Gerade findet im Iran ein Protest für Freiheit statt, die Freiheit, sich so zu kleiden wie man, bzw. in diesem Fall, wie Frau es möchte. Sollte sich dieser Protest soweit ausweiten, dass hieraus eine Revolution entsteht, so glaube ich, dass im Gegensatz zum arabischen Frühling, hier wirklich ein Systemchange in arabischen Ländern stattfinden kann. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Kampf um Freiheit eben wegen der Freiheit geführt wird, im Gegensatz zum arabischen Frühling, bei dem es vielen um wirtschaftliche Probleme ging. Dieser Protest, wenn er sich ausweiten könnte, hätte die Chance, einen weltweiten freiheitlichen Islam zu unterstützen.

Middle Eastern women burn their hijabs for #NoHijabDay

Doch im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen wir kritisieren, wenn Menschenrechte nicht eingehalten werden, scheint dieser Protest einiger mutiger Frauen hier in Europa niemanden zu interessieren. Dabei hat dieser Protest alles, was wir hier zu einer guten Story brauchen: Mutige Frauen, Feministinnen, die sich gegen die Kleiderordnung wehren und nicht nur das Kopftuch ablegen, sondern sich auch noch westlich kleiden. Es gibt sogar 29 Frauen, die eingesperrt wurden, wenn man dem Independent glaubt (leider habe ich nichts auf Deutsch gefunden). Menschen, in muslimischen Ländern, die sich von dummen Zwängen ihrer Religionsdiktatur befreien wollen und für Freiheit kämpfen. Menschen, die als Gegenbeweis zur dumpfen Muslimfeindlichkeit der AfD genutzt werden können.

Doch was macht Deutschland? Es schweigt. Die Regierung, die uns gerade kommissarisch verwaltet und dabei ist, sich um sich selbst zu drehen, kritisiert China und alle anderen Länder, hier hingegen schweigt man lieber. Doch selbst Menschen, die sich mit Frauenunterdrückung beschäftigen, halten lieber den Mund. Während man, wenn man in die argumentative Sackgasse gerät, gerne auf Frauen in anderen Ländern hinweist, hört man hier nichts. Hier gilt das Kopftuch als hippe Freizeitkleidung, die Frauen das Wahlrecht gibt sich so zu kleiden, wie sie es möchte. Es mutiert gerade sogar zum Werbemittel, z. B. bei Katjes.

Leila Hatami, iranische Schauspielerin (Nader und Simin – eine Trennung), die immer wieder durch ihre offene Art das Kopftuch zu tragen, aufgefallen ist, wurde noch 2014 im Iran gemaßregelt, weil sie in Cannes mit dem französischen Filmkritiker Gilles Jacob den dort üblichen Begrüßungskuss vollzogen hat.

Jochen Bittner schreibt in der Zeit, dass es im Iran nicht bloß um ein Stück Stoff geht, sondern darum, dass es nur das Symbol für die dortige Unterdrückung der Frau ist. Es fehlt Frauen an gleichen Rechten bei Erb-, Scheidung- und Kindererziehung und schließt mit einer Verwunderung, die er an Feministinnen richtet:

„Zum Beispiel auch über einige prominente Frauen in Deutschland, die sich Feministinnen nennen, deren Twitter-Kanäle zu den Protesten im Iran aber auffällig schweigen. Auf die Frage, warum das so sei, sagte eine, sie greife das Thema vielleicht noch auf. Eine andere ließ ausrichten, sie habe für eine Antwort keine Zeit.“

Bittner nennt im Artikel keine Namen, es könnte alle Feministinnen sein, die zur dritten Welle gehören. Von den meisten habe ich nichts gelesen. Auf Twitter wird Bittner dann konkreter und nennt die Accounts von Margarete Stokowski (Spiegel) und Teresa Bücker (Edition F), die sich sofort beschweren, aber es nicht einmal in diesen Tweets schaffen sich zu den Protesten zu äußern. Keine Zeit, evtl. schreiben wir noch was… Anders ausgedrückt, die Starfeministinnen haben keine Zeit maximal 280 Zeichen Solidaritätsbekundung in Twitter einzutippen, das ist die grausame Realität der durch das Patriarchat in Deutschland unterdrückten Frauen.

