Ich möchte mich entschuldigen, dass es bei diesem Text, "Französisch bis zum Abschluss", etwas länger wurde…

Es passiert manchmal, dass es einen an einen ganz anderen Ort verschlägt, dahin, wo man nie hinwollte. Ich bin in einer kleinen Splittersiedlung im Münsterland aufgewachsen. Wir Jungs vom Lande sind zwar alle etwas tumb, aber dafür können wir schon sehr früh Trecker fahren. Wenn ich, so dachte ich als Kind, jemals in eine Stadt ziehe, dann nur Berlin oder Hamburg. Doch am liebsten wäre ich da geblieben, wo ich bin, in einer kleinen Splittersiedlung irgendwo im Münsterland.

Nun lebe ich in Paris, seit 15 Jahren. Hätte man mir das mit 20 gesagt, dann hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Ich hatte nicht mal französisch in der Schule. Gelandet bin ich hier wegen einer Frau, wegen meiner Exfrau. Es ist gekommen wie sowas eben kommt, man lernt eine Französin dort kennen, wo man Französinnen eben kennenlernt, wenn man kein französisch spricht, irgendwo im Urlaub, weit weg von Europa. Vom Münsterland, oder Frankfurt, Dortmund, Düsseldorf, wo ich Projekte hatte, ist es mit dem Firmenwagen nicht weit, 600 Kilometer sind nichts, wenn man sich liebt.

Die Geschichten gehen dann weiter wie diese Geschichten eben weitergehen, die Frau wird schwanger, man selbst ist Consultant, kann überall auf der Welt arbeiten, und so geht man in eine Stadt die man zwar dreckig, hässlich, zu klein und in keiner Weise für lebenswert hält. Man wurschtelt sich mit der Sprache durch, man kommt irgendwie klar, doch machen tut man das alles nur für die Frau, die man liebt und das Kind, das einen nach der Geburt mit großen Augen ansieht.

Eventuell liegt es an Sprachschwierigkeiten, eventuell liegt es an kulturellen Differenzen, eventuell stellt man auch schnell fest, dass man sich doch wohl nicht so sehr liebt wie man geglaubt hatte. Probleme treten auf, der weite Weg zur Arbeit, täglich 3 Stunden, zehrt an den Nerven. Man fragt sich, warum man das alles macht, vor allem, weil man ja alles besser machen wollte wie der eigene Vater, der viel unterwegs und deshalb oft abwesend war. So kommt es, dass man sich auseinanderlebt noch ehe man sich überhaupt aneinander gewöhnen konnte. Streit, man schläft im Wohnzimmer, das Wort Scheidung wird ausgesprochen, vom anderen aufgenommen. Weg, einfach nur noch weg…

Irgendwann flattert dann ein Brief vom Gericht in den Briefkasten, kein Einschreiben, ein normaler Brief. Das ist wichtig zu wissen, denn sonst würde man über den Gerichtstermin überhaupt nicht informiert werden. Ich kenne Männer, die nicht informiert wurden, der Brief kam nie an, bzw. die Frau hatte ihn weggeworfen. Irgendwann trudelte das Urteil ein. Ich hatte Glück, ich habe diesen Brief erhalten. Ein Brief wie ihn französische Gerichte so schreiben, es geht um die Ehre haben. Ja, der Brief ging mit „Ich habe die Ehre ihnen mitzuteilen, dass…“ los. Die Ehre haben, ehrloses Gesindel…

Irgendwann erhält man das Schreiben der gegnerischen Anwältin, auch dieses ehrlose Wesen hat natürlich die Ehre, wie kann es auch anders sein. Sie möchte die Adresse meines Anwaltes, bei einer Scheidung ist dies Pflicht. Wozu, das wird einem nicht erklärt. Neben der Bitte um einen Anwalt steht noch drin, dass Madame mir großzügigerweise ein Wochenende alle zwei Wochen zugesteht und sie 500,- Euro an Unterhalt wünscht, ich die Wohnung alsbald verlassen soll und sie die ganzen Möbel möchte und für sich selbst 50.000 Euro an Eheabfindung für 5 Jahre, 5 Jahre in denen ich Lohnverzicht gemacht habe, um nach Frankreich zu gehen und bei meinem Kind zu sein. BÄM, das steht die Frau, die du geliebt hast, dir zu bzw. möchte sie von dir habe, die Frau (und das Kind) für die du dein Leben aufgegeben hast. Für die du in ein Land gezogen bist, dessen Sprache du nicht sprichst, dessen Kultur du nicht verstehst.

