Mit oder ohne Hosen? Egal, immer eine riesen Gaudi

Als Golfer wird man immer wieder gefragt was einem an dieser Beschäftigung, die die wenigsten als Sport ansehen, denn so fasziniert. Nun gibt es viele Sportarten, bei denen sich Nichtsportler fragen, was einen daran fasziniert. Mein Kollege, er spielt Tennis, findet Fußball gucken einfach Gaga, 22 Leute, ein Ball und kaum Aktion. Diese Aussage von jemandem der einfach einen Ball von links nach rechts schlägt. Die Nachbarn meiner Eltern, sie besitzen diverse Pferde, schauen sich nicht nur Springreiten, sondern auch Dressur an. Ja, Dressur, wo so einarmer Hottemax wie ein Ballettpferd rumhüpfen muss, und sowas schaut man sich dort im Fernsehen an! Es gibt Franzosen, die sehen alle Etappen der Tour de France, welche die fahren sogar hinter der Tour her. Es gibt Boule, Dart und andere Spielarten, wo man ähnliches Fragen kann. Ok, ich habe auch schon Marathon geschaut, als Helfer an einem Verpflegungsstand. Somit scheint es, dass es an vielen Sportarten eben doch eine Faszination geben muss, die Außenstehende nicht verstehen. Und selbst beim Boule oder Curling gibt es ein gewisses Taktikelement, das die meisten dieser Sportarten interessant macht. Und ernsthaft, es ist schon interessant zu sehen mit welcher Präzision dort gespielt wird. Doch zurück zum Golf.

Unser Hausplatz, einen Ball kann man rechts erkennen, der andere liegt im Bunker

Golf wird immer als Sport der Eliten angesehen. Klar, Golf kostet Geld. Beim Satz Anfängerschläger ist schnell mit 120,- € dabei, ein guter Schlägersatz kosten dann ab 500,- € aufwärts. Wer es mag, der kann auch handgeschmiedete Schläger nutzen. Das war es dann aber auch, man benötigt evtl. noch einen Golfwagen und ein paar Kleinigkeiten. Zum Spielen reichen normale Schuhe und Oberbekleidung, die den Clubregeln entspricht. Meist ein Poloshirt und eine Stoffhose. Eine Klubmitgliedschaft geht bei 80,- Euro los, dafür darf man aber auch so oft auf den Platz wie man möchte. Ja, es ist immer noch teuer, auch wenn man für Familien Ermäßigung erhält.

Grosse und kleine Kinder die im Sand spielen

Sicherlich gibt es noch den Snob Status, und es gibt immer noch einige Clubs, die sich als Eliteclub verstehen. Es ist aber nicht mehr unbedingt ein Ausdruck zur oberen Mittelschicht zu gehören. Was fasziniert denn sonst am Golf, wenn es nicht ein Status ist, den man zeigen muss, wenn Menschen dort ihre Zeit verbringen. Lee Trevino sagte einmal „Golf ist der größte Spaß, den man mit angezogenen Hosen haben kann!“ Trevino ist Kind mexikanischer Einwanderer in den USA. Er bekam von seinem Onkel einen rostigen Schläger und ein paar Golfbälle geschenkt, ab da an verbrachte der Junge viel Zeit auf den angrenzenden Plätzen, ab 8 wurde er Caddy. Er brachte sich seinen Golfschwung selbst bei, der natürlich unsauber war. Als Caddy durfte er die Übungsplätze nutzen, später ging er zur Marine und spielte viel mit den Offizieren. Danach ging seine Karriere steil nach oben, unter anderem spielte er sechs Mal beim Ryder Cup, wo er 17 Siege, 6 Remis und 7 Niederlagen vorweisen kann.

Das verfluchte 13te Loch, aber die Hosen bleiben an

Was fasziniert also so am Golf? Severiano (auch Seve) Ballesteros, ein anderer Pro-Golfer, übrigens auch Kind einfacher Landarbeiter, diesmal aus Spanien, der auch mit nur einem ausgedienten Schläger anfing, sagte mal, „Ich wünschte, die Fairways wären schmäler angelegt. Dann müssten alle aus dem Rough spielen – nicht bloß ich.“ Das Fairway ist der Bereich eines Platzes, auf dem das Gras besonders kurz ist, das Rough hat langes Gras, weit ab vom Green und damit dem Loch und ist schwer zu spielen. Legendär sein Spiel bei den British Open, wo er bei 4 Runden nur 8 Mal das Fairway von einem Abschlag traf. Der Platz Royal Lytham ist jedoch auch für seine schmalen Faiway bekannt. Nicht erwähnen braucht man das der Parkplatzchapion, einen Ball verzog er um 25 Meter auf einen für die TV Teams angelegten Parkplatz, das Turnier gewonnen hat. Lange gerade Bälle mit dem Driver waren nie sein Ding. Übrigens ein Grund warum ich ihn so bewundere, wäre er nicht an Krebs gestorben, so wären wir Brüder im Spiel. Zumindest mit dem Driver, denn alles andere beherrschte er perfekt und konnte sich aus schwierigsten Situationen mit grandiosen Schlägen befreien.

