Virtuelle Vernichtung allein der Herkunft wegen

Namen, Adressen und Sozialversicherungsnummern von Kindern im Internet zu veröffentlichen, wie das gerade ein "Lehrer" tat, ist einem Vernichtungswunsch dieser Kinder und ihrer Familien gleichzusetzen.

Manchmal hat man das Gefühl, eine mörderische Lektion der Nazis sei noch immer gespeichert in den Enkeln und Kindern der TäterInnen und MitläuferInnen und zeige nach wie vor ihre Auswirkungen. Diese blutige, eingebrannte Lektion lautete: „Es kommt immer auf die Herkunft an."

Dan Diner unterscheidet in seinem Buch "Gegenläufige Gedächtnisse. Über Geltung und Wirkung des Holocaust“ die Folter von der völligen Vernichtung. "Dabei vermag gerade die Folter die Differenz zwischen der Opferschaft aus Gründen einer politischen Entscheidung einerseits und der Vernichtung alleine der Herkunft wegen andererseits anzeigen. So setzt die Folter einen zu brechenden politischen Willen voraus.“ Wer also aus politischen Gründen gegen die Nazis kämpfte, verfügte über eine bewußte, erwachsene Entscheidung dazu. "Anders jene, die zur Vernichtung ausersehen waren... Allein ihrer wie immer fiktiven Zugehörigkeit wegen, also ganz ohne Ansehen der Person, waren sie grundlos zur Ausrottung bestimmt."

Virtuelle Vernichtung

Wie kann ein „Lehrer" die Namen und Adressen seiner SchülerInnen veröffentlichen? In der Absicht sie zur virtuellen Vernichtung freizugeben – durch alle möglichen psychisch nicht ganz stabilen Menschen, die im Netz herumschwirren und ihre Wut ausdrücken möchten - gegen menschliche Köder, die ihnen vor die Nase gehalten werden? Mit wahrscheinlichen Auswirkungen auf die Realität dieser Kinder! Reine Berufsverfehlung? Das ist zu wenig, denn so ein Mensch trägt tiefsitzende Verachtung und Vernichtungswünsche in sich. Für Kinder, die einfach nur eine andere Art von Nachnamen tragen als er. Wo kommt so etwas her?!

Dan Diner erinnert der Menschen die "allein ihrer Herkunft wegen in den Vernichtungstod deportiert worden waren". In die industrielle Vernichtung deportiert, zu Millionen.

Sind davon wirklich noch unbewußte Spuren in Menschen vorhanden? Diner schreibt von der "Tiefenwirkung des ins kollektive Gedächtnis eingesenkten Ereignisses" und von "Geschehen“, die „frühe Schichten des kollektiven Gedächtnisses" streifen und wieder hervorholen. Man muss nur an den rechtsextremen Mörder von Halle denken und wie schon jetzt eine Zeugin, eine Journalistin, virtuell vernichtet werden soll. Sind das alles Spuren?

Zukunft vernichten

Ein Lehrer, der Kinder doch beschützen und unterrichten sollte, sollte der nicht ein Vorbild an Menschlichkeit sein, egal wo diese Kinder zufällig geboren sind? Als jemand, die als Kind einen ehemaligen Waffen SSler als Geschichtelehrer hatte, der seine eigenen Wohnungsschlüssel an kleine Mädchen verteilte, blieb ich selber immer mißtrauisch gegen Lehrer - aber es gibt Kinder, gerade aus anderen Ländern, die große Hoffnungen auf die Schule setzen. Man vernichtet diesen Kindern die Zukunft. Denn Bildung ist die einzige Chance dieser Kinder, der Armut zu entkommen.

Man kann nur schwer hoffen, dass das Ministerium und die Polizei verhindern, dass einem dieser Kinder real etwas angetan wird!

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