Verhandlungen mit der Frau brachten nichts. Wozu auch, ich weiteren Verlauf sieht man, dass Gerichte der Mutter jegliches Recht zugestehen, warum also verhandeln, wenn man doch eh alles kriegt. Einmal, als ich sie Wohnungsflur ansprach, um zu reden, endlich reden, damit wir endlich getrennte Wege gehen können, kommt nur: „Wenn Du nicht ausziehst zeige ich Dich wegen Gewalt an und dann gehst Du! Und wenn Du wirklich was machst, zeige ich Dich wegen Pädophilie an und Du siehst Deinen Sohn nie wieder!“ Ich weiß nicht, wie ich ruhig geblieben bin in dieser Situation, ich weiß nur meine Antwort, „mach das und Du wirst unseren Sohn 24h am Tag, 7 Tage die Woche vor mir verstecken müssen. Ich werde ihn hohlen, wenn es sein muss mit Gewalt aus der Schule. Ich kann überall arbeiten, ich habe es hier bewiesen, und dann siehst Du Deinen Sohn nie wieder!“ Sie wusste, ich meine das Ernst, ihr war klar ich würde das durchziehen, ihr war bewusst, dass die Chance besteht, ihren Sohn zu verlieren. Dies war übrigens nachdem sie ihre Anwältin aufgesucht hat, und ich weiß, woher es kommt. Ich glaube meiner Exfrau heute nichts mehr. Sie hat aber mal erzählt, ihr Ex hätte sie geschlagen. Heute kann ich darüber nur lachen. Eventuell hat er es gemacht. Ich habe mich für einen friedliebenden Menschen gehalten, doch meine Ex hatte eine Angewohnheit andere auf die Palme zu bringen.

Erst später, als ich einen Bericht im Spiegel las, wusste ich, dass man das psychische Gewalt nennt. Dort war ein Psychologe der behauptete, dass nur Frauen Opfer von häuslicher Gewalt werden konnten. Bestimmte Gewaltformen konnten überhaupt nur gegen Frauen ausgeübt werden. Wirtschaftliche Gewalt zum Beispiel gehörte dazu und auch psychische. Bei beiden gab er Definitionen an, die zu dieser Gewaltform gehörten, ich konnte von diesen Definitionen einmal 4 von 6 und bei 2 von 4 Punkten mit Ja ankreuzen. Da wusste ich, dass ich in einer gewalttätigen Beziehung gelebt habe. Doch wie konnte es sein, wo doch nur Frauen Opfer sein können?

So sucht man sich nach dem Brief der gegnerischen Anwältin selber eine. Meine kostete 250 Euro die Stunde, meine fehlenden Sprach- und Recherchekenntnisse wollte ich so ausgleichen. Wert war sie nicht mal einen Cent. Warum auch sollte sie sich anstrengen, wenn meine Frau keinen Fehler macht, dann habe ich eh keine Chance irgendetwas zu gewinnen. Eine Scheidung ist für einen Mann ein Marathonlauf, die Frau macht derweil 1000 Meter Walking, das weiß jeder Anwalt, sagt es dir aber nicht. Eine Rechnung wird trotzdem alle paar Monate geschickt. Irgendwelche Leistung, die dem gegenübersteht konnte ich nicht ermitteln. Fortschritte ebenfalls nicht…

So ist dann 4 Monate nach Einreichen der Scheidung der erste Termin vor einer Anwältin. Beide Parteien mit ihren Anwälten sitzen da. Meine Anwältin kam 45 Minuten zu spät, die gegnerische Anwältin ging hin und gab ihr einen Stapel Schreiben, den meine Anwältin in Empfang nahm. Das waren die „Conclusion“ mit Beweisen. Also im Prinzip ihre Anträge und die zugehörigen Anlagen, die beweisen, was für ein schlechter Vater ich sei. Normalerweise müssen diese vor der Verhandlung übergeben werden, was hiermit passiert ist. Meine Anwältin hätte diese auch nicht annehmen und hätte nur auf den Papierkorb im Warteraum verweisen müssen. Für 250 Euro die Stunde kann man solches juristische Grundwissen bitte nicht erwarten. Somit ging es in den Panikmodus über und ich musste so schnell alles lesen wie es nur ging. Unter anderem las ich Attestationen von einem Freund, der mir bei einer Tour die ich organisierte sagte, „Normalerweise kümmerst Du Dich mehr um Deinen Sohn, da war es mal anders, aber man sieht wie er an Dir hängt.“ Ich bat ihn, mir das kurz zu bestätigen, er wollte sich nicht einmischen, ich akzeptierte das. Nun las ich von ihm was für ein schlechter Mensch ich doch bin. Auch andere, die sich nicht einmischen wollten, haben gegen mich geschrieben und Dinge bestätigt, die sie nicht wissen konnten. Einige aus Fremdenfeindlichkeit, andere, weil ein Kind natürlich zur Mutter gehört.

