Ihr Multikulti ist großer Mist, Herr Kuzmany!

Der Spiegelkolumnist Kuzmany schreibt über Multikulti und Freibäder, das gleich zweimal. In der Kolumne „Wem gehört das Freibad?" geht es um den Mailverkehr zwischen einem Herrn Krause und Herrn Kuzmany, der Aufgrund der ersten Kolumne, „Hineinschubsen erlaubt“, ausgetauscht wurde. In dieser Kolumne feiert Kuzmany seinen Besuch im Bad mit „Im Berliner Columbiabad ist die multikulturelle Zukunft Deutschlands bereits Gegenwart“.

In „hineinschubsen erlaubt“ schreibt Kuzmany über einen Besuch im „wildesten Freibad“ von Berlin. Er liegt auf der Liegewiese, wo jugendliche Fußball spielen, und er bemerkt nicht, dass er mitten auf dem imaginären Spielfeld liegt, bzw. erst dann, als er einen Ball an den Kopf bekommt. Natürlich ist Ballspielen verboten. Kuzmany bleibt natürlich liegen und irgendwie spielen alle um ihn herum. Und auch sonst muss es dort toll zugehen, wenn man liest, dass er sich nicht auf sein Buch konzentrieren kann, „auch weil die Durchsagen jetzt im Minutentakt kommen: Das Hineinspringen von den Längsseiten sei verboten. Das Hineinschubsen ebenso. Das Baden in Straßenkleidung sei untersagt. Man solle doch bitte denjenigen Platz machen, die tatsächlich schwimmen wollen. Das Kinderbecken sei für Kinder, Leute! Und noch mal: das Hineinspringen von den Seiten. Es hat keinen Sinn, niemand hält sich daran.“

Was nun solch ein Verhalten mit Multikulti zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Autors. Ebenso warum ein Verbot das nicht durchgesetzt wird nun automatisch zu einer Erlaubnis führt, wie im Titel suggeriert. Ich kenne viele Menschen verschiedener Kulturen, und keiner von denen würde nun als Bestandteil seiner Kultur ansehen, nicht den Anweisungen des Aufsichtspersonals zu folgen. Nicht das wir uns falsch verstehen, auch ich habe als Kind diese Regeln nicht immer befolgt, oder im Eifer des Gefechtes überhört. Damals gab es eine klare Regel: der Aufforderung des Bademeisters nicht Folge leisten, 2 bis 4 Wochen Badeverbot, das half. Nicht das ich was gegen Fußball habe, solange man Rücksicht nimmt. Ist das Bad voll und kein Platz, dann kein Fußball, sonst würde ich mich auf ne freie Fläche zurückziehen.

Anscheinend können aber elementare Regeln im Colubiabad in Berlin nicht durchgesetzt werden, worüber sich nun Herr Krause aufregt. Daraufhin entwickelt sich ein sehr interessanter Mailverkehr zwischen Journalist und Leser. Wobei Kuzmany hier immer wieder von Toleranz und Gelassenheit spricht. Es würde ihn zwar auch Ärgern, wenn Menschen ihm die Vorfahrt nehmen, „erstens, weil's gefährlich ist und zweitens wegen der Unverschämtheit. Meine Kolumne handelt aber von einem Besuch im wilden Freibad um die Ecke, bei dem ich zur Abwechslung mal gelassen bleibe.“

Nun schreibt Krause einen sehr interessanten Absatz:

„…Wenn die sich nicht an die Regeln halten, dann müssen die sich eben einen anderen Platz zum Baden suchen. Nicht ich. Nicht Sie. Die.

