ÖVP - Dollfuß - SS - Tirol & Dr. Khol

Die Partei scheint irgendwo Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts stecken geblieben zu sein und ist offenbar nicht gewillt sich mit dunklen Zeiten auseinander zu setzen.

2004 veranstaltete die ÖVP einen Gedenkgottesdienst zur Erinnerung an den 70. Todestag von Dollfuß, den man in den Geschichtsbüchern allerdings als jenen Bundeskanzler findet der zum Diktator mutierte, das Parlament und den Verfassungsgerichtshof ausschaltete und als Begründer des austrofaschistischen Ständestaates gilt.

Selbst 2014 konnte man im tiefschwarzen Kernland NÖ noch Ehrentafeln finden. Diverse Zeitungen, unter anderem die NÖN berichteten.

Bernhard Lassy

Gedenktafel an der Kirche in Heinrichs.

Damit ist es aber nicht getan. Am 12. Juni 2015 feierte die ÖVP Tirols den 70. Jahrestag der Gründung.

Bernhard Lassy

Dem Betreiber der Aufdecker-Homepage dieTiwag.at fiel ein Name auf der sich auf der Homepage links neben Landeshauptmann Platter befindet - Kurt Gattinger.

Forscht man nach um wen es sich bei Kurt Gattiner handelt dann findet man folgendes.

Kurt Gattinger, SS-Hauptsturmführer, SS Artillerie-Regiment 5

bzw. im Buch "Tirol: Land im Gebirge" von Herausgeber Michael gehler folgende Textpassage:

Die ÖVP-Tirol stellte im Wahljahr den Juristen Kurt Gattinger im Landesparteisekretariat an, zu dessen Aufgaben eine „Amnestie Aktion“ gehörte: Gattinger – selbst ehemaliger SS-Offizier – leitete eine Begnadigungsaktion für ehemalige Nationalsozialisten ein und bemühte sich um die Absetzung von Verhandlungen des Landesgerichts. Das offensichtliche Buhlen der Parteien um die „Ehemaligen“ führte auch zur Eifersucht: „Man krieche doch uns einmal irgendwohin, und nicht nur den Nationalsozialisten!“ seufzte ein Vertrauensmann der Tiroler Monarchisten.

LH Platter sieht es offenbar offiziell so, dass es ein wichtiges Ereigniss war dass ein SS-Offizier zur Landespartei gestoßen ist und findet es nicht mal der Mühe wert, diesbezügliche Fragen zu beantworten.

Die ÖVP veranstaltete 2004 zum 70. Todestag von Dollfuß einen Gedenkgottesdienst und in den Räumen des Parlamentsclubs der ÖVP befindet sich ein Portrait von Dollfuß. Man kann sich offenbar schwer von Dollfuß trennen und selbst der Bundespräsidentkandidat Dr. Khol meinte 2014, dass man zwar den Regierungsdiktator und den Ständestaat kritisch sehen würde, aber man anerkenne natürlich den Kampf von Dollfuß gegen den Nationalsozialismus, dieser sei positiv zu würdigen.

Wir haben also eine Partei die irgendwo im ersten drittel des 20. Jahrhunderts ideologisch hängen geblieben ist und die entsendet einen Kandidaten der das alles gar nicht so kritisch sieht. Man kann nur hoffen, dass die Wähler erkennen mit wen man zu tun hat und entsprechende Entscheidungen treffen.

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Ergänzung 11.2.2016 16:00 aus den Archiven von Markus Wilhelm

Der Innsbrucker Karl Sommer (1907 – 1986) zeichnete und malte unter den Nazis für die Nazis und nach dem Krieg für die ÖVP Tirol.

frei

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fischundfleisch

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Spinnchen

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