Die Verhandlung läuft ab wie Verhandlungen immer ablaufen, nur, dass mich keiner darüber informiert hat. Zuerst geht die Frau rein und darf etwas sagen (sie hat den Antrag gestellt, deshalb). Danach gehe ich rein und darf dem Richter etwas sagen. Ich weiß aber nicht, was meine Frau (die sie da ja noch war) gesagt hat, kann mich also nicht mal dagegen verteidigen. Ich habe nichts gesagt, obwohl es das einzige mal war, wo die Richterin mir zuhören würde, danach reden nur die Anwälte. Ich, den es betrifft, bin nur dazu da, um still zu sitzen und die Fresse zu halten. Anschuldigungen gegen mich kann ich nicht erwidern. Da gab es doch mal was zu Rechtsstaatlichen Prinzipien und dass ich mich gegen Anschuldigungen wehren darf? Egal…

Dann darfst Du nach Hause gehen, ein Urteil erhältst Du nicht, das wird zugeschickt. Nicht an dich, an deinen Anwalt, denn du interessierst nicht. Kinder, die laut Kinderrechtskonvention gehört werden müssen, interessieren auch nicht. Nicht, dass ich es richtig finde Kinder, vor Gericht zu hören, im Gegenteil, ich finde es kindswohlgefährdend. Denn ein Kind, das glaubt, etwas bewirken zu können, vom Richter aber nur gehört wird, weil es im Gesetz steht, um das Kind dann doch zur Mutter zu geben, ist eher geschockt und noch weiter enttäuscht. In dieser ersten Verhandlung geht es um Unterhalt, 350,- Euro sagte meine Anwältin, wir hatten vereinbart 0 Euro, denn ich werde das Kind nehmen. Viele mit meinem Gehalt zahlen 250,-, aber weil meine Anwältin das so großzügig angeboten hat, habe ich es bis heute an der Backe. Ich durfte ein Wochenende von zweien haben, obwohl wir vor Gericht vereinbarten, dass ich in der anderen Woche den Montag bekomme. Hat die Richterin irgendwo vergessen. Die Wohnung wurde meiner Exfrau zugesprochen, und weil das Eheleben unerträglich ist, durfte ich innerhalb von 2 Monaten eine neue Wohnung suchen. Das einzige, was meine Anwältin rausgeholt hat, einen Monat mehr ehe ich obdachlos werde. Ab Urteilsverkündung, was bedeutet ehe das Urteil bei dir ist sind schon mal zwei Wochen vergangen. Ich kenne Fälle, da war die Anwältin im Urlaub, der Vater erhielt ein Schreiben vom Gerichtsvollzieher, der ihm das bestätigte Urteil überbrachte und kurz darauf stand die Polizei vor der Tür um ihn hinaus zu begleiten.

Nur kurz zum Verständnis, hast du in deiner Mietwohnung in deinem eigenen Haus eine Assifamilie, die dir täglich Prügel androht, kriegst Du die nicht raus, zum Winter schon dreimal nicht. Mit Kindern nie im Leben. Ich hatte 6 Wochen, 6 Wochen in Paris mit einem total überhitzten Wohnungsmarkt, bei dem ich versuchte, nicht zu weit weg zu ziehen, um beim nächsten Mal mehr Chancen zu haben, meinen Sohn zu sehen. Ich verdiene nicht schlecht und hatte Glück, ich habe ein Loch gefunden, ein Loch an das ich drei Jahre gebunden war. Alpträume obdachlos zu werden, habe ich aber bis heute. Die Wohnung ist überteuert, renovierungsbedürftig und war siffig, doch wer solche Urteile in Massen produziert, darf sich über solche Wohnungsangebote nicht wundern. Ich hatte noch mehr Glück, ich konnte viele Dinge bei einem Kollegen unterstellen und habe es gemacht, als meine Ex am Wochenende bei ihren Eltern war. Offiziell durfte ich es nicht, so stand es im Urteil. Doch es gibt keinen Diebstahl, und alles was Du in der Wohnung zurücklässt, wenn Du ausziehst ist weg, Du siehst es nie wieder. Das war der erste Rat, den ich in unserer Elternorganisation erfahren habe. Nimm mit, was Dir gehört und Du unterstellen kannst. Ich kenne Handwerker die ihre Kundenkartei zurückgelassen haben, die Werkzeug nicht mitnehmen konnten, sie gingen pleite. Egal, das Zusammenleben mit dem Mann ist unerträglich…

