Politische Korrektheit und das Terrorregime des Robespierre

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“Was gerade passiert, ist die verbale Vorbereitung von systematischer Gewalt gegen Minderheiten und gegen Schwache. Umso wichtiger ist political correctness, ihr solltet dankbar sein, wenn um sie gekämpft wird! Warum habt ihr so ein Problem mit ihr?” Das fragt ein Blogger hier auf FuF und ich möchte hier mit einem eigenen Blog antworten.

Das Internet mit seinen Möglichkeiten 3.546,3715 Freunde auf Facebook zu “pflegen“, die wiederum alle über 2.000 Freunde haben, ist wie geschaffen, um schnell einen Mob zu bilden. Da kommt was in die Timeline, irgendein kleiner Ausschnitt aus einer 160 Zeichen langen Twitterdiskussion, in der sich jemand falsch verhalten hat oder auch nicht. Man gibt es skandierend an seine Freunde oder Follower weiter, von denen es noch mal 1% an "Freunde" weiterleitet. Innerhalb von Stunden hat sich dann eine unbedachte oder aus dem Kontext gerissene Äußerung im Internet verbreitet, mit all seinen negativen Konsequenzen, die ein paar Idioten anstoßen können.

„Ich fliege nach Afrika. Hoffe, ich bekomme kein Aids. Nur Spaß. Ich bin weiß!“, schrieb eine Südafrikanerin kurz bevor sie in den Flieger nach Südafrika stieg an ihre kleine Twittergemeinde. Als sie dort ankam, wurde ihr bereits per Twitter mitgeteilt, dass man ihr gekündigt habe. Die Frau wollte hier ironisch darauf anspielen, dass sich viele keine Gedanken über Aids machen, weil sie nicht zu einer Risikogruppe zählen. Eine kleine ironische Äußerung für ein paar Freunde gedacht, wurde von einem ihrer Follower skandiert und die Frau Opfer dieser Hetz- und Bestrafungsaktion.

Mich erinnert genau das an eine Begebenheit in unserer Familie. Meine Onkel, Teenager als der WK II seinem Ende entgegen ging, fragten meinen Großvater, ob der Krieg, nachdem der Volksempfänger schwere Kämpfe um die Nachbarstadt meldete, nun verloren sei. Der Krieg wurde kurz danach beendet, der Sturm auf die “Festung” Berlin wurde zur gleichen Zeit vorbereitet. Dieser Großvater, der nie ein Nazi war, sagte nur “nein, Kinder, den Krieg gewinnen wir noch”. Meine Onkel haben sich immer gefragt, warum mein Großvater diesen Satz gesagt hat, hat er da, als alles verloren war, doch noch an den Endsieg geglaubt? Anscheinend hatte mein Großvater Angst, Angst davor, dass eine unbedachte Äußerung seiner Kinder ihn in den letzten Kriegstagen noch um Kopf und Kragen bringt, also so zum Beispiel: "Mein Papa hat aber gesagt, dass...”, und er wäre noch wegen Volksverhetzung gehängt worden. Ja, es gab Zeiten in Deutschland, wo es zur politischen Korrektheit gehörte an einen Endsieg zu glauben, sogar bis zum Tag der endgültigen und totalen Kapitulation.

Es gibt so ein paar Worte, da sträuben sich einem die Nackenhaare, “gesundes Volksempfinden” gehört dazu. Oder "Sittlichkeit", das Wort, das immer im Zusammenhang mit dem 175er auftaucht, also der Paragraph des StGB, der Homosexualität (und Sex mit Tieren) unter Strafe stellte. Heute haben wir hier die PC, worunter nun jeder alles fasst, nur um sich selbst und seine Ideen zu schützen.

Margarete Stochowski beherscht das sehr gekonnt:

“Einmal hat mich nach einer Lesung jemand gefragt, warum Feministinnen immer so aggressiv rüberkommen. (...) Jedenfalls meinte der Fragensteller: Er sei ja im Großen und Ganzen für Gleichberechtigung und alles, nur, er möge es nicht, dass das alles immer so als Kampf dargestellt werde, so angriffslustig, was das denn solle. Ja, was soll das? Ich weiß auch nicht, man könnte natürlich einfach antworten, er solle mal in sich reinhorchen, warum er sich von der Forderung nach Gleichberechtigung angegriffen fühlt, ...”

Da empfindet jemand den heutigen Feminismus als verkrampft, als Angriff, und was Stochowsky einfällt, ist, der Mann ist natürlich Schuld, wenn er sich von Gleichberechtigung angegriffen fühlt. Seine Sicht muss falsch sein, weil der Feminismus richtig ist und für gute Ideale kämpft. Also Klappe halten und weitergehen! Wie kann der Mann auch nur sowas als Angriff oder Krieg empfinden, also ehrlich? Dass es sehr wohl berechtigte Kritik an diesem Feminismus gibt, dass Stochowsky sich hier eher als jemand outet, der dieser Kritik nicht entgegnen kann, scheint ihr, wenn sie zu solchen Methoden greift, nicht mal in den Sinn zu kommen. Es ist heute PC, für die Gleichberechtigung zu kämpfen, also Klappe halten!

