Die Frankfurter Hauptschule, ein angebliches Künstlerkollektiv, hat das Gartenhäuschen in Weimar mit Klopapier beworfen, als Protest gegen die Vergewaltigungslyrik des Künstlers. Goethes Werk strotze vor "erotischen Hierarchien zu Ungusten seiner Frauenfiguren", ist ihre Aussage. Klopapier wurde hier benutzt, weil man sich damit den Arsch abwischt. Wie originell! Und der Name Frankfurter Hauptschule wurde gewählt, weil „der Name 'Frankfurter Hauptschule' eröffnet ja dieses Spannungsfeld zwischen prolliger Hauptschule und der intellektuellen Frankfurter Schule.“

So muss ich als ehemaliger Hauptschüler und immer noch Proll hier mal die Ehre der Hauptschule hochhalten, denn natürlich ist dieses Künstlerkollektiv, das hier eine Aktion durchführt die vom Niveau nicht mal bei einem Abi-Streich gemacht wird, nicht prollig, sondern dumm.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das „Heideröslein“ von Goethe. Triggerwarnung (gehört ja heute zum guten Ton), ich werde jetzt hier Vergewaltigungslyrik posten und besprechen. Frankfurter Hauptschüler bitte nicht weiterlesen, ihr könntet was lernen!

Kritisiert wird die letzte Strophe des Gedichtes:

Und der wilde Knabe brach

’s Röslein auf der Heiden;

Röslein wehrte sich und stach,

Half ihm doch kein Weh und Ach,

Mußt’ es eben leiden.

Röslein, Röslein, Röslein roth,

Röslein auf der Heiden.

Hier stehen, so die „Künstler“, Röslein für ein Mädchen, und brechen für ficken (ups, sorry mein prolliger Hauptschülerslang). Was will man nun auch von Menschen erwarten, die Klopapier mit Scheiße assoziieren? Kann man so sehen, muss man aber nicht. Denn natürlich hat das Gedicht mehrere Strophen, insgesamt 3.

Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,

Röslein auf der Heiden,

War so jung und morgenschön,

Lief er schnell es nah zu sehn,

Sah’s mit vielen Freuden.

Röslein, Röslein, Röslein roth,

Röslein auf der Heiden.

Gut, handelt es sich also bei Röslein um ein Mädchen (oder eine junge Frau) so beschreibt Goethe hier, wie er auf das Mädchen aufmerksam wird, die so jung und morgenschön irgendwo steht. Stellen wir uns einen Ball vor, bei dem er auf die junge Frau aufmerksam wird. Also die Rose unter allen Heidegewächsen.

Knabe sprach: ich breche dich,

Röslein auf der Heiden!

Röslein sprach: ich steche dich,

Daß du ewig denkst an mich,

Und ich will’s nicht leiden.

Röslein, Röslein, Röslein roth,

Röslein auf der Heiden.

So, und nun kommt der Part, der dann nicht mehr zur Interpretation des „Künstlerkollektives“ passt. Denn, wenn er sagt, ich ficke (nochmal Ups) Dich, sie sagt, ich trete (oder what ever) Dich, dass Du ewig denkst an mich, fragt man, was soll das? Und dann die dritte Strophe, in der er schreibt, dass sich eben dieses Röslein gewehrt hat und stach, fragt man sich, ob es nicht auch andere Interpretationen geben kann.

Doch gehen wir davon aus, dass es sich beim Knaben um einen Sexualstraftäter handeln könnte. Warum kann es sich beim Gedicht nicht um eine moralische Ermahnung an das Röslein handeln, sich nicht darauf einzulassen? Nein, der olle Goethe ist natürlich jemand der Vergewaltigungslyrik schreibt (oder wie man heute auf der Hauptschule sagt, postet).

Doch kommen wir zurück auf das „dann stech ich dich“, das die Rose hier in Strophe 2 als Drohung von sich gibt. Gehen wir doch einfach beim Brechen und Stechen davon aus, dass es sich um die Liebe handelt. Der Knabe, dem hier gedroht wird gestochen zu werden, und der das Röslein trotzdem bricht ist ein verliebter Junge, der die Liebe kostet, und weiß, dass die Trennung schmerzt. Sozusagen eine Urform von Cat Stevens „The first cut is the depest“.

