Unterfickt, frauenfeindlich, gefährlich - Incel

Wir haben Kanada das Holzfällerhemd und den Ahornsirup zu verdanken. Und nachdem Kanada nun Modeszene und Geschmacksnerven aufgemischt hat, machen sie sich daran auch die internationale Terrorismusszene aufzumischen.

So lässt die kanadische Regierung verlauten:

„Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 17-Jährige mutmaßlich aus frauenfeindlichen Motiven handelte und sich von der „Incel“-Bewegung leiten ließ, teilte die Polizei am Dienstag (Ortszeit) mit.“

Und da haben wir es wieder, INCELS. Doch was sind diese Incels überhaupt? Wikipedia schreibt, natürlich entweder völlig ideologiefrei oder völlig Sinnfrei dazu:

„Incel (Kofferwort aus involuntary, dem englischen Wort für ‚unfreiwillig‘, und celibate, dem englischen Wort für ‚Zölibat‘) ist die Selbstbezeichnung einer in den USA entstandenen Internet-Subkultur von heterosexuellen Männern, die nach Eigenaussage unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr haben und der Ideologie einer hegemonialen Männlichkeit anhängen. Von Incels ausgedrückte Überzeugungen und Gefühle sind geprägt von Misogynie, dem Anspruch, ein Recht auf Sex zu haben, Selbstmitleid und der Billigung und Anwendung von Gewalt gegen Frauen und gegen sexuell aktive Männer. Dies grenzt Incels von Absolute Beginners und Love-shyness ab.“

Also, Subkultur von NACH EIGENAUSSAGE unfreiwillig ungevögelten heterosexuellen Männern, die auch noch der Ideologie einer hegeminialen Männlichkeit anhängen. In Deutschland nennen sich diese bösen Männer (und Frauen, egal welcher sexuellen Orientierung) AB, was für „Absolut Beginners“ steht. Geprägt wurde der Begriff 2008 im Spiegel.

Arne Hoffmann, einer dieser bösen Männerrechtler, schrieb 2006 das Buch Unberührt. Arne Hoffmann hat auch einen Eintrag im Incel Wiki. Also einem Wikipedia, dass sich mit dieser Gruppe beschäftigt. Somit steht Herr Hoffmann sicher auch unter Terrorismusverdacht!

Nun ist dieses "Incel-Terrorismusphänomen" in den USA und Kanada bekannt geworden, doch wie die Seite Alles Evolution hier zeigt, gab es die Incel-Bewegung AB schon lange vorher in Deutschland, ohne dass hier grosse Terrorakte zu verzeichnen sind. Zumindest keine, die direkt mit Incels in Verbindung gebracht wurden, doch dazu später.

Wie gross dieses Incel-Phänomen heute ist, zeigt das Incel Wiki selbst:

„Among American millennials, 15-30% are incels, roughly 51% do not have a steady partner, roughly 30% are often or always lonely, and roughly 22% have no friends.“

Somit sind laut Incel Wiki 15 bis 30% aller zwischen 1981 und 1996 geborenen Amerikaner Incels.

Oder der Atlantic (2008): „People now in their early 20s are two and a half times as likely to be abstinent as Gen Xers were at that age; 15 percent report having had no sex since they reached adulthood.“

Man kann nur hoffen, dass in Kanada genug Anti-Terror-Spezialisten vorhanden sind, um diese Gefahr INCEL zu bannen.

Jeder Bauernball in Deutschland wäre heute, so meine Schätzung, nichts weiter als ein Incel- Terrortreffen, sozusagen die Schläfer, oder hier eher Tänzer! Denn gerade die Gruppe der Landwirte trifft es in Europa besonders hart. Aber auch sonst gibt es, so zeigt die Umfragen unter den Nutzern der Incel Seite zeigen folgendes Bild:

78% berichten, dass sie immer unter extremer Traurigkeit, Angst und Stress leiden.

82% haben Selbstmord in Betracht gezogen.

62% haben eine Operation in Betracht gezogen, um ihr Aussehen zu verbessern.

77% geben an, ein gesundes Gewicht oder Untergewicht zu haben (nur 23% geben an, übergewichtig zu sein, was weit unter dem allgemeinen westlichen Bevölkerungsdurchschnitt liegt).

57% geben an, eine medizinische Diagnose erhalten zu haben, die sie als nicht-neurotypisch oder mit einer körperlichen Behinderung, die ihre normalen täglichen Funktionen beeinträchtigt, bezeichnet. Und nun werden diese Menschen noch zu Terroristen erklärt?

Das Phänomen INCEL kam mit Eliot Roger auf, der einen Amoklauf in den USA durchführte. Er ist sozusagen der UR-Incel, der sich auf Seiten von Pick-Up Artists, Antifeministen, dem Ku-klux-klan, Kinderessern und allen anderen Hassgruppen linker Journalisten informierte. So schreibt z. .B American Prospekt:

„Dieses Video und andere, die Rodger auf seinen YouTube-Kanal stellte, waren voll von Sprache, die für viele sofort erkennbar war: Er sprach die Sprache der "Pick-up Artist" (PUA)-Community, vor der Feministinnen seit vielen Jahren Alarm schlagen und argumentieren, dass sie ein Nährboden für frauenfeindliche Ressentiments ist und möglicherweise sogar Gewalt gegen Frauen fördert.“

Ja, Elliot Roger war alles, ausländerfeindlich mit chinesischen Wurzeln. Pick-Up-Artists und Pick-Up-Artists-Hater. Denn anscheinend brachte ihn das Flirttraining, wie man Pick-Up-Artist in Deutsch bezeichnet, nicht zum Erfolg. Trotzdem kann es natürlich nicht schaden, hier gleich mal eine ganze Gruppe schlecht zu machen. Nicht dass es dort auch schwarze Schafe gibt, wie in jeder Gruppe. Aber deshalb gleich Mitschuld an einem Amoklauf?