Meine Eltern hatten für uns Schlafzimmermöbel gekauft, sie sind weg, irgendwo in Südfrankreich im Ferienhaus der Eltern. Die Waschmaschine oder den Herd, den ich mitgebracht habe, nie wieder gesehen. Und irgendwann ist man bereit, sich um eine Waschmaschine zu streiten, bis zum Äußersten. Hierbei geht es nicht darum, dass man die Maschine möchte, sie ist nur ein Stellvertreter für alles, was man dir angetan hat. Es geht nur noch darum, ein einziges mal Recht zu bekommen…

Wie ich schrieb, ich war zu dieser Zeit in unserer Elterorganisation. Vorher war ich in einer anderen, SOS Papa. Die waren auf dem Trip, dein Anwalt regelt das. Oben saßen ein paar Hanseln mit einem Moderator und laberten und unten saß ein Anwalt, den man ein paar Fragen stellen konnte und der dir einen Kostenvoranschlag gab. Es gibt in Frankreich den Joke, kommt ein Vater zum Anwalt und fragt, Herr Anwalt (auf französisch ehrfurchtsvoll Maitre – also Meister genannt, da ich nur mit Frauen zu tun hatte, habe ich Maitresse – also Liebhaberin oder Grundschullehrerin genutzt) was kostet die Konsultation bei Ihnen? Die Antwort 3 Fragen 500 Euro. Darauf der Vater, was, so viel? Der Anwalt, ja und ihre letzte Frage? Anwälte nehmen auch schon Geld nur um den Kostenvoranschlag zu erstellen. Da ist man über ein solches Angebot dankbar. Auch wenn man nur einmal mit den sich 4 abwechselnden Anwälten reden darf, die auf Kundenfang sind.

Doch die Moderatoren haben Null Ahnung. Einer sagte mir zu meiner 6 Wochen Frist, nö, die kriegen Dich nicht raus, das dauert Jahre. Nein, dauert es nicht. So kam es, dass ich durch eine Frau, die dort Studien für ihre Diplomarbeit machte, die auch bei meiner jetzigen Organisation war, zu dieser vermittelt wurde. Der erste Termin, bei dem ich alle Unterlagen dabeihatte, dauerte 20 Minuten, da wusste ich, wenn ich keine Wohnung habe, stehe ich auf der Straße oder schlafe in der Metro und alles, was meine Anwältin gesagt hat, war einfach falsch. Ich wusste, dass ich die Berufung, die ich angestrengt hatte, nicht hätte machen brauchen, weil ich in einem Jahr den nächsten Termin kriege, in dem das Urteil nochmals unter die Lupe genommen wird. Außerdem bringt die Berufung nichts (in Frankreich) weil es eh alles nur Amateure sind. Ein Doktorand (der mit d und nicht mit t) sagte mal, diese Organisation wären sehr gut, kompetent, aber sehr brutal und direkt in der Sprache. Doch in der Situation helfen nur klare Worte, direkt voll in die Fresse. Viele verstehen Dich nicht mal, wenn Du es ihnen hundert Mal wiederholst.

Doch vorher kam noch die Gutachterin, der man 6 Fragen zur Beantwortung gestellt hat. Wie in Deutschland auch hat sie sich darum einen Scheiß gekümmert. Eine Frage war, in wie weit unser Kind, 4 Jahre zu der Zeit, zum Vater wollte oder man dem Vater mehr einbinden kann. Die Gutachterin, die hier in Frankreich einen Fixpreis kriegt und keinen Bock auf lange kindswohlgefährdende Testbatterien hat, sagte lapidar, das könne man nicht sagen, weil das Kind so klein ist. Das war die in der Kinderrechtskonvetion geforderte Einbindung des Kindes.

Doch nicht einmal das war das schlimmste. Als unsere Ehe bereits zerbrochen war, habe ich meine Exfrau betrogen. Sie wurde natürlich als erstes befragt und klagte der Gutachterin ihr Leid. Die erste Frage der Gutachterin an mich war, "und was ist mit Ihren sexuellen Problemen?" "Welche Probleme?" "Die, welche Ihre Frau mir geschildert hat." "Ich weiss nicht, was meine Frau Ihnen geschildert hat…" Es ging um mein massenhaftes Fremdgehen, das eine einzige Arbeitskollegin war. Dass meine Ex längst einen anderen hatte, jemand, den sie von klein auf kannte, egal. Ich aber hatte sexuelle Probleme und so war es kein Gutachten, sondern ein Tribunal der Inquisition. Es gibt in Frankreich noch die Scheidung durch Fehler, bei der man einen der beiden für das Scheitern der Ehe verantwortlich macht. Das war das einzige Ziel dieser Gutachterin, mich verantwortlich machen und dann sagen, wer das Kind zugesprochen bekommt. Ach ja, und ich bin natürlich auch jemand, der psychische Gewalt anwendet, denn ich habe meiner Frau gedroht, mit dem Kind ins Ausland zu gehen (siehe vorher der Fall).