Was Sie romantisch "das wilde Freibad" nennen, ist ein grenzwertig rechtsfreier Raum, in dem das Faust- und Messerrecht desjenigen gilt, der die niedrigste Hemmschwelle zur Gewaltanwendung zeigt. In Ihrer Schilderung haben auch nicht Sie DIE toleriert. Die haben SIE toleriert. Toleranz hat eine Hierarchie. Tolerieren kann man nur aus der Position der Macht heraus…“

Und damit klärt hier der Leser den Journalisten auf. Doch der Journalist kontert:

„Zu (…) Situation im Freibad, (…) kann ich nur noch berichten, dass es mir herzlich egal ist, wer da wen toleriert und in welcher Hierarchie wir uns befinden - schon allein, weil ich selbstverständlich wesentlich privilegierter bin als die Fußballjungs (ganz sicher mehr Einkommen, höchstwahrscheinlich bessere Bildung, garantiert bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt etc.), da muss ich mir oder denen nichts beweisen, nach der Aufsicht rufen oder das Freibad verklagen. Ich sehe mich auf der Liegewiese nicht in einem Kampf ums Territorium. Und selbstverständlich war ich dort in Sicherheit, das war eben keine bedrohliche, aufgeladene Situation, sondern eher skurril. Es gibt im Columbiabad im Übrigen weder Probleme mit Messern (da wird bei entsprechend verdächtigen Kandidaten die Tasche kontrolliert, von einem migrantischen Sicherheitsdienst übrigens, der seinen Job sehr gründlich erledigt) noch mit sexuellen Übergriffen (denn dafür sind zu viele anständige Leute aller möglicher Herkunft da, die keinen damit durchkommen lassen würden).”

Und nun wird es interessant, weil Kuzmany in einer privilegierten Situation ist, ist das alles kein Problem, er muss sich nichts beweisen. Notfalls reicht sein Einkommen für einen Mietwagen, natürlich elektrisch, mit dem er mit den Kindern ins nächste Spaßbad tuckert, welches ganz ohne Security funktioniert, weil es dort eher weniger Jugendliche aus den Problemvierteln gibt. Und deshalb weniger Multikulti. Was noch interessant ist, in der Ausgangskolumne schreibt Kuzmany lapidar, „man müsse halt auf Jugendliche aufpassen, die einem nämlich sonst vom Rand ins Genick springen könnten oder plötzlich von unten in die Weichteile tauchen".

Nun ist das Auftauchen in die Weichteile natürlich schmerzhaft, aber eher ungefährlich, nicht jedoch das unkontrollierte Springen vom Beckenrand. Denn auch ein privilegiertes Journalistengenick kann bei einem solchen unkontrollierten Sprung brechen, weshalb das Springen vom Beckenrand (und das angeblich erlaubte Hineinschubsen) bei vollen Bädern eben nicht erlaubt, sondern verboten ist. Man ahnt auch warum dies nicht durchgesetzt wird, denn auf Regeln bestehen ist „vielleicht keine ganz so gute Idee, sonst stehe ich schnell da wie der 53-Jährige am Wochenende im Düsseldorfer Rheinbad, der sich beschwert hatte und dann feststellen musste, dass 400 Leute nicht seiner Ansicht waren“, schreibt Kuzmany.

Was Kuzmany hier in unsere Phantasie malen möchte, hat mit Multikulti wenig zu tun. Es soll ein irgendwie linker Text sein, ein Text der für Verständigung wirbt. Doch dieser Text zeigt nicht Multikulti, er zeigt Multisozial, meist Asozial, denn das Freibad liegt in einem Berliner Problemviertel. Ich war als Kind in einer Schulklasse, in der viele Kinder aus einem sozialen Brennpunkt waren. Die Probleme ähnelten denen im Freibad sehr, egal ob die Kinder nun deutsche oder türkische Eltern hatten.

