Endlich klimaneutral furzen lernen - oder zurück zur Standesgesellschaft

Diesmal haben nicht alte weiße Männer den Hass produziert, sondern eine „Enthüllungsstory“ der alten weißen taz: Gretas Reise in die USA ist nicht klimaneutral! Wer hätte das gedacht? Jeder Furz den wir heute loslassen schadet dem Klima, wie soll es da eine Atlantiküberquerung in einem Plastikbötchen sein? Wie kann das nun bei einer PR Aktion anders sein, bei der die gesamte Crew nette modische Kleidung für die Überfahrt mit dem Friday for Future Logo trägt?

Die Yacht, mit der die von der Presse zur Heiligen erklärte Greta ihre Tour antritt, ist eine Rennyacht, die mit kleiner Besatzung solche Touren macht. Da ist es normal, dass immer Crewmitglieder per Flugzeug durch die Gegen fliegen, um die kleine Crew zu komplettieren oder die Yacht zu überführen. Doch selbst wenn man mit der gleichen Crew hin und zurückfahren würde, so liegen zwischen Europa und den USA noch die Rossbreiten, eine Zone die sich über mehrere Breitengrade erstreckt. Die Namensherkunft ist nicht gesichert, doch geht man z. B. davon aus, dass in dieser Zone, die früher ein Segelschiff mehrere Tage, teilweise Wochen in einer Flaute gefangen hält, die an Bord befindlichen Pferde getötet und über Bord geworfen wurden. Heute ist man da, vor allem auf solchen Rennyachten, doch etwas humaner und wirft bei Flaute kurz den Diesel an und durchquert diese Zone. Wir reden hier vom gleichen Diesel, der übrigens in vielen Städten jetzt verboten werden soll.

Nun kann man einem 16-jährigen Mädchen, das eigentlich nur das Klima retten will, hier erst einmal guten Glauben unterstellen. Von all diesen Gegebenheiten muss eine Klimaaktivistin erst einmal nichts wissen und kann ihr mit gutem Glauben unterstellen hier auf die PR Aktion eines Superreichen hereingefallen zu sein. Wesentlich interessanter sind hier jedoch die Ausflüchte des Teams. So schreibt der Spiegel hierzu:

"Selbstverständlich kompensiert das Team 'Malizia' alle Flüge - und zwar nicht nur die, die jetzt im Zusammenhang mit Gretas Trip entstehen", sondern auch sämtliche Reisen zu Regatten. Im vergangenen Jahr habe das Team so 40 Tonnen neutralisiert...

Ähnlich argumentierte hier auch Katharina Schulz, die ob ihrer internationalen Flüge heute nur noch #KerosinKatha genannt wird. Man kann also durch Geldspenden Tonnen von CO2 neutralisieren oder wie Schulz schreibt ausgleichen? Sehr interessant ist hier ein Artikel des Spiegel, der sich mit der Problematik beschäftigt. Und ehe einer nun den ersten Stein auf Greta Thunberg wirft, sollte er mal schauen wie viel Dreck in Deutschland auf das Auto entfällt. Doch zurück zum Thema! Der Spiegel schreibt:

Ein einzelner Langstreckenflug stößt pro Kopf mehrere Tonnen Treibhausgase aus. Auf der Strecke Frankfurt-New York etwa sind es nach Berechnung des Umweltbundesamts 3,8 Tonnen für Hin- und Rückflug. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Deutsche verursacht im Jahr Emissionen von knapp zwölf Tonnen. Anders ausgedrückt: Zwei USA-Flüge reichen, um fast so viel Treibhausgas auszustoßen wie andere in einem ganzen Jahr.

Nun fragt man sich, wie man nun durch solche Spendenaktionen, wie sie hier immer wieder genannt werden, diese Tonnen an CO2 neutralisieren möchte. Vor allem, wenn die Kompensationsagentur atmosfair berechnte hat,

„jeder Bewohner der Erde im Jahr nur noch 2,3 Tonnen CO2-Äquivalente verursachen [darf], um das Mindestziel einzuhalten, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.“

Was also Katharina Schulz hier mit einem Flug in die USA verursacht hat, ist fast das Doppelte, das einem Deutschen pro Jahr im Durchschnitt zustehen würde. Aber sie hat genau das durch eine Spende ausgeglichen? Wurde da dann ein Deutscher 2 Jahre früher dazu bewegt doch den Löffel abzugeben?

Was hier eine vermeindlich Linke Politikerin vorführt, ist somit nichts anderes, als das Standesdenken vor hundert Jahren. Noch unverblümter drückt dies z. B. der Grüne Matthias Oomen auf Twitter aus, wenn er schreibt:

Es macht übrigens einen Unterschied, ob jemand nach NYC fliegt, um dort eine Studienreise zu absolvieren, ein Geschäft abzuschließen oder an einer globalen Umweltschutzkonferenz teilzunehmen oder ob jemand nach London fliegt, um dann bei H&M die gleiche Kleidung zu kaufen, die es am Kudamm auch gibt. Wenn wir die Anzahl der Flüge reduzieren wollen, ist der Anlass natürlich mit entscheidend. Von daher ist übrigens eine für das Leben sensibilisierende preuniversitäre Weltreise auch eher zu vertreten als die gewohnheitsmäßige Kegelpartytour nach Ibiza.