Irgendwann kommt das Berufungsgericht, vor dem du über die Wohnung sprechen möchtest. Das interessiert die Richterin nicht, ich hatte ja ne Wohnung gefunden, also was interessieren Rechtsprinzipien, was interessiert das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung oder Alpträume? Der ausgehandelte Montag, den mir das erste Gericht, trotz Einigkeit mit meiner Exfrau, nicht gegeben hat, wozu? Und auch sonst erhielt natürlich meine Exfrau vollkommen Recht. Hier hatte ich nicht mal mehr einen Anwalt, doch jemanden, der meine Schriftstücke, obwohl in perfektem Rechtsfranzösisch übersetzt, nochmal übersetzten musste und an das Gericht weiterleitet. Dieser Service kostete 1600 Euro, für nichts. Akten, Schriftstücke, Anträge der Gegenseite, all das habe ich nie erhalten. Nie, es bleibt beim Anwalt oder bei diesem „Übersetzer“ der jedoch nicht als Anwalt fungiert, Da kein Anwalt da war, durfte ich nichts sagen, sondern wie gewohnt Klappe halten. Selbst dass in meinem Urteil von einer Frau Quentin die Rede war, ein Copy/Paste aus einem anderen Urteil, interessierte nicht. Individualrecht? Quark, Massenabfertigung. Ich war an diesem Tag der einzige, der überhaupt vor der Richterin erschienen ist. Ansonsten nur Anwälte… Berufung ohne die welche diese möchten.

Seit diesem Tag habe ich, obwohl nach einem Jahr die endgültige Scheidung mit Pflichtanwalt ansteht, nie mehr einen Anwalt genutzt. Wozu auch.

Einzig der Elternverein, in dem ich mich engagiere hat mir überhaupt geholfen. Sicherlich ist vieles in Deutschland anders, doch einiges ist mit Sicherheit noch schlimmer, anderes besser. Doch die Konsequenz für Väter ist überall gleich. In Berlin, das ergab eine kleine Anfrage vor 10 Jahren, wird bei einer Scheidung in 15% der Fälle das Sorgerecht gleich mitgekippt. Ab dem Moment hat ein deutscher Vater keine Möglichkeit mehr bei Lehrern oder Ärzten über sein Kind informiert zu werden, von einem Mitbestimmungsrecht ganz zu schweigen. Das ist in Frankreich so nicht möglich und selbst wenn man mir das Sorgerecht entziehen solle, so ist diese Entscheidung nicht Lebenslänglich, sondern wird jedes Jahr überprüft (nach obigen Prinzipien, also auch nicht richtig). Doch ich habe jeder Zeit die Möglichkeit über mein Kind informiert zu werden. Doch das alles ändert nichts, denn wenn die Mutter alleine das Kind anmelden kann, erfährt man nicht mal in welcher Schule es angemeldet wurde oder welcher Arzt gerade eine Herztransplantation vorbereitet. Doch zumindest hat man ein Auskunftsrecht bei Lehrern.

Nun kam auf Twitter die Frage hoch wie verhält es sich, was macht es mit dir. Ich habe bisher 8 Verfahren hinter mir. Hier enthalten sind auch die „Interpretation“ des Urteils, also was meint die Richterin mit der Hälfte der Ferien, wann fängt das an, Mitternacht oder morgens um 8... Zusätzlich eine Gerichtsmediation, eine Art Schlichtung, bei der es nur darum geht das ich am Ende meinen Fehler eingestehe und anerkenne, so dass man mich in Zukunft danach aburteilen kann wenn ich dagegen verstoße.

