Immer wieder liefert uns die Archäologie interessante Einblicke in die menschliche Vergangenheit.

Bei Ausgrabungen in Europa fanden Nachwuchs-Archäologen jetzt Hinweise aus dem Humanozoikum (20stes Jahrhundert) auf eine Tugend, die man damals Contenance (kõtəˈnãːs) nannte. Zu prähistorischen Zeiten verwendeten Menschen sogenannte Tugendbegriffe zum Benennen von erwünschten Verhaltens- und Charaktereigenschaften ohne politischen Bezug.

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Es handelt sich zum Erstaunen der Wissenschaftler nicht um eine Eigenschaft, welche man sich aus dem Internet downloaden kann. Vielmehr scheint es sich um Art Persönlichkeitsanforderung zu handeln, was die moderne Forschung vor ein Rätsel stellt, weil sie sich nicht anhand materieller Güter oder Facebook-Likes messen lässt.

Für die Menschen des Altertums war es wohl möglich, eine Art Selbstregulierungsfähigkeit auszubilden, die es erlaubte, auch in unangenehmen Situationen Haltung zu bewahren. Demnach waren die Einwohner Europas möglicherweise in der Lage ohne größere emotionale Ausbrüche, Hysterie und cholerische Anfälle mit anderen Menschen zu kommunizieren oder sogar gegensätzliche Meinungen auszutauschen. Vielleicht verfügten Sie sogar über eine Art Selbstachtung, die aufgrund der fehlenden Möglichkeit, auf Facebook durch Tittenbilder vor dem Badezimmerspiegel Aufmerksamkeit zu bekommen, eine substitutionelle Funktion eingenommen haben könnte. Für den modernen Menschen mag das abwegig klingen, doch es gibt tatsächlich Hinweise auf eine mögliche Charakterbildung durch internale Prozesse, die ohne direkte Rückmeldung von der Umwelt wirken wie eine Art rekonversive kognitive Schleife. In diesem Fall wäre es dem Menschen möglich, auf konstruktive Weise sein eigenes Verhalten zu reflektieren- und das ohne traurige Smileys, 20 Ausrufezeichen und hysterisch-labil anmutenden Beschimpfungen von Mitmenschen auf Internetplattformen.

Leider fanden die Wissenschaftler bisher keine ausreichenden empirischen Hinweise oder Forschungsergebnisse für die Theorie. Alle Veröffentlichungen zum Thema sind nämlich furchtbar anstrengend zu lesen und beinhalten nur ganz wenige Bilder. Deshalb wurden die sehr zeitintensiven Arbeiten an dieser Stelle abgebrochen. Ein Mitglied des Teams erlitt zudem ein Burnout Syndrom, weil es auf Grund seiner jämmerlichen Arbeitshaltung sachliche Kritik von seinem Chef ertragen musste. Es bleibt unklar, ob sich der 30-Jährige von besagtem Trauma jemals erholen wird. Der Dekan der Universität plant zu diesem Anlass die Errichtung eines Mahnmals zum Thema seelische Grausamkeit und das Anlegen von pädagogisch betreuten Ruheräumen zum Abbauen von Mikroaggressionen und Distress. Auch festinstallierte Taschentuchboxen zum Abwischen von Tränen und Rotz im Falle plötzlicher Gefühlsausbrüche stehen den Studenten ab sofort an jeder deutschen Universität zur Verfügung. Montags wird ein Kurs zum Thema "Wie reagiere ich auf ungeliebte Kommentare im Internet ohne mich zum kompletten Vollidioten zu machen?“ angeboten. Alle Teilnehmer erhalten ein Fleißkärtchen und ein zuckerfreies, veganes, glutenfreies, geschlechtsneutrales fair trade Bio-Bonbon.

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