Das Coronavirus interessiert mich nicht besonders.

Es tut, soweit ich das beurteilen kann, das was Viren eben tun. Bisweilen nahm es noch nicht freiwillig an einer Gesprächstherapie teil, eine Verhaltensänderung ist also eher unwahrscheinlich.

Während sich nun haufenweise Verschwörungsegomanen im Reaktanzmodus und neurotisch anmutende Sterilitätspedanten gegenseitig im Besserwissen übertrumpfen oder sich zum nationalen Erklärbären berufen fühlen, habe ich mir Gedanken gemacht, was wohl Psyche und Wirtschaft tun bzw. tun werden.

Hyperinflation ik hör dir tapsen

Aus Sicht der Regierungen kommt ein Sündenbock eigentlich nicht ungelegen, zumal allen klar ist, dass das Erschaffen von Kapital ex nihilo und das Senken von Leitzinsen seine Grenzen längst erreicht hat. Eine Wirtschaftskrise war nicht mehr abzuwenden, sie ist aber mittels Corona zumindest steuerbar und hat einen klaren Schuldigen, den man weder sieht noch bestrafen kann. Es mutet also fast wie eine Plansanierung an. Ob nun Absicht dahintersteckt oder nicht, ist im Grunde nicht relevant.

Da die US-Topmanager alle einen magischen Superkristall besitzen, haben sie die Aktien ihrer eigenen Unternehmen just vor dem Ausbruch der Krise verkauft. Das ist ein sehr riskanter und ungewöhnlicher Schritt, denn wenn ein Jeff Bezos seine Amazon-Aktien verkauft, dann demonstriert er den Anlegern Misstrauen in sein eigenes Unternehmen. Das macht man eigentlich aus taktischen Gründen nicht. Er hat es aber getan, genau wie viele andere Großanleger. Ob nun ein glückliches Händchen oder gute Kontakte ausschlaggebend waren kann spekuliert werden.

Der Staat hilft der aktuellen Flaute mit finanziellen Mitteln aus. Was passiert also, wenn man eine absurd hohe Menge Geld in die Wirtschaft pumpt und eine hohe monetäre Nachfrage auf eine kränkelnde Produktion trifft? Es gibt eine prachtvolle Inflation, die jenen am meisten zusetzt, die ihr Geld den Banken anvertrauen. Wir dürfen also damit rechnen, dass das Klopapier, irgendwann nicht mehr ausverkauft aber sauteuer ist. Ich will damit nicht sagen, dass ihr euer Geld in Klopapier anlegen solltet. (Bitte tut das nicht, andere Menschen müssen auch kacken). Es lohnt sich aber durchaus nach Anlagemöglichkeiten zu suchen. Ich frage mich zum Beispiel, wie der Bitcoin reagieren wird, wenn der Euro von SARS-Covid-2 geschwächt am Beatmungsgerät hängt. Es muss dazu gesagt werden, dass der Euro zwar nicht alt ist aber an gewissen Vorerkrankungen leidet und deshalb durchaus gefährdet ist. Die Todesursache wäre in diesem Falle natürlich nicht die Misswirtschaft, Vertragsbrüche, idiotische finanzwirtschaftliche Fehlkonstruktionen sondern das Virus.

Wer mir an dieser Stelle nicht glaubt, der möge einen Blick nach China werfen, wo die Lebensmittelpreise rasant gestiegen sind. Im Euro-Raum wird es aller Wahrscheinlichkeit nach noch wesentlich schlimmer. Das ist kein Grund zur Panik aber ein Grund zum Vor- und Nachdenken.

pixabay

Zombiebekämpfung und Mittelstandsverwurstung

Zombieunternehmen sind Unternehmen, die eigentlich schon tot sein müssten aber durch die Zinspolitik noch atmen und fressen. Diesen Zombies schlägt Corona jetzt gerade eine Axt ins Hirn. Das wäre für die Marktentwicklung kaum schädlich.

Schädlich ist aber die Tatsache, dass auch viele klein Läden vor der Insolvenz stehen. Damit meine ich zum Beispiel den Friseurladen von nebenan. Überleben werden die großen Ausbeuter-Friseurketten, die im schlimmsten Fall einige Filialen schließen müssen.

Das Kapital verteilt sich also weg von den Kleinen zu den Großen. Das muss man nicht gut finden, aber man sollte es in die Rechnung einbeziehen. Unter Einbeziehung dieser Tatsache sind Forderungen nach einer Verringerung der Arbeitszeit oder mehr Gehalt umso absurder. Wenn eine große Zahl von Unternehmen Insolvenz anmeldet, was wird dann wohl mit den Gehältern passieren? (1+1=?) Ich glaube nicht, dass jeder verstanden hat, wie stark unsere Wirtschaft und unsere Staaten von kleinen und mittelständigen Unternehmen abhängig sind und wie problematisch eine Verschiebung der Marktanteile zu den Big Players sein wird. Oligopole sind eine Seuche für die freie Marktwirtschaft, Monopole sind ihr Tod.

…und der Mensch?

Der Mensch legt geringfügig komplexere Verhaltensmuster an den Tag wie das Virus, ist aber nicht unbedingt sympathischer. Er verbringt nun viel Zeit mit sich selbst, was vor allem für Menschen deren Persönlichkeit hauptsächlich aus Gesicht, Körper, Klamotten und Schminke besteht nicht einfach ist. Schließlich müssen sie gesehen werden, um zu existieren. Es bleibt das Ausweichen auf die Internetpersona, welche nur repräsentiert und nicht exekutiert oder legitimiert. Eine gewisse Passivität schleicht sich ein, denn eine Internetpersona geht nicht auf die Straße und wirft mit Steinen.

Der Mensch ein Gewohnheitstier, das sich von sich selbst auch entwöhnen kann. Gefährlich für Regierungen ist der Mensch in einer handlungswilligen, einheitlich-denkenden Masse. Hans-Otto alleine vor dem Computer ist unproblematisch.

Ein paar Wochen Stille müssen aber nicht zwangsweise im psychischen Zusammenbruch enden.

Vielleicht wird es dem einen oder anderen sogar von Nutzen sein, denn ein wacher Geist findet in der Stille durchaus Inspiration. Social distancing wirkt wie ein Signalverstärker für internale Prozesse. Das kann entweder gut oder schlecht sein aber nur dann, wenn schon vorher vorhanden war, was verstärkt wird.

Ein bisschen Realität schadet sicher nicht. Jetzt kann zum Beispiel jeder prüfen, wie gut er sich wirklich mit seinem Partner versteht. Es ist in vielerlei Hinsicht eine tolle Möglichkeit um idealisierte Konzepte mit realen Konzepten abzugleichen. Ich gehe davon aus, dass es viele Schwangerschaften (wer will schon dauernd reden) und viele Trennungen geben wird.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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