Also bitte, Studienreisen, Flüge zu Umweltkonferenzen etc., das alles ist wichtig! Aber die Typen, die nach London fliegen um dort H&M Klamotten zu kaufen oder nach Malle, die sind das Problem! Das ein solcher Flug nach London nur einen Bruchteil des CO2 von Langstreckenflügen ausstoßen, ist natürlich egal. Unser Klientel, die Bildungsbürger, müssen weiter CO2 produzieren können. Gutes fliegen, schlechtes fliegen… Und wir sind die Guten!

Das Greta Problem

Doch lassen wir unsere Doppelmoralgrünen beiseite und kommen zurück zu Greta und ihrer USA Reise. Greta Thunberg wurde als Ikone der neuen jungen Umweltbewegung, die freitags die Schule schwänzt, um gegen Kohlestrom zu hüpfen und hernach bei MC Donald die Energie wieder auftankt, aufgebaut. Es ist natürlich sehr wichtig, dass wir kritische Jugendliche haben, die uns dazu mahnen die von uns selbst gesetzten Klimaziele einzuhalten. Was wir nicht brauchen sind noch mehr scheinheilige Katharinas und Luisas, die von anderem Verzicht fordern, selbst aber erst mal aus den Vollen schöpfen und somit weiter zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen. Natürlich gibt es immer ab einer gewissen Gruppengröe einen Anteil von Deppen. Egal ob man die Gelbwesten in Frankreich oder Friday for Future nimmt. Doch wenn, wie #Langstreckenluisa hier die Vorturner dieser Gruppen sich eben komplett anders zu ihren Forderungen verhalten, dann ist das eben schon ein Problem.

Und unter diesem Umstand ist nun doch interessant, das Thunberg von Europa mit dem Boot nach Amerika fährt. Natürlich ist es auch für Thunberg eine PR Veranstaltung, mehr nicht. Sie möchte auf den CO2 Ausstoss hinweisen. Doch eine solche Bootsfahrt ist keine Alternative für die Zukunft. Keiner der Politiker würde mit einer solchen Yacht über den Ozean zu einer Konferenz in die USA fahren. Womit sich diese Fahrt eben nicht als Lösung anbietet, sondern das Problem, das auch Oomen gefangen nimmt, hier aufzeigt. Das Problem, das man für jeden Furz über den Ozean reisen muss, für eine Klimakonferenz z. B.

Deshalb muss die Frage hier lauten, welchen Mehrwehrt bringt es, wenn eine 16-jährige hier zur Klimakonferenz fährt? Also welchen Mehrwert für diese Konferenz. Denn vielen der dort hingereisten Politikern geht es nur darum sich dann mit Thunberg ablichten zu lassen, damit sie durch solche Fotos zeigen können wie hipp sie doch sind. Sie könnte ihre Rede auch über Skype halten und müsste eben nicht über den Atlantik schippern. Nicht das wir uns falsch verstehen, die gleiche Frage stellt sich für alle Menschen, die auf dieser Konferenz sind. Warum muss Merkel, Macron oder sonst jemand auf dieser Konferenz sein? Sicherlich ist es wichtig sich von Zeit zu Zeit persönlich zu treffen, doch muss das nicht alle paar Tage zu jedem Gipfeltreffen sein.

Die Frage, die man sich hier stellen muss, ist somit eine komplett andere: Warum muss man solche Konferenzen abhalten, zu denen alle mittels Flugzeugs anreisen. Wenn diese Konferenzen beim Klima so wichtig sind, um dort Tonnenweise CO2 rauszuhauen, nur um vor Ort zu sein. Wie kann man so bei anderen Menschen solche Reisen kritisieren oder deren CO2 Bilanz? Dann muss man sich diese Frage bei jedem Manager stellen, der zu Statusmeetings von Hamburg nach München fliegt. Bei jedem Team das von Mumbai in die USA jettet, um dort ein Projekt durchzuführen. Bei jeder Konferenz, bei der Teilnehmer teilweise von weit hergeholt wird, nur um vor Ort einen Vortrag vom Blatt abzulesen.

Ich kenne viele Meetings oder Konferenzen, wo die Mitglieder teilweise von weit her anreisen, nur um dann verschlafen in der Konferenz zu sitzen, zu der sie so gut wie nichts beizutragen haben. Wir haben heute Videokonferenzen, Skype, wir haben Mails und papierlose Büros. Aber zu einer Konferenz in die USA, in der man sich stundenlang langweilt, um dann 15 Minuten einen Vortrag zu halten, dazu darf man stundenlang im Flieger sitzen?