Für eine solche Deutung sprechen mehrere Begebenheiten. Nie hat es eine europäische Moral gegeben, in der die Vergewaltigung einer Frau durch den Mann hingenommen worden wäre (Harald v.Rappard, der sich ebenfalls der obigen Interpretation anschließt).

Zum anderen, da ist man sich einig, ist das Gedicht an Friederike Brion gerichtet, mit der Goethe eine kurze, heftige Liebesaffaire hatte. Eine Notiz Goethes über Friederike Brion lautet:

„Die Antwort Friederikes „zerriss mir das Herz (...); stets empfand ich, dass sie mir fehlte, und was das Schlimmste war, ich konnte mir mein eignes Unglück nicht verzeihen (...). Hier war ich zum erstenmal schuldig; – doch der Abschied war endgültig.“

Hier dann die weitere Interpretation.

Ein Thema welches sich durch die Geschichte zieht, wie auch schon im Minnelied vom Falken (der von Künneberg) besungen wurde, nämlich Liebe, Bindung, Trennung.

Das nennt man übrigens den Kontext mit einbeziehen und sollte zum Stoff am Gymnasium gehören.

Doch was sind schon Frankfurter Würstch… äh Hauptschüler, wenn sie nicht noch mehr gegen den ollen Sexisten Goethe in Stellung bringen könnten. So sagt ein Mitglied der Frankfurter Hauptschule:

„Auch in Goethes Leben gab es ja einige etwas komische Episoden mit jungen Frauen: Als 40-Jähriger verführte er die 23-Jährige Christiane Vulpius und schwängerte sie. In der Folge hielt er sie von seinem Wohnhaus im Zentrum Weimars fern, da er sich für die nicht standesgemäße Verbindung mit einer Putzfrau schämte. Er schob sie in sein Gartenhaus ab.”

Goethe hatte also eine Verbindung mit einer Putzfrau, die er schwängerte und in sein Gartenhaus (gemeint ist hier das Gartenhäuschen in Weimar, das wohl früher das Wohnhaus von Weinbauern war) abgeschoben hat. Nun ist diese besagte Christiane Goethe, geborene Vulpius nicht Putzfrau, sondern fand Anstellung als Putzmacherin. Heute ist dies ein normaler Ausbildungsberuf, und hat mit der Tätigkeit einer Putzfrau nicht viel gemein. Sie war als Putzmacherin in einer Manufaktur angestellt, wo sie Papierblumen für Kleider bzw. Hüte herstellte, und lernte Goethe außerhalb der Arbeit, bei der Übergabe eines Bittgesuches, kennen.

Haha, da geilt sich der prollige Hauptschüler an einem Fehler auf, mögen manche denken. Nein, es zeigt sich, wie wenig Recherche heute betrieben wird, ehe man bereit ist Dreck über Menschen auszukippen! Denn, auch die Geschichte mit dem Gartenhaus stimmt so natürlich nicht. So schreibt Wikipedia:

„Goethe nahm die junge Frau zusammen mit ihrer Halbschwester Ernestine und ihrer Tante Juliane in sein Haus auf; die Wirkungsbereiche der beiden Frauen blieben vollständig auf Haus und Garten beschränkt. Der Weimarer Hof und die Gesellschaft lehnten die illegitime und unstandesgemäße Verbindung ab, so dass Goethe auf Anraten des Herzogs das Haus am Frauenplan im Zentrum Weimars verlassen und vorübergehend ins „Jägerhaus“ in der Marienstraße ziehen musste.“

Und nach dem Sieg Napoleons 1806 ging Goethe direkt zum Traualtar und legitimierte diese Verbindung. Warum er dies nicht gleich tat, kann viele Gründe haben. Doch, als er sie heiratete waren 18 Jahre vergangen, und Christiane bereits 41. Irgendwie muss es also Liebe gewesen sein. Durch Napoleon wurde der Feudalstaat, und damit die Abhängigkeit von Herzögen aufgehoben, was sicherlich ein Grund für diese Wendung gewesen sein kann. Denn, Goethe war auch von seinen reichen Gönnern abhängig.