Diesen Fehler, das Urteil in keiner Weise zu berücksichtigen, gestehe ich ein. Ich habe meinen Sohn abgeholt wann ich wollte, solange bis mir die Vorschule (die hier sehr früh anfängt) meinen Sohn nicht mehr gab. Danach habe ich ihn dann nicht mehr in die Vorschule gebracht und gesagt er ist krank und leidet an Lustlosigkeit. Ich habe solange Sand in das Getriebe geworfen bis ich einen Tag in der Woche hatte, in der ich nicht das Wochenende hatte. Das war der Mittwoch, ein Tag der gerne den Vätern gegeben wird damit die Frauen Karriere machen, denn der Mittwoch ist schulfrei (gewesen). Ich zahle trotzdem den vollen Unterhalt, auch weil meine Frau 80% arbeitet, wegen dem freien Mittwoch. Mir fehlt ein Abend jede Woche in der ich meinen Sohn von der Schule abhole und zurückbringe, dass auch nur in den 8 Monaten der Schule. Dieser Tag kostet mich 150 Euro. Ich habe sogar unseren Sohn vorher mehr betreut wie die Mutter. All das interessiert nicht.

Doch zurück zur Frage was das alles mit einem macht? Ich bin zum Zyniker geworden. Heute lehne ich die Ehe komplett ab, der Staat hat sich nicht in die Belange der Bürger einzumischen. Als ehemaliges SPD Mitglied empfinde ich die SPD, die gesamte Linke, genau so schlimm wie rechte Extreme bei der AfD. Für mich war linke Politik einmal eine die auf Verständigung, eine die auf eine bessere Welt abzielt. Doch heute ist die SPD für mich bereits extrem in ihren Ansichten, wenn es nur noch darum geht, wie auch Barley gerade, jedem popeligen Shitstorm hinterher zu rennen um Gesetze zu verschärfen als ob man in der CSU unter Franz Josef Strauss ist. Oder wie jetzt, wenn Grüne ihre Familie auf Twitter zeigen um für Familienzusammenführung zu demonstrieren, aber jederzeit bereit sind andere Familien über die Klinge springen zu lassen ohne auf Einzelfälle zu schauen. Quark, nur auf Einzelfälle zu schauen, die paar Fälle wo es wirklich nicht rund läuft und ggf. der Mann eine Mitschuld trägt. Das es in Deutschland in der Statistik der Kinder und Jugendhilfe 62 544 Massnahmen gab weil die Kinder- und Jugendhilfe eine Gefährdung des Kindes gesehen hat, egal. Das 3/5 davon bei Alleinerziehenden leben, das braucht auch keinen zu interessieren. Wichtiger ist es wegen Wedel ein Schweigekartell aufzubrechen!

Man bleibt zurück mit einer Wut im Bauch die für 10 Leben reicht. Eine Wut auf die Schule die einem beigebracht hat in einem Rechtsstaat zu leben. Wie gut haben wir es hier doch, seht nur mal nach China, wer da die falsche Meinung hat wird eingesperrt. Das mag sicherlich richtig sein, doch ich kenne Eltern, wenn ich denen erzähle, wenn Du Dir die Zunge rausschneiden lässt, dann siehst Du Deine Kinder bis sie 18 sind jedes zweite Wochenende von freitags nach der Schule bis montags morgens. Die fragen nicht ob mit oder ohne Betäubung, die fragen nur wann, wann sehe ich meine Kinder dann und wann können wir loslegen.

Ich weiß nicht wie oft der Staat gegen grundlegende Menschenrechte verstoßen hat. Ich konnte, nach dem Berufungsverfahren, zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gehen. Doch irgendwann fehlt einem die Kraft, ich bin völlig zusammengebrochen, obwohl ich noch halbwegs meinen Sohn gesehen habe. Ich hatte Glück das es bei uns auf der Arbeit sehr ruhig war, ich kenne viele die ihren Job verloren haben. Denn arbeiten, voll konzentriert, können viele nicht mehr. Diesen Menschen möchte dann die SPD am liebsten noch den Führerschein entziehen, wenn sie keinen Unterhalt zahlen. Und auch in Frankreich häuft sich dieser Unterhalt zu einem Berg auf den viele nie wieder abzahlen können. Danke liebe SPD, danke liebe Dreckspartei!

Ich habe im Väterverein Fälle gesehen, da könnte man ein Buch drüberschreiben. Ein Vater, der den Kontakt zu seinem Sohn verloren hat und zwei Jahre nach dem Tod von einem früheren Bekannten auf der Straße darüber informiert wurde das der Sohn bei einem Attentat im Ausland ums Leben kam, Al Quaida. Der Sohn trug den Namen des Vaters, doch die Regierung, die alle Angehörigen informiert und psychologisch betreut hat, hat diesen Vater einfach ignoriert. Wozu auch. Begraben irgendwo durch die Mutter. Der Stiefvater starb ebenfalls. Einige Zeitungen schrieben tröstende Worte das der damals 16 jährige den Weg nicht allein gehen musste, sondern von seinem Vater begleitet wurde.

