Machtgeilheit gegen Prinzipien oder der Wolf im Schafspelz

Wir werden gerade Zeugen der nächsten Mutation der extremen Rechten in Frankreich. Nachdem sich Marine Le Peng bereits von den strafrechtlichen, rassistischen und antisemitischen Positionen ihres Vaters distanziert hat, konnte man im Wahlkampf einen weiteren Linksruck der Partei sehen. So waren der Euroausstieg und ihr Antieuropakurs, die Grundpfeiler ihrer nationalen Politik, immer mehr Verhandlungsbasis. Auch das sie versuchte bereits im normalkonservativem Lager um Unterstützung zu werben, war ein Zeichen dafür das Le Peng einfach nur Präsidentin sein möchte, egal mit welchen Themen.

Und nun vollzieht sich was man bereits angenommen hat, durch die Ankündigung zur Parteierneuerung und –reform, die zweite seit Le Peng die Partei übernommen hat, wird der rechte Rand heimatlos. Mit der ersten Reform entmachtete Le Peng ihren Vater, mit dem sie sogar vor Gericht um seinen Parteiausschluss stritt. Nun sind weitere Hardliner in der Partei dran. Gerade hat ihre Nichte Marion Maréchal-Le Peng angekündigt eine politische Auszeit zu nehmen. Wer hier an eine freiwillige Pause glaubt, der glaubt auch an Chemtrails.

1st of May 2014 in Paris/ 1er Mai 2014 a Paris / Marion Maréchal-Le Pen

Sehr warscheinlich wird Maréchal-Le Peng versuchen den rechten Rand hinter sich zu bringen und eine neue „Bewegung“ zu formieren. Bei der Neugestaltung der Fron National werden mit Sicherheit harte Machtkämpfe ausgetragen, bei denen sich Mitglieder eine neue Heimat suchen müssen. Diese wird Maréchal-Le Peng anführen wollen und werden. In wie weit dieser „Linksruck“ ins bürgerliche Lager sich für die alt FN auszahlt bleibt noch offen. Das Marine und ihre FN, egal wie sich die Partei dann nennt, geläutert hat und z. B. Themen wie dem Euroausstieg oder Änderung der Verfassung zugunsten von Franzosen wirklich von ihrer Agenda gestrichen hat, bleibt ebenso offen.

Für Marion Maréchal-Le Peng, das Postergirl der Bewegung, wird es sich mit Sicherheit auszahlen. Sie hat durch Ihren „Rücktritt“ die Frontlinie gezogen wenn sie davon spricht „dass es auch freie und unabhängige Abgeordnete gibt, die sich nicht um jeden Preis an ihren Status und ihre Aufwandsentschädigungen klammern“. Dies kann als Kampfansage an ihre Tante verstanden werden. So hätte sie auch schreiben können „Lieber Tod als Rot“ und versucht nun das „neue unabhängige und unbeugsame Frankreich“, also die rechten Spackos die nicht mit den bürgerlich konservativen kuscheln wollen, zu vertreten.

Wie lange dieser Streit anhält, ob er bei einer erneuten Präsidentschaftsdandidatur und einem Erreichen des zweiten Wahlgangs einer der beiden Le Pengs beigelegt wird um die Präsidentschaft zu erlagen, das alles ist offen. Doch eines ist sicher, Marine Le Peng ist genau so wenig geläutert wie andere Politiker die aus reinem Machtinteresse eine Rochade in die politische Mitte vollziehen. Und auch Marion Maréchal-Le Peng ist ein Wolf im Schafspelz, bereit jederzeit jeden zu vernichten der nicht in ihr Konzept von einem „neuen Frankreich“ entspricht.

Eine Hymne hätte diese neue Bewegung unter Marion Maréchal-Le Peng bereits, „Maréchal, nous voila!“ Die Hymne des Vichy Regimes, des „freien“ Frankreich, der französischen Marionettenregierung unter den Nazis. Denn sie steht ihrem antisemitischen Großvater Jean-Marie Le Peng näher wie ihre Tante, die dieser bei der Präsidentschaftswahl unterstützte, deren Verhältnis aber sonst eher distanziert ist...

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wadlbeisserin

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Silvia Jelincic

Silvia Jelincic bewertete diesen Eintrag 10.05.2017 23:10:48

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