Immer wieder kommt es dazu, dass mehr oder weniger verwirrte Personen mit einem Messer in der Hand von der Polizei erschossen werden, begleitet von Debatten darüber, ob dies nötig war.

Lässt sich ein Messerangriff abwehren?

Vielleicht! Das ist die kurze Antwort. Wer es versucht, kann verlieren, wer es nicht versucht, hat schon verloren. Es kommt auf verschiedene Parameter an.

Arten des Angriffs

Je nach Beschaffenheit des Messers ist es unterschiedlich gut geeignet für direkte Schnitt- und Stichangriffe. Es mag trivial klingen: somit wird die eingesetzte Körperkraft des Angreifers auf einen Punkt- oder linienförmigen Bereich konzentriert. Daher kann auch ein untrainierter Angreifer mit wenig Kraft das relativ weiche menschliche Gewebe durchdringen und schwere bis tödliche Verletzungen verursachen.

Ein weiter wichtiger Faktor ist die Wucht des Angriffs. Je mehr Masse und Geschwindigkeit und je kürzer der "Bremsweg", desto mehr Kraft wird auf einen konzentrierten Bereich ausgeübt. Es zählt dabei das Gewicht des Messers, als auch das der Körperteile des Angreifers, die damit im Kraftverbund stehen (Hand, Arm, Schulter, Oberkörper)

Neben dem direkten Nahkampfangriff können Messer auch geworfen werden, das erfordert zwar Übung, aber auch ungeübte Angreifer können "Glückstreffer" landen.

Besonders schwere "Messer" wie Schwert- oder Machetenähnliche Gegenstände verursachen als Hiebwaffen darüber hinaus erhelichen Schaden durch die reine Wucht des Angriffs.

Neben dem physischen Angriff entfalten Messer eine psyschologische Wirkung und können beim Angegriffenen Panikreaktionen wie Erstarren oder Koordinationsverlust erzeugen.

Arten des Messers

In gewöhnlichen Haushalten finden sich meistens Küchen- und Brotmesser. Brotmesser verursachen durch die Zahnung der Schneide fiese Schnittverletzungen, sind jedoch durch die Auformung der Spitze meist nicht zum Stechen geeignet, im Gegensatz zu spitzen Küchenmessern. Beide Messerarten sind nicht für den Einsatz mit voller Körperkraft konstruiert und können dabei abbrechen.

Cutter- oder Teppichmesser haben eine filigrane, brüchige Klinge und sind daher kaum für Stichangriffe geeignet, allerdings sehr scharf und die Klinge kann einhändig ausgefahren und arretiert werden. Sie könnten daher von jedem Angreifer plötzlich aus der Tasche gezogen werden.

Outdoor- und Einsatzmesser haben oft eine stabile, spitze Klinge und einen rutschsicheren Griff und sind daher sehr gefährliche Schnitt- und Stichwaffen.

Macheten und Schwerter sind durch ihre Größe und den Reichweitenvorteil gefährliche Hiebwaffen, selbst wenn sie als Dekowaffen nicht geschärft sind.

Arten des Angreifers

Spontane Angreifer haben sich vorher nicht vorbereitet, greifen sich daher oft das erstbeste und -größte Messer in Reichweite.

Vorbereitete Angreifer wählen für einen gezielten Angriff das geeignete Messer aus oder führen es generell bei sich, sie könnten geübt im Kampf damit sein.

Trainierte Angreifer haben das Töten mit dem Messer geübt, sie sind auf die üblichen Abwehrstrategien vorbereitet.

Arten der Verteidigung

Distanz durch Barrikaden oder Abstand zwischen sich und dem Angreifer zu schaffen, ist die beste Möglichkeit und schafft Zeit für Deeskalation.

Sofern weder Verbarrikadiderung oder Flucht möglich oder geboten sind, ist eine Schusswaffe eine sehr sichere Möglichkeit, einen Angreifer in Schach zu halten und gegebenenfalls einem Wurf zuvorzukommen. Einen Angreifer in einen Pistolenlauf blicken zu lassen, schränkt zwar die Deeskalationsmöglichkeit ein, verschafft andererseits aber mehr Zeit dafür.

Droht der Angreifer in einen Nahkampf einzutreten, besteht auch für trainierte Verteidiger akute Lebensgefahr und der Selbstschutz ist oberstes Gebot. Im Nahkampf verlieren Schusswaffen ihre Überlegenheit gegenüber einem Messer. Einen Angreifer im Nahkampf zu überwältigen, ist mit hohem persönlichen Risiko verbunden ohne Schutzausrüstung kaum verletzungsfrei zu überstehen. Angreifer befinden sich oft in psychischen Ausnahmesituationen und können durch einen Adrenalinrausch unerwartete Kräfte und Reflexe an den Tag legen.

Schutzausrüstung für den Nahkampf gegen Messerträger existiert, gerade Schittschutztextilien sind recht leicht und flexibel. Geht es allerdings um Schutz vor Hieb- und Stichangriffe, so konnten seit der Antike kaum technische Fortschritte erzielt werden. Sowohl Schutzplatten als auch Kettenrüstungen sind noch immer das Mittel der Wahl. Sie bieten jedoch keinen 100%-igen Schutz und schränken durch Gewicht und Steifigkeit die Beweglichkeit erheblich ein. Damit muss der Angreifer schnell überwältigt werden, bevor er Zeit hat, gezielt die Schwachpunkte der Schutzausrüstung, z.B. am Hals, anzugreifen.

Ob jemand das Risiko eingeht, mit oder ohne Schutzausrüstung einen Messerangreifer im Nahkampf zu überwältigen, statt auf ihn zu schießen, ist immer eine Abwägung, bei der die Art des Messers, des Angreifers, der eigenen Fähigkeiten und die gebotenen Eile in Betracht gezogen werden muss.

Menschen, die dieses Risiko eingehen, um das Leben eines Angreifers zu schützten, verdienen Hochachtung, denn es ist keine Selbstverständlichkeit, die bei jedem Einsatz verlangt werden kann.

Update: Wow, 127 Kommentare, die ich allerdings nicht mehr lesen kann, denn anscheinend wurde der Kommentarbereich komplett ausgeblendet (nicht von mir).

Falls er wieder eingeschaltet wird, seid doch bitte alle so gut, in euren Kommentaren sachbezogen zu bleiben, anzuerkennen, dass andere Menschen vielleicht einen guten Grund haben, anderer Meinung zu sein, und vor allem verzichtet auf gegenseitige persönliche Angriffe.

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