Ich habe Fälle gesehen, bei denen Kindern eingeredet wurde das sie misshandelt wurden. Ein krasser Fall eines Polizisten, die Tochter war zur Tatzeit nicht mal bei ihm. Das Verfahren schilderte eine Kollegin in etwa so, die Opferzeugin kam rein, die Richterin sagte „auch wenn wir Deinen Papa nicht verurteilen können, weil die Beweise nicht reichen, das heißt natürlich nicht das er unschuldig ist.“ Er wurde im erster Instanz verurteilt, in zweiter sehr schnell freigesprochen. Die Richter waren, so hatte man als Beobachter den Eindruck, sehr schnell von der Unschuld überzeugt. Ein Zahntechniker, drei Kinder, die älteste musste zurück zur Mutter obwohl sie dem Gericht geschrieben hat das sie beim Vater lebt, sie war 18 Jahre. Das Gericht sprach trotzdem der Mutter Unterhalt für diese Tochter zu, die Tochter hatte schließlich ein Zimmer bei der Mutter.

Wir betreuen aber auch Frauen, die das Sorgerecht verlieren, wenn sie einen Fehler machen. Einer dieser Fehler ist z. B. aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen und die Kinder zurücklassen. Nicht das wir uns falsch verstehen, genau so sieht es das Gesetz natürlich vor. Doch wer sich nun auf seinen Expartner verlässt, der kann da genau so in die Vollen greifen wie ich das mit meiner Ex gemacht habe. Der Partner braucht nur die Bestätigung das die Partnerin eine neue Wohnung hat oder ausgezogen ist, schwups tauscht er die Schlösser aus und unterbindet den Umgang. Dafür das sich die Frau an Recht und Gesetz gehalten hat verliert sie als Dankeschön des Rechtsstaates das Sorgerecht, denn die Kinder haben sich ja nun an diese neue Situation gewöhnt.

Einer der aus Wut das Auto des neuen Mannes total demoliert hat, weil dieser die Tochter weinend hinter sich herzog und ihn, den Vater nicht mit der Tochter sprechen ließ. Einen anderen der seinen Schwiegervater getötet hat, weil er glaubte dieser sei pädophil, Gerichte haben sich nicht mal darum gekümmert, das Kind ist ja bei der Mutter, was soll da schon passieren. Viele finden sich irgendwann damit ab, das Kind ist für sie wie Tod. Andere, die jahrelang nicht mehr da waren, werden gesucht. Die Kinder kommen zu uns und fragen ob wir den Vater kennen oder eine Adresse haben. Einen Großvater, Krebskrank, er wollte nur einmal seine Enkelkinder wiedersehen. Ich war auf seiner Beerdigung, das war das einzige was ich machen konnte für ihn.

Ein anderer Fall, die Mutter wollte umziehen. Nicht das es einen interessiert wohin die Mutter zieht, solange sie französischen Boden nicht verlässt. Lehrerinnen lassen sich da gerne mal nach La Reunion versetzen, oder nach franz. Guyana ohne das es einen interessiert. Zieht eine Mutter aber mit ihren Kindern kurz zu den dt. Eltern auf der anderen Seite der Grenze, z. B. vom Elsass nach Deutschland, dann greift internationale Kindesentführung und die Kinder werden zurückgeholt. Das betrifft alle Auslandsumzüge des Kindes. So gab es eine Mutter die nach Israel umziehen wollte, das Kind sollte natürlich mit. Eingelebt, Veränderungen die schädlich für ein bereits durch die Scheidung traumatisiertes Kind sind, all das wird da natürlich anders bewertet wie bei einem Ehepartner der aus der gemeinsamen Wohnung auszieht.

Ab und an begleiten wir Eltern bei einem schweren Gang, bei Strafgerichtsverhandlungen, vor allem zum Berufungsgericht. Manchmal wenn sie einen Zeugen brauchen bei der Übergabe. Und manchmal, wenn sie die Kinder am Flughafen verabschieden müssen. Auch als Außenstehender bekommt man hier eine Wut auf diesen Rechtsstaat, die man nicht mehr in Worte fassen kann. Aber, ein Prinzip des Rechtsstaates ist es ja, dass man das Urteil nochmals prüfen kann. Was bringt es einem, wenn das Kind im Ausland ist und man, nach über einem Jahr, keine Chance mehr hat es zurück zu hohlen. Denn franz. Berufungsgerichtsurteile interessieren in Israel kein Schwein.

