jetzt unter uns wohnt, hat das Krankenhaus den Magen höher gehängt. Denn der stieß beim Putzen an ihre inneren Organe und verursachte starke Schmerzen. Dann konnte sie fleißig weiterarbeiten. Sie war dem Krankenhaus dankbar für die Operation, die sie günstig und schnell erhielt. Ihr Enkel arbeitet zur Zeit als Fensterputzer auf Hochhäusern. Er seilt sich ab und nimmt all’ die gesammelten Giftstoffe von den Fenstergläsern auf. Seine Firma zahlt ihm einen Liter Milch täglich. Zur Entgiftung.

Verhöhnung durch Neo-ÖVPler Dönmez

Die Politiker Strache und Kurz sollten verstehen, dass diese Jugendlichen ein Teil Österreichs sind, hier geboren und hier aufgewachsen. Die suchen sich ihren Weg. Da sie aber fast alle in langen Phasen ohne Eltern aufgewachsen sind, drücken sie sich oft aufbegehrend und verletzt aus. Für diese Jugendlichen existiert beinahe keine Möglichkeit in einen geistigen Job zu kommen. Allein migrantische Körperschufter sind in Österreich gefragt. Außer die rennenden Postler sind beinahe alle, die körperlich arbeiten, Migranten oder Migrantensöhne. Das ist schlecht. Wenn dann der Neo-ÖVPler Efgani Dönmez im Fernsehen behauptet, dass sich die erste Generation besser integriert hätte als die heutigen AMS-Jugendlichen, so ist das eine Verhöhnung. Dönmez scheint unter „Integration“ verschärfte Ausbeutung, Zwang zu „Pfusch und Schwarzarbeit“, chronische Krankheiten und schweigende Schufter, die keine Kraft mehr haben sich zu wehren, zu verstehen. Es ist kein Wunder, dass die Söhne und Enkel dieser Generation aufbegehren und es vorziehen, länger zu leben. Die Mädchen haben durch ihren Einsatz in der Bildung mehr Auswahl.

Nachschub an Körperschuftern

„Politiker brauchen Feindbilder, um ihre Wähler zu mobilisieren“, sagte neulich ein ungarischer Dirigent im Fernsehen. Nun ist das Arbeitsmarktservice an der Reihe. Die neuen starken Bau-Männer aus Südosteuropa hingegen begehren nicht auf, die kommen auch garantiert nie auf das österreichische Arbeitsmarktservice. Auf diese Männer setzt die neue Regierung mit der Verstärkung der Saisonarbeit und der Verminderung der kontrollierenden Beamten bezüglich Pfusch und „Schwarzarbeit“. Kein Österreicher hätte in einer schwankenden Gondel ohne Sicherung, in voller Höhe an einem Kran hängend, in Wind und Kälte einen alten Fabriksschornstein abgetragen. Die beiden Arbeiter futterten in der Mittagspause ihre mitgebrachte Jause in ihrem Auto. Schön hergerichtet von ihren Frauen. Polnisches Kennzeichen.

pixabay/52663

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