Wer das Klima retten möchte, der muss neue Wege denken und gehen. Doch anscheinend ist es eben nicht hipp genug sich Zuhause vor einen Bildschirm zu setzen, um der Konferenz zu folgen, und abends in die Stammkneipe zu gehen. Wesentlich besser und wichtiger ist das Ganze in Tokio, New York oder sonst wo zu tun, um sich abends in das örtliche Nachtleben zu stürzen. Wären alle Konferenzen in Grönland, so wäre bei der 2. Konferenz mit Sicherheit nur noch die ½ der Teilnehmer da. Der Rest würde sich mit Sicherheit per Skype einwählen, wenn dieses angeboten würde. Nicht für jeden Furz, den man ablassen möchte über den Teich schippern, das wären neue Ansätze. Lernen Nein zu sagen und neue Wege gehen, das wären Dinge, die dem Klima mehr helfen würden wie PR Aktionen auf Luxusrennyachten, die sich im wirklichen Leben kaum jemand leisten kann und die Menschen die sich das leisten könnten nicht bereit sind.

Das alles ist natürlich nicht einer 16-jährigen anzulasten. Doch eine gut vernetzte Umweltbewegung, die in der Freizeit ganz hipp um die Welt jettet, und hier pro Jahr mehr CO2 verursacht wie der Durchschnittsbürger, trägt zu einer Spaltung der Gesellschaft bei.

Sie reden vom Ende der Welt, wir reden vom Ende des Monats, so sprach ein Mitglied der Gelbwesten in Frankreich über den Protest. So war z. B. eine der Forderungen der Gelbwesten, dass es keine weiteren Erhöhungen auf Mineralöle geben darf, da viele sich ein Leben in den Städten nicht mehr leisten können und es gerade diese Pendler trifft die eh schon jeden Monat knausern und knapsen müssen. Ebenso wie die Entprivatisierung der Gas- und Stromgesellschaften, um so die Energiepreise zu drücken. Doch auch hier würde in Deutschland eine Erhöhung auf die Menschen zukommen, wenn die Pläne der Grünen umgesetzt werden und es eine CO2 Steuer geben würde.

Nicht das die Gelbwesten das Problem des Klimas nicht auch erkannt haben. Sie haben Forderungen wie Schiene vor Straße in ihrem Programm oder fordern Programme zur Förderung von Wohnraumisolierung. Viele der Gelbwesten sind bereit auch für Umweltschutz Opfer in Kauf zu nehmen. Doch solange es unsere politische „Elite“ nicht nötig hat über ihr Verhalten nachzudenken und diese für die Urlaubsreise durch die Gegend jetten, solange wird es eine Spaltung der Gesellschaft geben. Die Reise unserer Politik geht immer weiter in Richtung einer Standesgesellschaft, in der es bestimmten Ständen erlaubt ist etwas zu tun, das man anderen bitte verbieten möchte.

Hier hat Greta Thunberg mit Katharina Schulze und Luise Neubauer genau zwei Personen mit einem Blattschuss ins Herz getroffen. Denn seit der Fahrt von Thunberg mit dem Zug zum Klimagipfel nach Davos gibt es auch in Deutschland den Begriff Flugscham. Und genau damit hat man diese beiden „Aktivistinnen“ Schulze und Neubauer nun konfrontiert, die sich beide in die Privatsache Urlaub retten, die keinen etwas angeht oder lieber „vom großen und ganzen“ reden wollen. Oder wie z. B. Neubauer lieber nebulös alte weiße Männern unter Beschuss nimmt, anstatt mal das eigene Verhalten zu hinterfragen. Eine Bewegung, die solche Führer hat, ist keine Bewegung aus der demokratischen Mitte, eine solche Bewegung ist einzig eine spalterische. Und das Ziel dieser Bewegung ist eher die Rückkehr in eine Standesgesellschaft, in der die Beteiligten lieber die Privilegien ihres Standes verteidigen, trotzdem in unteren Schichten einen Verzicht zum Wohle aller erzwingen wollen.

Wer glaubt die Grünen könnten eine sozialdemokratische Partei ersetzen, wie es gerade viele Journalisten ob der Wahlergebnisse der Grünen frohlockend vorhersagen, der sollte sich lieber fragen ob er sich genügend mit Politik beschäftigt hat. Grüne sind und bleiben eine Partei des gehobenen Mittelstandes, deren Privilegien sie genau so verteidigen wie die FDP ihr Klientel. Mit Links hat das nichts zu tun, mit Umweltschutz leider meist auch nichts. Wenn wir bis 2050 klimaneutral sein wollen, dann müssen wir andere Wege bestreiten wie die Grünen. Dann wird man nicht mehr über den Atlantik fliegen können.

Aber was weiß ich schon, ich bin alt und weiß.

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