Alltags-Ärger in der heißen City: Eine Metalldose um 39 Cent, die nie wieder von der Erde weggeht. Damit man zwei Schlucke trinken kann? Wo wir Hochquellwasser aus der Leitung haben? Überfüllte Kinderfreibäder und Forderungen nach Maßnahmen gegen sich am kühlen Kanal unterhaltende Jugendliche bringen Stress.

Die Glasflasche für die Milch hat der Hofer, sobald es mit Corona kurzfristig wieder besser wurde, schnell wieder abgeschafft. Diese Milch schmeckte aber viel besser und irgendwie war mehr drin als im Tetrapack. Das ärgert mich, denn nun muss ich die Milch wieder woanders besorgen. Als Kind holte ich die Milch von der Nachbarin, einer slowenischen Bäuerin. Jeden Tag neu. Da gewöhnt man sich an einen gewissen Geschmack von Milch.

Ärgern tut mich auch die neue Hofer Werbung: Astronauten tanzen herum. Dazu ein eingängiger Ohrwurm - die Musik ist gut. Und wofür wird so aufwändig und teuer geworben? Für eine kleine Metalldose, die nur 39 Cent kostet. Juhu. Da kann man zwei Schluck trinken und dann landet die Aludose für immer und ewig auf der Erde. Außer irgendwann wird der Müll ins All geschossen. 39 Cent – Müll bis Ende nie. Aluminium verrottet nie wieder.

Volles Kinderfreibad

Was mich im Alltag noch ärgert, in dieser heißen Großstadt Wien? Die Schwimmbäder sind voll. Schon vormittags herrscht die rote Bäderampel im Internet vor. Keine Chance in ein Freibad zu kommen, vor allem am Wochenende. Die ärmeren Kinder, deren Eltern sie nicht auf teure Sommer Camps außerhalb der Stadt oder nach Zypern schicken können, stehen Schlange vor dem Mini-Schwimmbecken am Gürtel. Auf dem Platz zwischen der jeweils dreispurigen Fahrbahn, schwimmen Kinder, die wenig Glück im Leben haben, für jeweils fünf Minuten. Sobald sie laut Bademeister raus müssen, stellen sie sich sofort wieder hinten an. Drei schwarze Mädchen, die nicht schwimmen können. Mit Schwimmreifen unterwegs sind. Wer wird denen mal schwimmen beibringen? Die Mutter sitzt im Schatten und schnauft vor Hitze. Die Kinder amüsieren sich trotzdem prächtig. An dieser Stelle gab es früher ein Kinderfreibad. Warum wurde es abgeschafft?

Das Leben feiern

Was mich noch ärgert? Dass von Internetsüchtlern gegen die Jugendlichen hergezogen wird, die so lange, über Monate still gehalten haben, die aus ihrem normalen Leben (Schule und Freunde) heraus katapultiert wurden. Die so lange so brav waren und nun einfach nicht mehr können, eingehen vor Langeweile und Einsamkeit. Feiern wollen, leben. Das Leben genießen, wie es eigentlich alle Menschen tun sollten.

Jugend sollte Freiheit und Distanz von den Eltern bringen, nicht eingesperrt sein in der Wohnung mit den „Alten“. Eine Identität finden, schauen, was man mag und was nicht, wo die Grenzen sind, die Grenzen austesten. Verrückt sein. Künstlerischen Interessen nachgehen. Nun wird gemeckert, dass die Jugendlichen abends am Donaukanal sitzen, die Kühle genießen und sich unterhalten. Am Wasser, das ein bissl Abkühlung in die Stadt bringt am Abend. Die Polizei soll räumen, im Angesicht von steigenden Corona-Zahlen in Wien, wird von der Politik gefordert.

Doch irgendwo muss man doch auch ein bisschen leben dürfen. Pausen haben. Aufdrehen und glücklich sein. Und nachher wieder brav, wenn die Schule anfängt!

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