Wo bleiben männliche Tränen für ermordete Frauen?

Eine Antwort auf einen Propaganda-Text, der Empörung provoziert, statt um Frauenleben zu trauern. Eine echte Ablenkungsstrategie und eine Unterstützung von Tätern. Die Leserin soll sich von der ermordeten Frau distanzieren und darf dafür Gefühle der Empörung ernten.

Israel überlegte künstliche Intelligenz einzusetzen, um bereits in der Sprache eines Gewalttäters das mörderische Gefährungspotential zu erkennen.Nach der Ermordung ihrer Schwester Michal Sela gründete Lily Ben Ami das "Forum Michal Sela", das eine App entwicklen möchte, mit der NachbarInnen entscheiden können, ob sie eingreifen müssen, wenn sie einen Streit hören. Sie fordert Null Frauenmorde im Jahr.

Noch gestern dachte ich, wie soll das gehen, wird das etwas bringen? Doch nach dem Mord an der Frau in der Brigittenau, die laut NachbarInnen sehr freundlich gewesen sein soll und oft mit den Kindern in der Sandkiste saß, habe ich meine Meinung geändert.

Hat denn kein Mann mit diesem "Bierwirten" geredet? Dessen Sprache als Warnsignal genommen? Versucht herauszufinden, was hinter seinen sprachlichen Unterstellungen steckte? Auch der Anwalt nicht?

Ist männliche Sprache voller Sexualisierungen dermaßen normal, dass niemand diesen Belästiger befragt hat?

Das Leben nehmen

Auch bei dem Täter, dem Mörder der Traffikantin, hat erst im Nachhinein jemand versucht, die Strukturen, die Eskalation anzuschauen: Besitzdenken, bis zur Installierung einer Abhör-App.

In Wahrheit ist doch das Problem, dass sich Männer egal woher schlecht trennen können und dass manche glauben, eine Person, von der sie sich abhängig fühlen, die aber gesellschaftlich gesehen unter ihnen steht, dürfte getötet werden. Ihr das Leben nehmen.

Wie den beiden erwähnten Frauen. Für die eine stehen noch immer Kerzen und Blumen vor der Traffik, für die andere äußern sich PolitikerInnen, da sie nun im Nachhinein wohl befürchten, es hätte auch eine der ihren treffen können. Die Anwältin der Politikerin warnte diese vor dem Mann, nachdem dieser einen Bauarbeiter mit einem Elektroschocker angegangen war. Warum gab es keinen Mann, der diesen sich steigernden Täter (es gab einen Zeugen der Tat und der Mann wurde vor Ort verhaftet) stoppte?

Warum treten Männer nicht offensiver gegen potentielle Täter auf, die ihre Freunde, Bekannte, Kollegen oder Chefs sind?

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berridraun

berridraun bewertete diesen Eintrag 01.05.2021 10:48:43

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