Wer ein Problem erkennt, bekämpft es. Wer davor kapituliert, bekämpft lieber etwas anderes, um nicht tatenlos dazustehen. Übersprunghandlung nennt die Psyschologie das.

Eigene Darstellung

Auch die politische Führung in Deutschland erweckt bei mir zunehmend den Eindruck, vor Problemen zu kapitulieren und sich statt Dessen in Übersprunghandlungen zu flüchten.

Beispiel: Alkoholverbot

Es ist kein Geheimnis,dass Alkohol sowohl gewalttätige Ausschreitungen befeuern, als auch dazu führen kann, dass einem Betrunkene aus 5 cm Entfernung gegenseitig ihre Corona- und sonstigen Viren ins Gesicht lallen.

Wenn aus diesen Gründen teils sozial ungerechte Alkoholverbote erlassen werden, treffen die Verbote zwar auch die Problemverursacher, aber ebenso eine (mutmaßliche) Mehrheit, die sich trotz Alkohol zu benehmen weiß.

Anstatt dass unsere Exekutive wirklich nur auf Strassenschläger und Abstandsverweigerer zielt, wird die zu kontrollierende Zielgruppe künstlich aufgeblasen und alle Bürger, die gepflegt auf der Mauer ein Bierchen trinken wollen, unter Genralverdacht gestellt.

Beispiel: Nukleare Bedrohung

Kubakrise, Sonnenreflektionen, Able-Archer-Manöver: Die Zivilisation stand schon mindestens 3 mal am Rande der nuklearen Vernichtung, die nur abgewendet werden konnte, weil Helden wie Stanislaw Petrow die Nerven bewahrt haben. Die Gefahr, im Laufe seines Lebens von einer Atombombe geröstet zu werden, ist dennoch weiterhin höher, als z.B. in einem deutschen Panzer an mäßiger Luftqualität zu sterben. Während den globalen, für alle Menschen real existierenden Gefahren nur unzureichend begegnet und die Kriegsgefahr durch die Aussenpolitik sogar noch angeheizt wird, besteht an anderer Stelle die Bereitschaft, für einen punktuellen Zugewinn an Sicherheit und Gesundheit extrem viele Ressourcen in die Hand zu nehmen.

Beispiel: Frauentaxi

Auch das ist kein Geheimnis: Männer sind zwar häufiger die Täter, aber nicht wesentlich seltener die Opfer von Gewalttaten. Dennoch gibt es in immer mehr Deutschen Städten Frauentaxis, die auf Kosten der Allgemeinheit lediglich einen Teil der Bevölkerung ein kleines bisschen mehr vor Übergriffen schützen.

Mit der Alternative, nämlich auch nachts um 4 Uhr an der S-bahn-Haltestelle im Industriegebiet für Sicherheit zu sorgen, ist unser Staat überfordert.

Das stellt indes kein reines Exekutivproblem dar, sondern hat auch damit zu tun, welcher Anteil der Einwohner den Wert eines friedlichen Zusammenlebens auch dann verinnerlicht haben, wenn sie sich gerade unbeobachtet fühlen.

Beispiel: Staatsräson

Oder Neudeutsch Staatswohl. Edward Snowden oder auch Julian Assange Asyl zu gewähren wäre ein Paradebeispiel für die zweckmässige Anwendugn des Asylrechts. Doch für das Staatswohl, wer auch immer das bestimmt, schien es wohl vorteilhafter zu sein, diese Gelegenheiten verstreichen, bzw. Russland zu überlassen, um den mächtigen Verbündeten USA nicht zu verstimmen.

Auch die Aufklärung terroristischer Taten wie die Morde des Nationalsozialistischen Untergrundes oder der islamistische Anschlag auf den Breitscheidplatz muss anscheinend diesem ominösen Staatswohl zurückstehen. So werden die NSU-Akten 120 jahre lang in den Giftschrank gesperrt und wir Bürger dürfen uns an selbstbeweihräuchernden Sonntagsreden über Datenschutz, freie Presse und Toleranz erfreuen.

Beispiel: "Killerspiele"

Es ist ein wiederkehrendes Ritual der politischen Profilierung, bei Schulamokläufen darauf zu verweisen, dass der (meist männliche) Amokläufer "Killerspiele" auf seinem Computer hatte, die man jetzt dringend verbieten müsste. Während solche Spiele auch unter unauffälligen jungen Männern weit verbreitet sind, stechen in den Biografien von Amokläufern oft Mobbing, soziale Isolation und eine Umgebung des harten sozialen Konkurrenzkampfes hervor. Ob die vermehrte Flucht in virtuellen Welten Ursache oder Wirkung davon ist sei dahingestellt, jedenfalls lassen sich Killerspiele (wahlweise auch mal Paintball) medienwirksamer verbieten, als sich evidenzbasiert mit den sonstigen Ursachen der Gewalt zu befassen.

Fazit: Was tun, wenn der Aufzug kaputt ist?

Die Treppe nehmen und ihn zügig reparieren! Und Menschen anderweitig helfen, die ihn benötigen.

Was nicht funktioniert, ist es, jahrelang vor dem kaputten Aufzug zu kapitulieren und eine medienwirksam eine Teillösung anzubieten: "Das barrierefreie Erdgeschoss ist ab sofort den Menschen vorbehalten, deren linker(!) Fuß gebrochen ist."

Also: Bei schwierigen Themen nicht schnell!schnell! irgendwas machen, nur um etwas getan zu haben, sondern gründlich überlegen, wie es in den Griff zu bekommen ist und den Mut haben, es auch zu tun.

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Anastasia

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Kai-Uwe Lensky

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