Doch es geht noch weiter:

„Noch mit weit über 70 bedrängte Goethe die 17-Jährige Ulrike von Levetzow. Immer wieder beutete er Frauen emotional aus, ließ seine Partnerinnen sitzen und verschwand.“

Und „Die Frauenfiguren in seinen Werken wirken häufig eher schwach: 'Faust' ist ein gutes Beispiel. Gretchen ist 14 Jahre alt und wird eher dumm und naiv dargestellt.“

Zu den Frauen in Goethes Leben

Bekannt ist Nummer 1: Käthchen Schönkopf, Gastwirtstochter, die mit 19 Jahren drei Jahre älter wie der Dichter war. Sie heiratete einen anderen, und Goethe verließ Leipzig. Angeblich soll er einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch erlitten haben.

Danach fand er die oben erwähnte Friederike Brion, die er nach einem Jahr verließ.

Hernach umschwärmte er Charlotte Buff, die schon einem anderen versprochen war und diesen auch heiratete. Doch, all sein umschwärmen brachten ihm zumindest einen Kuss ein.

Anna Elisabeth "Lili" Schönemann (1758-1817), die einzige Verlobte, die er nach einem Jahr Hals über

Kopf verließ, weil er sich von ihr eingeengt fühlte. Die Zweite, die „sitzengelassen“ wurde. Denn natürlich waren auch die Eltern der Beiden gegen diese Beziehung.

Zu Charlotte von Stein, die verheiratet war, soll er eine platonische Beziehung gepflegt haben.

Somit zähle ich diverse gescheiterte Beziehungen, und zwei, bei denen er einen Schlussstrich zog. Also ernsthaft, werfen Künstler ihm jetzt vor, dass er nicht das Frauenbild des 20Jhd hatte (hier die 14 Jährige Greta in Faust) und nicht die Moralvorstellung der ewigen Liebe und Treue des Mittelalters verfolgte?

Heute hat jeder 18 Jährige mehr Beziehungen hinter sich wie Goethe. Und, ach ja, es fehlt noch die ach so bedrängte Ulrike von Levetzow. Sie selbst schrieb:

„Ich sagte schon, daß der Großherzog sehr befreundet mit meinen Großeltern und meiner Mutter war (…) und er war es, welcher meinen Eltern und auch mir sagte, daß ich Goethe heiraten möchte; erst nahmen wir es für Scherz und meinten, daß Goethe sicher nicht daran denke, was er widersprach, und oft wiederholte, ja selbst mir es von der lockendsten Seite schilderte, wie ich die erste Dame am Hof in Weimar sein würde, wie sehr er, der Fürst, mich auszeichnen wolle (...)."

Er muss sie also so sehr bedrängt haben, dass sie es über den Schock bedrängt worden zu sein, nicht merkte wie sehr sie bedrängt wurde Natürlich ist ein verliebter alter Knacker peinlich. Und auch das die Frauenfigueren nur kleine Kindchen sind, kann so nicht gehalten werden. Hierzu einmal dieses Dokument.

Es ist erschreckend, dass sich Künstler nicht einmal mit der Person Goethes auseinandergesetzt haben, sondern einfach ein paar Stereotypen heraufbeschwören und diesen Menschen vorverurteilen.

Doch nochmals das Gruppenmitglied:

"Die meisten Mitglieder von uns sind Kunststudierende. Als intellektuell würde sich da, glaube ich, eher niemand bezeichnen. Zwei von uns waren sogar auf der Hauptschule."

Dass sich da nun niemand als intellektuell bezeichnet, da wäre jetzt irgendwie keiner draufgekommen! Wie wäre es, wenn ihr Euch in Frankfurter Sonderschule umbenennt? Was hier die Künstler zeigen bezeichne ich als Mob. Wäre Goethe noch am Leben, könnte man noch ein Lynch davorsetzen. Ob das Frauenbild in Goethes Werken eher "dumm und naiv" ist mag jeder selber entscheiden. Eines ist jedoch sicher, das Bild das Künstler und Journalisten die diese Künstler interviewen abgeben ist zumindest dumm und naiv...

8
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

bianka.thon

bianka.thon bewertete diesen Eintrag 30.08.2019 16:18:57

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 30.08.2019 13:39:07

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 30.08.2019 04:21:56

Zauberloewin

Zauberloewin bewertete diesen Eintrag 29.08.2019 23:26:33

Schoppe

Schoppe bewertete diesen Eintrag 29.08.2019 21:34:48

Markus Andel

Markus Andel bewertete diesen Eintrag 29.08.2019 20:41:15

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 29.08.2019 18:35:41

Watzlawick

Watzlawick bewertete diesen Eintrag 29.08.2019 17:38:50

31 Kommentare

Mehr von KlausBärbel