Womit die Frage ist, was macht einen jungen Menschen zum Amokläufer? Das er untervögelt ist? Sieht man sich Elliot Roger an, so sieht man noch andere Dinge, die zu einem Amoklauf führen könnten:

„Er besuchte eine katholische Jungenschule und zwei andere High Schools im Umkreis Los Angeles. Die mehrmaligen Schulwechsel seien, ihm zufolge, auf Mobbing zurückzuführen gewesen. 2007 wurde bei ihm eine tiefgreifende Entwicklungsstörung diagnostiziert.”

Also haben wir hier einen Außenseiter, der gemobbt wurde und tiefgreifende Entwicklungsstörungen hat.

Und nun haben wir auf einmal den Kreis der bösen Incels verlassen und haben uns in andere Kreise begeben. Andreas Behring Breivik, höchstwahrscheinlich Incel, von seiner Mutter vernachlässigt, mit psychologischen Störungen und Einzelgänger.

Wir können beim Schulmassaker von Emsdetten weitermachen. „Während seiner Schulzeit galt er als Sonderling und introvertierter Einzelgänger, der von seinen Mitschülern gemobbt wurde und sich von seinen Lehrern bevormundet fühlte.“

Oder sehen wir nach Winneden. Auch hier ein junger Mann, psychische Störungen, warscheinlich Incel und Einzelgänger. Und auch hier:

„der Täter sei vor seiner Tat massiven Mobbing-Attacken durch Mädchen ausgesetzt gewesen.[50][51] Unklar bleibt, ob er gezielt nur solche Schülerinnen und Lehrerinnen töten wollte, die am Mobbing gegen ihn beteiligt waren, oder ob er unterschiedslos auf Mädchen und Frauen schoss.“

Der Amoklauf von Eching und Freising, hier wird dem Täter bescheinigt:

„Amokforscher Lothar Adler, Ärztlicher Direktor des Ökumenischen Hainich-Klinikums Mühlhausen diagnostizierte, es sei typisch für einen impulsiven Lebensmüden, der „psychosozial isoliert und gescheitert“ sei.. „Die Schulzeit ist für viele eine Zeit der Kränkung. So wird die Schule zum Angriffsort.“

Ob nach solchen Erkenntnissen die Schulen als Terrorcamp angesehen werden müssen, ist noch unklar. Wir warten aber auf ein Statement des kanadischen Bildungsministeriums.

Komischerweise haben alle diese Taten mehrere Dinge gemeinsam. Und es sind nicht die Waffen, es ist nicht das Internet, über dass sich die Täter teilweise radikalisiert haben, es sind isolierte junge Menschen, die meist eine psychische Störung haben, kaum oder wenig Freunde. Und irgendwann kommt es zu einer solchen Tat. Es ist die Schule, die Lehrer, die Mädchen, die Mitschüler...

Ich möchte die Taten hier in keiner Weise rechtfertigen, noch entschuldigen. Doch wenn wir jetzt, wie in Kanada, solche Taten als terroristischen Akt abstempeln, dann machen wir es uns genauso einfach wie Rechte, die von Messermigranten sprechen, die die vielen jungen Männer die vor Krieg oder Verfolgung flüchten als notgeile, die deutschen Frauen vergewaltigenden Horden abstempeln. Und das ist genauso dämlich, leider.

Einen sehr guten Artikel über die INCEL-Bewegung im Internet gibt es hier. Der Artikel ist leider auf englisch und könnte für einige hier zu radikal sein, denn er trägt den Titel:

“What should we do about dangerous 'incels'? Maybe help them”

Hilfe, das kann nicht sein, denn es sind meist Männer, die in einem Patriarchat eh nur profitieren! Die richtigen Opfer sind Frauen, meist Feministinnen, die gegen Hatespeech gegen Frauen im Internet vorgehen wollen. Und wie unerhört es da doch ist wenn "the daily beast" mit einem Incel spricht, der noch folgendes sagt:

"Für ihn und viele wie ihn, sagt er, ist die Incel-Gemeinschaft ein Mittel, sich gegenseitig in einer Welt zu unterstützen, in der es sich manchmal so anfühlt, als gäbe es sonst niemanden mehr."

Oder gar:

"Seiner Ansicht nach ist die Realität der geschätzte Zehntausende von Mitgliedern umfassenden Incel-Community – so verachtenswert und moralisch unergründlich ihr psychopathischer Rand auch ist – weitaus komplexer."

Komplexität war für Weltverbesserer, Hassstreuer und andere Deppen jedoch immer schon viel zu komplex... Danke Kanada!

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