Alba-Dancers, wo ist der Feminismus, wenn man ihn mal braucht?

Cheer würde man in Deutsch mit Jubel/Beifall, und Lead mit leiten übersetzen. Cheerleader sind somit Menschen, die den Jubel oder die Anfeuerung des Publikums leiten sollen und das Publikum zum Jubeln anleiten, wenn es das Team benötigt. Cheerleader sind somit ein Teil der Fankultur eines Vereins und blicken in den USA auf eine lange 100-jährige Tradition zurück, bei der erst später Frauen zugelassen wurden.

Cheerleading ist dann schlecht, wenn es junge Frauen machen, dass fand zumindest der Vorstand des Basketballvereines Alba Berlin und viele Kommentatorinnen. Der Vorstand von Alba hat jetzt die Alba Dancers, also die Cheerleader abgeschafft, weil „das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt“.

Es ist unverständlich, dass nun allerorten Feministinnen diese Entscheidung eines „alte weiße Männervorstandes“, der sich über den freien Willen der Frauen hinwegsetzt, auch noch begrüßen. Wie können Frauen auch nur sowas tun? Und dazu noch leicht bekleidet und Powackelnd!!! Das schlimme daran ist, dass das Alba Dancers Team dadurch wirklich zu einer Gruppe doofer arschschwingender Hüpfdohlen runtergestempelt wird und gleichzeitig die eigenen Fans noch zum Neandertaler.

Nun wurde allerorten geschrieben Chearleading sei heute ein eigenständiger Wettkampfsport. Ja, doch gibt es oft zwei verschiedene Teams, das Dance Team, und wenn man an Wettkämpfen interessiert ist, oft noch ein reines Wettkampfteam. Bei Wettkämpfen geht es verstärkt um Akrobatik, beim Dance Team darum, die Mannschaft mit Tanzelementen anzufeuern, bzw. die Menschen im Stadion dazu zu animieren. Die Alba Dancers sind ein reines Dance Team, was nun nicht die Leistung des Teams herunterspielen soll. Im Gegenteil, als Dance Team konnten sie international mithalten und mussten sich selbst hinter vielen amerikanischen Teams (auch Squads genannt) nicht verstecken. Auch wenn natürlich Amerika hier Standards gesetzt hat.

Das Team wurde zweimal (2015 und 2018) zum besten Cheerleader Team Europas gewählt. 2017 waren sie bestes Team der deutschen Liga mit über 50% der Stimmen der Zuschauer. Hier müssen also auch Fans von anderen Mannschaften die Stimme für die Alba Dancers abgegeben haben. Was nun nur zu dem Schluss führen kann, dass entweder die Alba Dancers die absolut hammerhärtesten und hübschesten Hinterteile der ganzen Liga haben, oder, dass die Fans die abgestimmt haben, doch wohl auf so andere Dinge wie z. B. tänzerisches Können geschaut haben, wenn ein Team so viele Stimmen erhält. Sie hatten Auftritte bei der französischen Finalserie im Basketball und wurden auch bei anderen Sportevents gebucht und hatten sogar Showauftritte im Fernsehen, wie z. B. Cindy aus Mahrzan oder bei einem Guinessbuchrekord mit Florian Silbereisen.

Und ein solches Team kostet Geld. Man kann nun nur spekulieren ob der Vorstand aus finanziellem Interesse, oder aus vorauseilendem Gehorsam einer immer prüder werdenden Gruppe von Feministinnen hier die Segel gestrichen hat. Der Grund für die Entscheidung gegen die Alba Dancers sollte gleichgültig sein, doch wenn man dem Team nicht mal mehr die Möglichkeit gibt, sich von den Fans, und die hat es mit Sicherheit gegeben, zu verabschieden und ein letztes Spiel zu supporten, dann spricht das gegen den Vorstand. Jeder Spitzenspieler bekommt sein Abschlussspiel, die Dancers bekamen es nicht! Auch egal sollte der Grund sein warum hier das Team nicht mehr auftreten soll. Doch soviel Eier sollte man einem Manager zutrauen können, dass er die richtigen Gründe benennt und das ganze mit den Fans bespricht. Auch wenn der Verein eine GmBH ist. Soviel Anstand hat man in Berlin anscheinend nicht und stempelt lieber das Dance Team zu doofen pausenfüllenden Hüpfdohlen ab.

Doch wozu auch, wenn z. B. der Tagesspiegel meint, „Richtig so, männlicher Sport sollte nicht mit leicht bekleideten Frauen aufgepeppt werden“. Nun bin ich ja schon lange für Geschlechtertrennung. Beim Marathon keine Frauen mehr mitlaufen lassen, die haben auch nicht mehr an wie so ein Cheerleader. Davon abgesehen, die Basketballer auch nicht, wenn sie Bauchfrei tragen würden. Wo ist da der Aufschrei, oder ist es beim Marathon dann ok? Und damit sind wir nun beim Problem an sich, denn die Journalistin vom Tagesspiegel schreibt: „Dafür wünsche ich den Cheerleadern eigene Wettkämpfe, statt ein Leben als Pausenfüller“.

