Wenn Männer über Vergewaltigung schreiben

Schreiben sie meist nur über ausländische Täter. Warum wohl? Damit sie sich als unschuldige Beschützer inländischer Frauen aufspielen können.

Schon Patricia Hill Collins untersuchte das Phänomen: Während afroamerikanische Frauen immer wieder in aggressiver Weise als Prostituierte bezeichnet wurden, galten afroamerikanische Männer in der Öffentlichkeit immer wieder als Täter, genauer gesagt als Vergewaltiger. Ein Mittel zur Diskreditierung und Unterdrückung – zur Angsterzeugung von Frauen. Es sollte ja keine Kontaktaufnahme möglich sein, existenzielle Angst sollte die schon von vorneherein verhindern.

Hunderttausend Mal haben Feministinnen in den letzten fünfzig Jahren darauf hingewiesen, dass der Großteil an Vergewaltigungen und Morden im Privaten, im gefährlichen Zuhause, stattfinden - in der öffentlichen, von weißen Männern dominierten, Berichterstattung werden ständig Vergewaltigungen im öffentlichen Raum von den Opfern unbekannten Tätern den Leserinnen vorgeführt. Am liebsten in einer Zeitungs-Serie. Warum wohl?

Angebliche Trieb-Wesen

Was der Sinn und Zweck hinter dieser breit ausgewalzten Taktik ist? Der Zugang bestimmter Männergruppen zu Frauen, die ja „freiwillig“ in die allgemeine Unterdrückung einwilligen sollen. Lustvoll bitte schön, ja euphorisch, wenn es geht, denn – Schreckgespenst da draußen in der weiten Welt, in der unabhängige Frauen sich ganz selbstverständlich bewegen: Ausländische Männer lauern im Gebüsch! Wirf dich bitte schön sofort an die breite Brust deines eingeborenen Heldenmannes! Superman wird auf dich aufpassen. Doch ja nicht du selber, als starke Frau!

Die Ungerechtigkeiten von sozialen und rassistischen Klassen würden sexualisiert, schreibt Hill Collins. Afroamerikanische Menschen würden zu sexuellen Trieb-Wesen reduziert und auf diese Rolle festgeschrieben, um sie in Unterdrückung halten zu können. Eine Art „mehr Tier als Mensch“ würde in der Sprache beschrieben. Die Zeitungsüberschrift „Wie ein Tier fiel er über sie her“ steht dann gegen eine angebliche „Familien Tragödie“ bzw. der arme „Mann hielt die Trennung nicht aus“. Letzterer musste ja dann einfach die abtrünnige Ehefrau ermorden, nicht wahr?

Wie Tiere behandelt

Ein Höhepunkt dieser allseits beliebten dieser Männer-Taktik bestand darin, dass der ehemalige Innenminister Kickl der Polizei verbieten wollte, dass sie Informationen über Morde und Vergewaltigungen inländischer Täter an die Medien weiter gibt. Nur die ausländischen Täter sollten noch mehr gehypt werden, bitte schön. Der Plan flog aber auf und wurde gestoppt. Die Polizei lässt sich ja auch nicht gerne für Propaganda instrumentalisieren.

Bei dieser Art von Propaganda fallen viele Opfer aus dem Bild: Alice Walker beschrieb schon die Vergewaltigungen schwarzer Sklavinnen durch die weißen Herren, die die Frauen wie Tiere behandelten. „Animals can be economically exploited, worked, sold, killed, and consumed“, schreibt Hill Collins. Afroamerikanische Männer hingegen werden als „von ihrer Sexualität getriebene Wesen“ dargestellt, so ging der Mythos. Lynchmorde und Kastration wurden mit diesem Mythos begründet.

Obwohl ausländische Männer, wenn sie morden oder vergewaltigen, hauptsächlich auf "ihre" ausländischen Frauen „zurückgreifen“, genauso wie inländische Männer auf "ihre" inländische Frauen, wird weiterhin lustvoll der Haupt-Beobachtungspunkt auf unbekannte Männer im öffentlichen Raum gelegt. Inzwischen sollte klar sein, warum.

Patricia Hill Collins „The Sexual Politics of Black Womanhood“, in „Violence against Women. The Bloody Footprints“ von Pauline B. Bart und Eileen Moran

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Ttavoc

Ttavoc bewertete diesen Eintrag 21.05.2020 03:25:45

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