"Wir dürfen das, weil wir Nazis sind"

Die wollen gar nicht reden. Die wollen missionieren, Anhänger mobilisieren und die Macht übernehmen. Egal wie.

Dieses Verhalten erinnert mich immer an den Comic vom Zeichner des kleinen Arschlochs, in dem Adolf Hitler am Ende mit seiner Eva nach Südamerika abhaut und Eva ihren mörderischen Göttergatten fragt: „Dürfen wir eigentlich einfach unsere Kinder im Stich lassen?“ Und Adolf antwortet: „Wir dürfen das, weil wir Nazis sind!“

Nazis, Neonazis und stramme Rechtsrechte dürfen alles. Man darf Antifaschisten als „die wahren Faschisten“ beschreiben, man darf Fake News über Flüchtlinge verbreiten und wenn wer drauf kommt, mit den Schultern zucken. Na, Pech gehabt, wir meinen doch nicht wirklich, dass Viagra an Flüchtlinge gratis verteilt würde. Selber schuld, wenn die sich nicht wehren, hätten sie halt schneller und besser Deutsch gelernt.

Kleine und große Völker

Man darf sich über „Gutmenschen“ aufregen und wenn die auch einmal etwas Fieses machen, aus allen Wolken fallen – denn das Fiese ist doch für uns reserviert! Man darf die „Lügenpresse“ (AFDler im Fernsehen neulich zu Barrie Kosky: „Überdurchschnittlich viele Juden unter den Journalisten und den Bankern“) betrauern und natürlich die eigenen rechtsrechten Medien vergessen, die viel Geld durch geheime Förderer und durch offizielle Ministerien erhalten. Manche Blogs sind sogar so geheim, dass nur zahlende Männer die lesen dürfen. Nun ja, Männer haben eben mehr Geld, das ist einfach so. „Wo ist der Vorteil für das deutsche Volk, wenn Frauen rauchen und in die Lichtspielhäuser gehen, wie in den 20er Jahren?“, fragte der AFDler, der als Grundschullehrer hinausgeflogen ist, allen Ernstes. Ein Deutscher sei der, der weiß, dass es „ein deutsches Volk“ gibt. Nun ja.

Deutsche Eiche

Bei kleinen Völkern wie den Slowenen zum Beispiel mit nur zwei Millionen Menschen, die die Sprache sprechen, lasse ich mir „das Volk“ noch einreden, aber die meisten Slowenen wollen genau nicht nationalistisch, sondern internationalistisch sein. Als ein Kärntner Slowene, ein „Volksvertreter“, eine slowenische Linde neben Haiders deutscher Eiche pflanzte, kriegte er Ärger. Nein, die sprühten ihm nicht „Volksverräter“ an die Wand seines Büros, nur „Verräter“.

Zum Abschluß noch was Lustiges: Die Surrealisten glaubten zwar nicht, dass Dalis »Hitler Rausch« unpolitisch sei, doch gab es empörte Reaktionen gegen ihn. »Ich war fasziniert von Hitlers weichem und fleischigem Rücken, der immer so prall in in seine Uniform geschnürt war«, verteidigte sich Dali. »Sooft ich begann, den Lederriemen zu malen, der sich von seinem Gürtel schräg über die Schulter zog, versetzte die Weichheit dieses unter dem Waffenrock komprimierten Hitlerfleisches mich in eine schmack-, nahr- und wagnerhafte Ekstase, die mein Herz heftig schlagen ließ, eine höchst seltene Erregung, die ich nicht einmal beim Liebesakt empfand.« Dali sah Hitler nämlich als »echten Masochisten, der von der fixen Idee besessen war, einen Krieg vom Zaun zu brechen, um ihn dann heroisch zu verlieren.«*

*Robert Descharnes, Gilles Neret: Salvador DALI. 1904 – 1989. Das malerische Werk. Taschen. Bibliotheca Universalis

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