Hingegen äußert sich die Muslima, Kopftuchträgerin und Feministin Dudu Kücükgol, die, glaubt man dem User Spinoza, sofort von Frau Bücker retweetet wurde. Frau Kücükgol findet,

„[d]ass diese Frauen jetzt in Europa ikonisiert werden, steht in kolonialer Tradition und gerade deshalb finde ich das so befremdlich. Es ist keine ehrliche Solidarisierung und kein wahrer Einsatz für Freiheit. Es geht nur um die Freude darüber, dass die Frauen dort das tun, was man hier für richtig hält.“

Nun wird hier sicherlich keiner bestreiten können, dass es am Islam, auch hier in Europa, doch so einiges kritisieren kann. Vor allem, wenn Frauen im Iran für ihre Freiheit protestieren und hier sofort auf ein paar Hansel hingewiesen wird, die sich mit der Freiheit solidarisieren, deren Leumund jedoch nicht zweifelsfrei von vier feministischen Zeuginnen belegt ist, ähnlich wie es die Sharia fordert. Das hier Frau Kücükgol das Thema Frauen- und Freiheitsrechte im Iran geschickt umlenkt (in feministischen Kreisen Derailing genannt), um auf ihre eigene Agenda, Muslimfeindlichkeit, aufmerksam zu machen, spielt die Interviewerin hier ohne weiteres mit.

Dabei sagt sie selber:

„Ich finde es extrem unverschämt, zu fordern, dass wir Frauen mit Kopftuch die ersten sein müssen, die etwas gegen ein Gebot sagen. Als müssten wir etwas klarstellen, was sonst ungeklärt im Raum stünde.“

Was nun niedlich ist, den nun fordert sie selbst für sich, dass man Ihr doch bitte nichts unterstellt, nachdem sie selber anderen etwas unterstellt und fordert das Menschen die sich mit den Protesten im Iran solidarisieren doch bitte erst mal von kolonialen Sichtweisen befreien. Und ihre Logik ihr doch bitte nichts zu unterstellen ist, das Musliminnen niemals Kopftuchgebote gefordert hätten. Gerade so als ob im Iran nicht weibliche Religionswächterinnen rumrennen und gerade so, als ob es in Deutschland nicht Muslime gibt, die wie die wuppertaler Scharia-Polizei, anderen Ihren Glauben aufzwingen wollen. Wie können Menschen nur darauf kommen das es nicht auch unter Muslimen Menschen gibt die gegen unsere freiheitliche Grundordnung sind?

Ich selbst habe übrigens auch nie gefordert das Frauen das Kopftuch ablegen müssen, auch wenn ich Kopftuchtragen an sich ablehne. Aber bitte, jeder, auch Frau Kücükgol hat das Recht sich öffentlich zum Narren zu machen. Nicht wegen dem Kopftuch, sondern weil sie anderen vorwirft was sie selbst ganz locker selber macht. Übrigens ist Frau Kücükgol auch noch Mitinitiatorin von #ausnahmslos, also der Initiative bei der es darum ging die Taten von Köln auf alle Männer umzumünzen. Fragt sich wirklich noch jemand warum Bücker und Stockowski sich lieber zurückhalten, wenn sie riskieren sofort vom Störfeuer anderer Feministinnen angegangen zu werden?

Stattdessen gibt es ja in Deutschland noch so viel zu tun. Da gibt es z. B. einen Koalitionsvertrag der sich in 9759 Zeichen mit den Problemen von Frauen beschäftigt, während die Probleme von Menschen die in Schulen benachteiligt werden, die 5 Mal öfter Selbstmord begehen oder 6 Jahre früher sterben mit so viel Text abgespeist werden, das man dies in einen Tweet packen kann. Oder darüber das eine Partei in Deutschland, in der über genau diesen Koalitionsvertrag abgestimmt wird, 68% Männer und nur 32% Frauen abstimmen, während die gleiche Quote im Bundestag doch bitte als ganz schlimme Frauenunterdrückung wahrgenommen werden muss, weil sonst die Stimme der Frauen nicht gehört wird.

Anders ausgedrückt, der Eurofeminismus ist nur noch etwas für Menschen, die sich einen Dreck um Menschenrechte von anderen, auch von Frauen, kümmern, sondern nur noch um sich selbst und ihre eingebildete Opferhaltung drehen. Deshalb haben die armen Feministinnen keine Zeit wenn es dann doch endlich mal einen richtigen Feminismus gibt…

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