Multikulti ist hingegen etwas ganz anderes. Ich bade täglich in mehreren Kulturen, nicht im Freibad, aber in meinem Umfeld. Ich arbeite gerade in einem großen Unternehmen in Frankreich. Ich habe in meinem Projektteam eine Algerierin, die seit einem Jahr in Paris lebt und ihr Praktikum für das Studium macht, eine Französin mit Franzosennamen, einen Mitarbeiter mit chinesischen Wurzeln, zwei mit schwarzafrikanischen (beide Franzosen) und eine Französin mit Nafri Namen. Zusätzlich habe ich noch ein Offshoreteam in Casablanca, alles Nafris. Alle, bis auf meine Wenigkeit, sind französische Muttersprachler, trotzdem hat jeder Kulturkreis seine Eigenarten. Ich verdeutliche das immer mit einer Einladung zum Abendessen. Würde ich alle Teammitglieder zu 7 Uhr zum Essen einladen, käme die verschiedenen Teammitglieder zu anderen Zeiten. Ich pünktlich um 7 Uhr, das Casablanca-Team würde erst zwischen 8 und 8.30 eintrudeln, meine Kontinentalfranzosen um 7.30 Uhr. Wäre meine Französin aus Marseille, wäre sie schon wieder näher an der Casablanca-Zeit. Und würde ich alle Teammitglieder fragen, was sie davon halten die Anweisungen des Bademeisters nicht zu befolgen, würden mir alle sagen, GARNICHTS!

Was Kuzmany uns hier als Multikulti verkauft ist ein Problem in sozialen Brennpunkten, und dabei ist egal woher die Eltern der Kinder stammen. In den Vorstadtzügen von Paris stinkt es nach Zigarettenrauch und Drogen, jeder hat Angst was zu sagen, alle stört es. Muss man halt durch, ist Multikulti. In Berlin geht jeder 6. Jugendliche mit muslimischem Migrationtshintergrund ohne Schulabschluss ab, alles halb so wild, haben wir halt mehr Zuhälter und Drogendealer, Multikulti halt, müssen wir durch. Ein wenig mehr Toleranz bitte! Das zumindest suggeriert der Text, und das ist Quatsch!

Wir sollten nicht alles unter Multikulti verbuchen, endlich die Verantwortlichen nennen, wie z. B. die Berliner Schulbehörde, die eben keine Lösungen anbieten kann oder will, Probleme nicht anspricht etc. In Frankreich schaffen es die Schulen Kinder, egal welcher Herkunft, mit vernünftigen Sprachkenntnissen in französisch von der Schule abgehen zu lassen. Auch Migrantenkinder haben eine Chance auf gute Abschlüsse. In Großunternehmen sind viele Migranten, bei der Firma wo ich arbeite ca. 40%, in gehobenen Positionen, wo es einen Studienabschluss braucht. Hier wird Multikulti gelebt, im Gegensatz zu Kuzmanys Beschreibung von Verfallserscheinungen einer Kultur, die er mit dem Wort Multikulti rosarot anmalt.

Dieses französische Multikulti, das auch Migranten eine Aufstiegschance gibt, ist jedoch inexistent in Deutschland. Vor allem in Bundesländern, die eine Rote und Grüne Regierung haben. Negativbeispiel der Republik ist und bleibt Berlin. Die meisten Schulabbrecher mit Migrationshintergrund gibt es hier zu bewundern und die Zahlen steigen unaufhörlich. Ehe einer was sagt, das ist nicht Multikulti, das ist nicht rassistisch, das sind die Auswirkungen von einem kompletten Versagen der Linken in Deutschland.

In Frankreich schaffen laut Pisa Studie mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten den Aufstieg im Schulsystem, und in Deutschland hängt Bildung immer noch stark vom Elternhaus ab. So können Eltern aus der Mittelschicht durch Nachhilfe die Bildungslücken der Kinder ausgleichen, während gerade Kinder aus unteren Schichten, und Kinder ohne deutschsprechendes Elternhaus hier kaum Chancen haben. Und auch das ist natürlich nicht Multikulti, das ist Asozial! Und um hier klar einen Schuldigen zu benennen, diese Asis sind z. B. in der Berliner Senatsregierung!