Seve und der Parkplatz

Ballesteros gehörte zur Generation der „Big Five“, der 5 legendären Golfer aus Europa. Alle Big Five wurden innerhalb von 12 Monaten geboren, alle gewannen mindestens ein Major und machten Europa konkurrenzfähig für den Ryder Cup. Ein anderer der Big Five ist Bernhard Langner, auch er aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater war Maurer. Auch Langer startete als Caddy um sein Taschengeld aufzubessern und bekam eines Tages Schläger geschenkt, den Rest kennen wir. Langer, der einen sicheren Ryder Cup Putt aus zwei Metern vor dem Loch vergeigt hat und Europa den Sieg kostete, hat ein anderes Problem. Langer hat Yips, ein Phänomen an dem besonders Golfer leiden. Es ist ein Muskelzucken, das beim Putten auftritt und der Spieler dadurch den Putt verzieht. Im Gegensatz zum Driver, der einer der Schläger ist die man am wenigsten Braucht, ist der Putter der Schläger, der am häufigsten genutzt wird. Trotzdem ist Langner in der World Golf Hall of Fame.

Nach der Trockenheit sind viele Plätze arg angegriffen

Doch was möchte ich sagen, das fragen sich jetzt sicherlich einige. Die Frage ist immer noch was macht Golf aus? Franz Beckenbauer sagte einmal, es gibt nichts schöneres wie einen Ball 250 Meter weit zu schlagen. Hierzu brauchte auch Beckenbauer einen Driver, also den Schläger den Ballesteros nie beherrschte, und trotzdem herausragend spielte. Und damit sind wir auch schon mitten drin bei der Antwort zu Frage was am Golf so fasziniert, denn so sagt eine Weisheit beim Golf, dass man leicht herausfinden kann ob einem Golf gefällt. Man soll einfach auf der Driving Range, also dem Übungsgelände für lange Bälle, ein paar lange Bälle spielen. Wenn man dann nach einiger Zeit einen Ball richtig gut trifft, und sich darüber NICHT freuen kann, dann soll man die Finger vom Golf lassen, denn die guten Momente im Golf sind selten. Und nein, dabei hat auch niemand an Ballesteros gedacht, das gilt für alle Golfer. Doch auch so bin ich zum Golf gekommen, einmal mit einem Kollegen, der Mittags gratis Golfstunden für Kollegen gab, mitgegangen und süchtig geworden, süchtig nach dem perfekten Ball der, zu dieser Zeit noch mit einem 5er Eisen, nach 120 Metern auf einem grünen Kreis landet, dem Putting Green. Ich nenne es die Sucht nach Perfektion.

Ich bin Dein Vater und der Tieger

Doch auch sonst ist Golf ein schöner Sport, denn ich so regelmäßig spiele wegen meinem Sohn. Er hat ADHS, also eine Konzentrationsschwäche. Hier ist Golf ideal, er hat Bewegung und muss sich konzentrieren. Wir sind viel draußen, verbringen viel gemeinsame Zeit und der stärkere Spieler kann sich einfach dem Spiel des schwächeren anpassen in dem er auf der Runde mit den Schlägern spielt, die er nicht so gut beherrscht. Man trifft am Sonntag viele Familien, die eine Runde spielen oder einfach nur Abschläge oder Putten üben. Es ist einfach eine tolle Zeit die man gemeinsam nutz und verbringt.

Sogar Ryder Cup Wine gibt es :D

Mein Sohn fing übrigens mit dem sammeln von Bällen, die außerhalb des Platzes geschlagen wurden, mit dem Golf an. So hatten wir eines Tages 8 10L Eimer Übungsbälle und 2 Eimer richtige Golfbälle, die auf ihren Einsatz warteten. Und auch heute noch freuen wir uns über jede Golfrunde bei der wir mehr Bälle mit nach Hause nehmen, auch wenn mal wieder einer im Rough oder Wasser verlorengegangen ist. Denn auch das ist Golf, der Versuch seine Unperfektion auszugleichen und ein gutes Spiel zu machen.

Hat ein Platz nun 18 oder 19 Löcher? Hier im 19ten Loch

Golf kann man heute überall spielen, es gibt das Street- oder Urban Golf, bei dem man einen Ball und einen Schläger braucht. Ziel ist es den Ball auf einem nicht von Menschen benutzten Gebiet zu einem bestimmten Bereich zu spielen. Auch das haben wir immer wieder hinterm Haus auf dem Feld gespielt. Auch sonst sind die Plätze offener geworden und haben ihr Snob-Image abgelegt. Und selbst Lee Trevino könnte heute Golf auch zum größten Spaß erheben, den man ohne Hosen haben kann, denn es gibt bereits erste FKK Golfplätze. Trotzdem hat Golf nichts von seinem Charme eingebüßt, die Suche nach dem perfekten Schlag und der Versuch trotzdem ein passables Spiel hinzulegen. Womit nun hoffentlich klar ist,

Und auch ein lecker Mittagessen gibt es

beim Golf geht es nicht um Leben und Tod – es geht um mehr.

Leider ist die Bildqually nicht so toll, IPhone und nicht Spiegelreflex :(

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