Ähnlich funktioniert auch der Internetmob gegen alles und jeden. Ein kurzer Aufreger, und der Mob tobt, egal, ob gegen einen Nobelpreisträger, der einen selbstironischen Witz machte, der einer anwesenden Feministin nicht passte. Oder in, natürlich anonymen, Watchblogs gegen Professoren mit unliebsamen Ansichten hetzen. Oder sogar gegen Rousseau, Hegel oder Kant, die in einer Vorlesung auftauchen, weil die verbreiten ja aus einer “eurozentristischen weißen Perspektive rassistische Ansichten” und ganz ehrlich, durch die kann man sich gestört fühlen. Und natürlich ist es erschreckend, dass der Prof. der Vorlesung diese Störung seiner Meinungsfreiheit durch die Polzei beenden lassen hat, was dann von den Störern so umgedeutet wird: "Kritisches Hinterfragen wird an der HU jetzt polizeilich unterbunden." Und selbst Negertexte darf man heute nicht mehr zitieren, weil Neger auch Neger diskriminieren können, selbst wenn diese Schwarzen so Menschen wie Martin Luther King sind, wie der heute in der Türkei in Haft sitzende Deniz Yücel (Free Deniz!) schrieb.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, es gibt einige Wörter, die gehören auf den Müllhaufen, Neger gehört dazu, auch wenn man es, wie vorher bei mir, noch in einigen Formen nutzen kann. Ebenso wie Rasse, obwohl der Rassist ja noch bleibt, oder der Zigeuner. Reichskristallnacht ist (übrigens ganz leise) durch Pogromnacht ersetzt worden, wobei man da heute auch nicht mehr so sicher weiß was man sagen soll und ich bei Reichprogromnacht bleibe, weil dadurch ersichtlich ist, welches Wort ich ersetze. Denn Sprache ist immer noch etwas, das allen Menschen gehört, sie gehört nicht einigen Depp*_-y%%%Innen(undAussen) und die Gedanken, auch die Ausgesprochenen, sollten immer noch frei sein.

Mein anderer Großvater trat nach dem Krieg in die SPD ein, damit sich sowas nie wiederholt. Ich bin aus den gleichen Motiven aus der SPD ausgetreten und habe auch den Grünen den Rücken gekehrt. Denn heute sind wir wieder soweit, dass eine unbedachte Bemerkung, etwas, das einigen nicht passt, sofort genutzt wird, um das Gegenüber zu zerstören. Das sind Gedanken und Methoden, die eher in die DDR oder die Nazizeit passen, auch wenn sie hier von angeblich linken Gruppen, und nicht vom Staat, getätigt werden.

Heute muss ich, wie mein Großvater seinerzeit, wieder überlegen, was ich wann wie und unter welchem Nicknamen verbreite. Nicht, weil es gesetzlich verboten ist, sondern, weil eine Gruppe von Menschen glaubt, eine Jagd eröffnen zu können, wenn ihnen die Meinung nicht passt. Eine Jagd nicht mal mit Argumenten, eine auf die es keine Verteidigung gibt, ja nicht mal einen Kontext, in den ein „falscher“ Satz gestellt wird. Das Internet gibt diesen Jägern dazu alle Möglichkeiten.

Wer also Begriffe wie PC verteidigt, der sollte auch auf das hinweisen, was dabei herauskommt, wenn man einem dummen Mob Macht gibt. Wenn man Worte und Gedanken, egal, wie strunz dämlich sie auch sein mögen, nicht mit Worten entkräften kann, sondern sie mittels einer PC verbieten möchte. Denn dadurch wird jeder, der falsche Worte verwendet, automatisch zu einer Zielscheibe dieser Tugendwächter. Was wir erhalten, ist ein Terrorregime wie das von Robespierre, dem die PC entspricht dem „Gemeinwillen“ nach Rousseau und jeder, der sich gegen diesen Willen des Volkes stellt, ist sein Feind.

PS:

Wie ich immer wieder erfahren habe, sind es Linke UND Rechte die mich hier gerne mundtot machen wollen. Begriffe wie Antifeminist (ganz böse, jemand der Argumente gegen Feminismus hat für die wir zu blöd sind), Hetzer etc. werden da angeführt wenn sich ein paar Totalverstrahlte als Zentrum der Welt und Hüter der richtigen Meinung sehen. Das ging sogar soweit, dass ich nun dank eines Lesers IM beim Verfassungsschutz von Ösiland (oder ehemalige Ostmark also Mark der DDR) angeschwärzt wurde… Auch bei Grünen bin ich wegen meiner Ansicht auf der Abschussliste, ebenso wie in der WikiMannia negativ mit meinem Blog vertreten. Viel Feind viel Ehr, und ich weiß, dass ich auf der richtigen Seite, der, der Freiheit, stehe. Nur die Erzreligiösen habe mich noch nicht entdeckt… Arbeiten wir daran :) Und danke an @fischundfleisch für diese offene Plattform!

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