Manchmal schaffen wir einen Sieg. Ein Lehrer, seine Tochter so alt wie die Kinder die er unterrichtete, sah seine Tochter nur noch in einem Besuchspunkt, einmal im Monat an einem Wochentag für eine Stunde unter Aufsicht. Was er gemacht hat? Er hat eine Frau geheiratet die dies wollte, das hat gereicht. Er darf andere Kinder unterrichten, sein eigenes aber nur unter Aufsicht sehen. Nach 5 Jahren haben wir es geschafft das Kind zu ihm zu holen, nicht weil wir so gut sind, sondern weil seine Ex so viele Fehler gemacht hat das selbst der Staat einmal sagt, nun ist aber Schluss. Unser Verdienst daran, den Mann weiter aufbauen, obwohl das Kind bei einer Pflegefamilie lebt.

Wir machen Rechtsberatung, Lebenshilfe und versuchen uns das sich Eltern um die wichtigen Dinge kümmern. Immer wieder kommen Eltern und sagen, aber meine Ex gibt dem Kind nichts zum anziehen mit. Wir sagen dann, kauf was, oder einer hat Klamotten die er geben kann. Es bringt nichts sich darum zu streiten. Oder der Klassiker, meine Tochter möchte reiten, aber die Mutter möchte mit ihr Ballett machen. Dann geh mit ihr reiten. Aber es kostet XY Euro und wenn die Mutter die anderen Wochenenden nicht hingeht… Dann geht sie halt nicht hin, aber deine Tochter merkt das Du auf ihre Wünsche eingehst.

Doch trotz allem ist es schwer, wenn dein Sohn dir nach einem Wochenende sagt, Papa ich möchte aber bei dir bleiben, es war doch nur so kurz. Oder, Papa wann sehen wir uns wieder, oder er dich anruft und sagt, Papa hohl mich ab ich möchte zu dir. Das interessiert aber keinen hier in Frankreich, auch nicht in Deutschland oder anderswo. Kinder sind nur Störfaktoren zum Mütterwohl, sie halten diese von der Arbeit und Karriere ab, sie müssen auf Karriere verzichten, und Kinder machen Arbeit, all das muss entlohnt werden. Wer bin ich dagegen, der sich Zeit mit seinem Sohn teuer erkaufen muss, der noch mehr Geld gibt wie er muss damit er seinen Sohn noch öfter sieht. Ich bin ein patriarchales Arschloch das die Mutter unterdrückt.

Manchmal könnte ich stundenlang heulen, wenn mir nicht vor lauter Wut die Tränen fehlen würden. Hass, dafür hat man keine Zeit. Einige geben Frauen die Schuld, doch es sind nicht die Frauen die so sind, es ist ein System das unbedingt einen Elternteil als Verantwortlichen braucht, egal wie die Bedürfnisse des Kindes sind. Wir dulden diesen Frauenhass bei uns nur kurze Zeit, denn Hass muss erst einmal artikuliert werden und dann auch mal rausgeschrien. Doch wir lassen ihn nie unwidersprochen stehen. Wir haben aber auch schon Menschen bei uns ausgeschlossen weil sie bei ihrem Frauenhass geblieben sind. Doch ein System das Frauen, und damit Mütter, als Bedingungslos gut ansieht und lieber Kinder in Pflegefamilien gibt, wie diese zum Vater zu lassen, produziert einen solchen Hass.

Ich selbst habe natürlich auch Hass, auf den Staat und die Gesellschaft die sowas zulässt. Die einen Filmemacher wie Wolfs Perger, der einen Dokumentarfilm über den durch ein Gericht erzwungenen Abschied seiner Tochter erstellt hat, nicht unterstützt, in der aber jeder das Buch nicht ohne meine Tochter kennt. Ich hasse das Rechtssytem und alle seine Vertreter. Hier haben vor ein paar Jahren mal Tunesier im Stadion bei der französischen Hymne gepfiffen. Große Diskussion, jetzt ist Pfeifen bei der Hymne verboten. Keiner weiß warum sie gepfiffen haben, oder keinen interessierts. Ich hingegen habe da vage Ahnungen. Und ich habe einen Hass auf meine EX, der Mensch mit dem ich ein Kind habe. Der Mensch der glaubt mir mein Kind vorenthalten zu können. Sollte sie eines Tages schwer verletzt auf der Straße liegen, so werde ich in das nächste Bistrot gehen und mir dort ein Bier bestellen und einen Stuhl ausleihen, damit ich bei diesem Freudenereignis in der ersten Reihe sitze… Ich hasse aber am meisten das Rechtssystem das Menschen mit Hass zurücklässt anstatt ihnen Lösungswege aufzuzeigen.

Natürlich ist es nicht französisch bis zum Abschluss, und es kann so in jedem anderen Land in Westeuropa passieren.

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