Während wir unsere Republik gerade kaputtsparen und eine heilige schwarze Null anbeten, streichen Eltern selber die Wände in den Schulen und bezahlen die dafür nötige Farbe selber. Genau diese Eltern gleichen die Probleme aus, die durch das Schreiben nach Gehör entstehen. Auch da wieder so ein Quatsch der an Schulen eingeführt und nun klammheimlich zurückgenommen wurde. In Frankreich gibt es ab dem dritten Lebensjahr eine kostenlose Vorschule, hier wird französisch gesprochen, nur französisch. In Deutschland kämen die ersten Multikultijünger sofort wieder mit, Diskriminierung. Nein, ist es nicht! Das Kinder in Deutschland nicht richtig Deutsch sprechen können, wenn sie auf die Schule kommen, dass ist Diskriminierung!

In Deutschland hängt Bildung immer noch stark vom Elternhaus und von Vorurteilen ab. So schreibt das BMFSFJ in einem Bericht:

„War vor einigen Jahrzehnten noch die Arbeitertochter der bildungspolitische "Problemfall", so werden heute Jungen, insbesondere Migrantensöhne, strukturell benachteiligt (Geißler, 2008). Selbst bei gleichen Leistungen hat die soziale Herkunft einen Effekt auf die Bildungskarriere.“

Oder auch:

„Entsprechend sind Jugendliche mit Migrationsgeschichte, insbesondere Jungen muslimischer Herkunft, an Gymnasien und Realschulen deutlich unterrepräsentiert, während sie an den Haupt- und Sonderschulen überproportional stark vertreten sind.“

Was nun schon einmal gut und schön ist, doch ist trotz des Berichtes von immerhin 2010 (!) bisher nichts geschehen. Nichts, ach Quark, die Senatorin für Gleichstellungsquatsch und Realitätsverweigerung hat Beratungsangebote für Weiterbildung für Frauen, sogenannte BildungsBeratungsEinrichtungen (FBBE) geschaffen.

Und so gibt es zum Teil (sicher mit üppiger Senatsförderung) viele Angebote in diese Richtung:

https://www.kobra-berlin.de/

https://www.frauenzukunft-ev.de/

https://www.ber-it.de/

https://rundertisch.lfr-berlin.de/project/arbeit-bildung/

https://www.hwk-berlin.de/betriebsfuehrung/personal/frauenfoerderung/

https://www.iwwb.de/beratungsstellen.php?Beratungsthemen=Speziell%20f%FCr%20Frauen&sort=p

etc. etc. etc.

Etwas vergleichbares für Migrantenjungen sucht man natürlich vergebens. Egal, sind doch nur Kaffer, und auch noch Jungen!

Und Kuzmany tut alles, damit dieser Skandal, bzw. dessen Auswirkungen, als Multikulti verkauft wird. Ich selbst wohnte in einer sehr guten Gegend, doch nicht weit weg von einem Vorort, in dem auch Jugendkravalle waren. Dort gibt es auch ein Schwimmbad, auch eine Liegewiese und über 50% Nafris, Afrikaner etc. Komischerweise habe ich dort noch nie einen Sicherheitsdienst gesehen, kaum Sprünge vom Beckenrand, hier scheinen andere Einwandererkulturen zu leben wie in Berlin. Auch in keinem anderen Bad in Frankreich, weder in Murreaux oder Trappes, die man zu den Problemstädten zählt, noch in Versaille, wo eher die reicheren Franzosen wohnen.

Trotzdem gibt es natürlich auch in Frankreich Probleme, in viele Schulen werden Millionen gepumpt, die verpuffen. Es gibt abgehängte Stadtviertel, in denen Menschen sich aufgegeben haben. Hier werden jetzt Programme aufgelegt, die diese Menschen auf weitreichendere Gebiete verteilen. In Berlin gibt es dafür aber gottseidank FrauenBildungsBeratung, obwohl Frauen Männer heute auf dem Arbeitsmarkt abgehängt haben. Besonders betroffen, Männer mit Migrationshintergrund, oder wie wahrscheinlich Mitglieder des Berliner Senats sagen würden, Kaffer!

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