VIDEO:

Laut einer im März 2017 von GfK veröffentlichten Studie, liegt das Vertrauen der Österreicher in ihre Medien im europäischen Spitzenfeld. 49% geben an, Zeitungen und Fernsehen „voll und ganz“ oder zumindest „überwiegend“ zu vertrauen. Es mag zwar auch nur noch jeder Zweite sein, der Wert ist dennoch erschreckend hoch – vor allem wegen des Zusatzes „voll und ganz“.

Wie das mangelnde Vertrauen bei den übrigen 51% ausgeprägt ist, bleibt unklar. Generell ist aber zu beobachten, dass die Gruppe derer, die absolut kein Vertrauen mehr in die Meiden haben und sie für ein Kartell der organisierten Desinformation halten, ebenfalls laufend größer wird.

Eine Frage der Perspektive

Beide Extreme schießen übers Ziel hinaus. Man kann die Situation eigentlich relativ einfach damit verständlich machen, sich in diesem Kontext eine bekannte Erkenntnis Friedrich Nietzsches zu vergegenwärtigen: Alles Sehen ist perspektivisch. Wie ich den Raum in dem ich mich befinde wahrnehme, hängt davon ab, wo ich stehe. Und auch wie ich das Geschehen innerhalb meiner Gesellschaft beurteile, hängt von der Position ab, die ich in ihr einnehme: Ökonomisch, politisch, beruflich oder sozial. So kommt es, dass ganze Berufsgruppen und Branchen tendenziell politisch kategorisierbar sind.

Die Wahrheit von ganz links

Damit wären wir auch schon zu des Pudels Kern vorgestoßen: Journalismus ist, wie diese Grafik mit den Ergebnissen der Arbeiterkammerwahlen in den verschiedenen Medienhäusern offenlegt, ein mit überwältigender Mehrheit links dominiertes Metier. Weit links, und damit in einem krassen Widerspruch zur Mehrheitsgesellschaft stehend. Während die übrige Bevölkerung zu 60% ab der Mitte rechts wählt, votieren Journalisten zu 80% links bis kommunistisch.

Dokumentieren, nicht interpretieren...

Die Phänomene der Wirklichkeit treten uns auf zwei Ebenen in Erscheinung: Einerseits auf der Ebene der objektiven Fakten, andererseits auf der Ebene der individuellen Interpretation. Ein Kilo Brot etwa hat eine Länge, eine Breite und eine Höhe. Eine Masse, eine Dichte und einen Brennwert. All das ist messbar und kann kein Gegenstand von Diskussion sein. Ob das Brot aber schmeckt oder nicht, ob es gesund ist oder womit man es belegen soll, kann niemand ausrechnen. Es ist eine Frage der persönlichen Präferenz.

Analog verhält es sich mit politischen Fragen. Etwa mit der Migrationskrise, bei der die Paradigmen der Mainstreammeinung in einem besonders eklatanten Widerspruch zur Mehrheitsmeinung der Bevölkerung stehen. Wieder haben wir eine Ebene objektiver Fakten: Man kann die zu uns kommenden Menschen bestmöglich zählen, ihre Herkunft feststellen und Alter sowie Bildungsstand ermitteln. Ob ihre Ankunft aber eine Bereicherung oder eine Bedrohung darstellt, ob die Gründe ihrer Einreise jenseits der Genfer Flüchtlingskonvention nachvollziehbar sind oder nicht, kann nicht gemessen, gezählt oder dokumentiert werden. Es ist eine Frage der Meinung und der persönlichen Erfahrung.

Umfassende Information, geht das?

Dem täglich aktualisierten Medienindex ist zu entnehmen, dass in Österreich derzeit 436 Journalisten im Bereich (Innen-)Politik beschäftigt sind. Nicht nur ihre tägliche Berichterstattung, sondern auch das oben angesprochene Ergebnis der Arbeiterkammerwahl gibt Aufschluss darüber, wo diese Leute politisch stehen. Die ernüchternde Realität also ist: Das, was fast die Hälfte unserer Bevölkerung immer noch für die Dokumentation der objektiven Wirklichkeit hält, ist in Wahrheit die subjektiv verzerrte Realität einer kleinen Minderheit mit radikalen politischen Ansichten. Was also tut man? Kann man sich überhaupt objektiv informieren?

Meiner bescheidenen Meinung nach liegt die beste Strategie in der Kombination aus traditionellen und alternativen Meiden. Der Großteil unserer Journalisten sind Radikale, aber sie sind keine Dilettanten und haben außerdem das notwendige Budget, Korrespondenten überall auf der Welt zu unterhalten. Im Gegensatz zu Kommentatoren wie mir bekommen sie auch Termine bei den wirklich wichtigen Leuten. Was passiert, kann den starken Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern also immer noch entnommen werden. Die Interpretation all dessen verlagert sich jedoch völlig zu Recht in alternative Medien und soziale Netzwerke. Jenseits dokumentierter Fakten können nämlich auch Journalisten nur mit ihrer Meinung argumentieren, und dafür brauchen wir sie wirklich nicht mehr. Wir müssen sie als Handwerker begreifen, die mit der Kamera durch die Gegend laufen und festhalten, was passiert. Die Deutungshoheit über vermeintlich moralische Perspektiven muss aber ihnen endgültig genommen werden.

4
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
4 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 06.02.2018 09:20:56

hagerhard

hagerhard bewertete diesen Eintrag 05.02.2018 22:12:05

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 05.02.2018 20:44:53

Thomas Herzig

Thomas Herzig bewertete diesen Eintrag 05.02.2018 19:59:42

4 Kommentare

Mehr von Langberg Friedrich