Nun sind die Alba Dancers aber ein Team, das als Pausenfüller, wie der Tagesspiegel das hier abwertend schreibt, angetreten sind. Und das bedeutet, das man bei jedem Heimspiel vor einer meist ausverkauften Halle auftreten kann. Aber unsere Journalistin ist natürlich, so wie sie schreibt, nicht prüde. Halbnackte Frauen sollten halt nur nicht halbnackte Männer beim Sport supporten. Wir wissen, wegen dem falschen Bild, das hier abgegeben wird. Nun ist die Frage wer hier wen supportet? Ich wette 10 zu 1, dass es nun mit den Alba Dancers aus ist. Wofür sollen sie noch trainieren, wenn keiner ihre Auftritte sehen soll? Denn im Prinzip spricht man von einer klassischen WinWin-Situation, der Basketballverein bekommt ein Pausenprogramm, die Dancer profitieren von der Beliebtheit des Sports und haben die Möglichkeit ihr Können vor Publikum zu zeigen. Außerdem sind es meist eingefleischte weibliche Basketballfans, die hier mitarbeiten wollen.

Und weil halbnackte Frauen und so, ist bitte auch in Zukunft auch die Sängerin Beyoncé im knappen Bühnenoutfit beim US Superbowl nicht mehr erwünscht, weil, das fühlt sich halt auch irgendwie falsch an. Aber die Journalistin ist natürlich nicht prüde! Nein, nur so geht das halt nicht. Mehr Argumente hat die Journalistin nicht.

Ups, doch noch eins: „Es geht um die Macht von Männern, die sich aus ihrer Position heraus das Recht nehmen, den Frauen ihre Spielregeln zu diktieren.“ Also wie jetzt bei den Dancers, wo der Vorstand hier sagt, ENDE! Welche Spielregeln sonst? Denn genau mit diesem Satz unterstellt die Journalistin des Tagesspiegels das die Cheerleader dieses nicht freiwillig tun, wenn Männer mal wieder die Regeln vorgeben! Somit denkt auch die Tagesspiegelfeministin, die Cheerleader sind powackelnde Hüpfdohlen, nur nun auch noch ohne Hirn. Feministinnen wie sie Frauen sehen!

Cheerleading ist nun einmal aus dem Support der Mannschaft entstanden. Genau so könnte ich sagen, beim Biathlon lassen wir mal das Schießen weg. Schießen ist halt bäh! Biathlon ist aus der Jagd, bzw. aus dem Militärsport entstanden. Und bei Journalisten könnten wir dann ja mal die Recherche weglassen… äh, ist ja bereits Standard, es geht um Gefühle!

Womit wir dann endlich beim Neandertalervorwurf angekommen sind:

„Langsam gewinne ich aber die Erkenntnis, dass die drei Urtriebe des Mannes, Jagen, Sammeln und Fortpflanzen, sich als Relikte der Steinzeit noch nicht wirklich weiterentwickelt haben.“

Nun haben wir hier endlich alle Klischees durch. Ich habe leider kein Spiel von Alba sehen können, ich würde auch nie auf die Idee kommen hier in Paris zum Eishockey oder Basketball zu gehen. Doch hätte ich erfahren, dass die Alba Dancer bei den Playoffs 2015 in Frankreich auftreten, wäre ich hingegangen. Denn dann hätte ich dort von einer guten Stimmung ausgehen können und ich hätte ein tolles Spiel gesehen und eines der besten Dance Teams von Europa. Dabei wäre mir egal ob die Damen in Jogginganzügen oder in Cheerleaderdress auftreten. Können braucht keinen knappen Dress. Und auch die Journalistin kann mit einem Bikini nicht über ihre Rechercheunfähigkeit wegtäuschen.

Ich gehe nicht in ein Stadion, um mir ein Spiel anzusehen, sondern wegen dem Event. Jedes Jahr zu Weihnachten, wenn wir in Berlin sind, sind wir bei den Eisbären. Mich interessiert Eishockey nicht, doch ein Livespiel der Eisbären ist einfach etwas anderes. Und auch Basketball ist sicher ein interessantes Event (doch leider spielten die Alba nicht wenn ich in Berlin war), doch ohne Cheerleader kann ich gut und gerne darauf verzichten, denn es fehlt einfach etwas vom Event. Vor allem bei einem Verein, der mich als Mann eh nur als Neandertaler wahrnimmt.

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